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Bruder Hugues (li.) und und Bruder Tanguy von der Abtei "La Cambre" in Brüssel. Foto: epd-Bild
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Zwei Ordensbrüder im In-Viertel

22. November 2016

Mitten in Brüssel haben belgische Ordensbrüder in einer denkmalgeschützten Abtei eine jahrhundertealte Klostertradition wiederbelebt. Isolieren aber wollen sie sich nicht.

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Bruder Hugues (li.) und und Bruder Tanguy von der Abtei "La Cambre" in Brüssel. Foto: epd-Bild

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Brüssel (epd). Die Brüder Hugues und Tanguy wohnen in einem der teuersten und angesagtesten Viertel Brüssels auf einem großen Anwesen. Mehrere Gärtner kümmern sich um den Park mit den penibel gestutzten Bäumen, Springbrunnen und Goldfisch-Bassin. Dabei gehört Hugues und Tanguy persönlich kaum mehr, als was sie auf dem Leib tragen. Nur Dinge wie die Zahnbürste werden nicht geteilt, scherzt Hugues.

Hugues und Tanguy sind Ordensbrüder. Ihre Gemeinschaft der Prämonstratenser-Chorherren liegt mitten in der belgischen Hauptstadt und EU-Metropole in der denkmalgeschützten Abtei "La Cambre" und hat die kleinste denkbare Größe: Sie sind zu zweit. Ihr Leben ist ein Wechsel zwischen Versenkung ins Gebet und Begegnung mit der Welt.

Wohnen neben der Kunsthochschule

Hugues, Jahrgang 1960, wirkt wie ein Bilderbuch-Mönch. Kräftig gebaut, in langem weißen Kapuzen-Gewand und Sandalen an den Füßen, lässt sich mit ihm genauso über die Bedeutung der Beichte wie über belgisches Bier plaudern. Er lacht gerne und kann stundenlang über die Geschichte von "La Cambre" Auskunft geben: Von der Gründung als Nonnenkloster der Zisterzienserinnen Anfang des 13. Jahrhundert über die Enteignung in der Französischen Revolution, die Besatzung durch deutsche Soldaten während des Ersten Weltkriegs bis zum Oktober vor drei Jahren.

Damals siedelten Hugues und Tanguy aus ihrer Prämonstratenser-Abtei im wallonischen Dinant nach Brüssel über. Ein Bischof hatte die Idee gehabt, die klösterliche Geschichte des Ortes wiederaufleben zu lassen. Zudem wurden Priester für die Pfarrgemeinde gebraucht.

Fragt man Hugues, was ihm in Brüssel fehle, kommt die Antwort prompt: "die Ruhe." Denn das Anwesen gehört schon lange dem Staat. Wo früher einmal mehrere Dutzend Nonnen lebten, sind heute neben den Ordensbrüdern auch Belgiens Nationales Geografisches Institut und eine Kunsthochschule untergebracht.

Wirken in die Welt

Der gepflegte Park rund um das Anwesen ist öffentlich und zieht auch an den Abenden Besucher an. Die sitzen dann schon mal auf der Treppe direkt unter den Fenstern der Brüder, trinken und lärmen - und sind erstaunt, wenn dann irgendwann die schwere Holztür aufgeht und im alten Kloster doch noch jemand wohnt und schlafen möchte.

Tanguy ist 20 Jahre jünger als Hugues, er trägt an diesem Tag eine grüne Stoffhose, blauen Pulli, Dreitagebart und in der Hand ein Smartphone. Dass er Geistlicher ist, erkennt man nur am weißen Stehkragen. Der Ordens-Habit ist keine Vorschrift, draußen tragen ihn die Brüder gewöhnlich nicht, sagen sie. "Das ist bequemer", sagt Tanguy.

Isolieren wollen sich Hugues und Tanguy nicht. Die beiden Kleriker wirken auch "in der Welt": als Priester der örtlichen Kirchengemeinde, als Helfer in einer Obdachloseneinrichtung, als Religionslehrer oder bei den Pfadfindern.

Diese Öffnung liegt den Prämonstratensern sozusagen in den Genen. Sie sind Chorherren oder Kanoniker, die nach Ordensregeln leben, aber keine Mönche sind. Während für viele Mönchtum gleichbedeutend ist mit Abkehr von der Welt, leben Chorherren "in einer lebendigen Ordensgemeinschaft, die sich nach Innen in Christus verortet und nach Außen zu den Menschen gesandt weiß", wie der oberste Prämonstratenser es einmal ausgedrückt hat, der aus Deutschland stammende General-Abt Thomas Handgrätinger.

Wenig Nachwuchs für die Brüder

Der direkte Oberste von Tanguy und Hugues ist weiterhin der Abt der Mutter-Abtei in Dinant. In "La Cambre" in Brüssel trägt dann Hugues den Titel des Priors und damit des Vorgesetzen. "Aber Vorgesetzter von zweien zu sein, das macht nicht viel Sinn", sagt er lachend und verdreht die Augen. Dazu komme das bei den Prämonstratensern herrschende Kollegialitätsprinzip: Wichtige Entscheidungen würden ohnehin gemeinschaftlich getroffen.

Wie ist die Perspektive für das Kloster? Historisch waren Außenstellen wie in Brüssel eigentlich Ausgangspunkt neuer Klöster. Wie Kinder emanzipieren sie sich irgendwann von den Eltern, erklärt Hugues. Das ist bei "La Cambre" jedoch ausgeschlossen, da das Anwesen nicht dem Orden gehört, sondern dem Staat.

Darüber hinaus sind sie eben nur zu zweit. Auch das Mutterkloster zählt nur elf Brüder. Generell gebe es in Belgien wenig Nachwuchs, sagt Bruder Hugues. Gut 800 Jahre nach der Gründung des Klosters und drei Jahre nach dem Start der neuen Gemeinschaft muss der Ordensbruder feststellen: "Die Zukunft hier - man weiß es nicht."

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