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Parteien und Ministerien wollen mit sogenannten Newsrooms ihr Bild in sozialen Medien besser kontrollieren (Symbolbild) Foto: epd-Bild
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Zwinkersmiley aus dem Newsroom

12. Juli 2019

Werden Politiker in den sozialen Netzwerken zu Influencern? Einige Parteien und Ministerien haben bereits sogenannte Newsrooms oder Neuigkeiten-Zimmer eingerichtet. Befürchtet wird, dass sie versuchen, kritische Journalisten zu umgehen.

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Parteien und Ministerien wollen mit sogenannten Newsrooms ihr Bild in sozialen Medien besser kontrollieren (Symbolbild) Foto: epd-Bild

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Berlin (epd). Die Digitalisierung hat den Journalismus deutlich verändert: Der Nachrichtentakt ist schneller, die Halbwertszeit einer Meldung kürzer, Webseiten müssen rund um die Uhr mit Content befüllt werden. Auch die Öffentlichkeitsarbeit verändert sich: Mit sogenannten Newsrooms wollen Parteien und Ministerien ihr Bild in sozialen Medien besser kontrollieren.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer will sogar eigene Nachrichten produzieren. In einem Artikel für die Zeitschrift "Politik & Kommunikation" schrieb sie im März, ihre Partei müsse viel stärker als bisher "selbst News produzieren, von denen klar ist: So und nur so spricht die CDU". Im Magazin der Jungen Union informierte sie über die Überlegungen im Konrad-Adenauer-Haus zur Gestaltung eines Newsrooms: Die CDU müsse einen Weg finden, als Partei in Echtzeit auf unterschiedlichen Kanälen zu kommunizieren. Als Erfolg wertete sie die Strategie beim CDU-Werkstattgespräch zu Migration im Februar, bei dem keine Presse zugelassen war: "Wir waren Herr über die Bilder, wir haben die Nachrichten selbst produziert."

Professionalisierung der Kommunikationsstrategie

Die SPD arbeitet ebenfalls an einer Professionalisierung ihrer Kommunikationsstrategie: Die Partei hat kürzlich die Journalistin Carline Mohr eingestellt, die das Social-Media-Team beziehungsweise den sogenannten Newsroom im Berliner Willy-Brandt-Haus leiten soll. Die Journalistin leitete von 2014 bis 2016 das Social-Media-Team von "Bild.de".

Die Grünen gehen anders vor. Ihr Bundesgeschäftsführer Michael Kellner sagt, er lehne Newsroomkonzepte ab, die das Ziel haben, Journalisten zu umgehen.

Auch in den Ministerien ist der Umgang mit sozialen Medien bislang sehr unterschiedlich. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) setzt auf das "Neuigkeiten-Zimmer", das er im vergangenen September im Ministerium eingerichtet hat. Für die Öffentlichkeitsarbeit veranschlagt er laut Bundeshaushalt in diesem Jahr gut 2,5 Millionen Euro - mehr als doppelt so viel wie 2018. Eine riesige Öffentlichkeit erreichte seine Fahrradhelm-Kampagne, die ein Model, bekleidet mit BH und Fahrradhelm zeigte. Sie brachte dem Minister aber auch Sexismusvorwürfe ein.

Umbau der Öffentlichkeitsarbeit

Das Auswärtige Amt hat ebenfalls einen Newsroom, wo sich Pressestelle und Social-Media-Redakteure koordinieren und die verschiedenen Kanäle bespielen. Regierungssprecher Steffen Seibert hat im Bundespresseamt schon 2015 eine Redaktion Soziale Medien eingerichtet. Seibert hat unter dem Profilnamen @RegSprecher bei Twitter mehr als 900.000 Follower.

Nicht nur auf Bundesebene, auch in den Ländern ist der Umbau der Öffentlichkeitsarbeit zu beobachten. In Mainz stießen im Frühjahr Pläne der Landesregierung, einen Newsroom aufzubauen, auf Kritik. Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) sprach später von einem Missverständnis. "Es ist selbstverständlich, dass wir keine journalistische Arbeit machen", sagte sie. Der geplante "Newsroom" wurde in "Mediendienst" umbenannt.

Journalistisches Arbeiten verändere sich

Soziale Netzwerke machen es den Politikern einfach, Journalisten zu umgehen. Der Berliner Kommunikationswissenschaftler Martin Emmer sagt, es sei jedoch ein Unterschied, ob die AfD diesen Weg gehe oder die CDU: "Populistischen Parteien geht es um die Frontstellung gegen einen öffentlichen Konsens." Wenn aber demokratische Volksparteien sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs zurückzögen und nur noch die eigenen Anhänger über eigene Kanäle bespielten, drohe die Polarisierung der Gesellschaft.

In Berlin ist die Bundespressekonferenz das wichtigste Bindeglied zwischen Journalisten und der Politik. Der Verein der Hauptstadtjournalisten unterhält einen Saal, in dem Politiker sich den Fragen der Presse stellen. Die Journalisten geben die Regeln vor. Angela Wefers ist seit Jahren im Vorstand aktiv. Sie sieht Journalisten in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass diese Institution nicht an Schlagkraft verliert. Wefers geht nicht davon aus, "dass die Newsrooms uns das Wasser abgraben". Verändert habe sich aber das journalistische Arbeiten: Die Präsenz der Reporter gehe zurück, das Streben nach einer vermeintlich exklusiven Nachricht nehme zu.

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