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Man muss den Dingen

Alwite schrieb am 24. September 2020 um 18:39 Uhr:

Man muss den Dingen

die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…

Man muss Geduld haben

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

Rainer Maria Rilke

Alwite
Beiträge: 606
Erika Moers schrieb am 26. September 2020 um 09:41 Uhr:

Geduld

Die Zeilen tun mir gut,
liebe Alwite, danke.
"die Fragen leben . . ."

Erika Moers
Beiträge: 309
Matthäus53 schrieb am 3. Oktober 2020 um 15:25 Uhr:

Man muß den Dingen vertrauen und dabei mit Gott gewinnen

Man muß den Dingen auf den Grund gehen, auch wenn man ihn nicht sehen oder gleich verstehen kann.
Auf den Grund gehen , wenn er aus Fels ist wie es schon in der Bibel steht
und genauso fest mit Gott durchs Leben gehn.
Dazu muß man ihn nicht sehn sondern glauben und vertrauen bis hin zum Staunen.

Man muß den Dingen auch mal auf den Zahn fühlen,
Temperament abkühlen und erspüren was uns die Bibelworte sagen wollen.
Vielleicht tun sie uns gar aufwühlen, aber das müssen wir aushalten und erspüren.

Man muß den Dingen auch wie beim Sturm ins Auge sehen, dabei nicht umdrehen.
Nicht nur den Splitter bei sich selbst sondern auch bei anderen erkennen.
Hierbei dürfen wir uns aber nicht verrennen, sondern die Dinge egal wie gut und schlecht,
auch recht beim Namen nennen.

Man muß den Dingen besonders auch den argen nicht nur entgegentreten sondern auf sie drauf.
Auch dabei wird uns Gott beschützen, weil er dies sogar
durch den Fels in der Brandung fest versprach.
Darum dürfen Bibeln nicht im Schranke liegen um uns in Ruh zu wiegen ,
sondern ihre Worte müssen wir verdauen und verstehn damit wir mit Petrus auf festem Grund,
wie ein Fels in der Brandung stehen.

Matthäus53
Beiträge: 313
Alwite schrieb am 3. Oktober 2020 um 17:00 Uhr:

„Der erhobene Finger“

Meister Djü-dschi war, wie man uns berichtet,
Von stiller, sanfter Art und so bescheiden,
Daß er auf Wort und Lehre ganz verzichtet,
Denn Wort ist Schein, und jeden Schein zu meiden
War er gewissenhaft bedacht.
Wo manche Schüler, Mönche und Novizen
Vom Sinn der Welt, vom höchsten Gut
In edler Rede und in Geistesblitzen
Gern sich ergingen, hielt er schweigend Wacht,
Vor jedem Überschwange auf der Hut.
Und wenn sie ihm mit ihren Fragen kamen,
Den eitlen wie den ernsten, nach dem Sinn
Der alten Schriften, nach den Buddha-Namen,
Nach der Erleuchtung, nach der Welt Beginn
Und Untergang, verblieb er schweigend,
Nur leise mit dem Finger aufwärts zeigend.
Und dieses Fingers stumm-beredtes Zeigen
Ward immer inniger und mahnender: es sprach,
Es lehrte, lobte, strafte, wies so eigen
Ins Herz der Welt und Wahrheit, daß hernach
So mancher Jünger dieses Fingers sachte
Hebung verstand, erbebte und erwachte.

Hermann Hesse: Für Wilhelm Gundert

Alwite
Beiträge: 606