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«We Are The World»

24. Januar 2018

Für viele Rock- und Popstars gehört es zum guten Ton, sich sozial einzusetzen. Sie sammeln Spenden für Hilfsprojekte, engagieren sich mit ihrem Namen. Ihre Glaubwürdigkeit sei durch Fehltritte einzelner nicht bedroht, sagt der Leiter der Popakademie.

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Frankfurt a.M. (epd). Ausgerechnet Bono: Bei jeder größeren Wohltätigkeitsveranstaltung darf der Sänger der irischen Rockband U2 nicht fehlen. Bei "Live Aid" sammelte er mit anderen Superstars des Pop und Rock Spenden gegen den Hunger in Afrika. Er kämpft gegen Aids, für fairen Handel, den Schuldenerlass für arme Länder und für die Menschenrechte sowieso.

Gerne pflegt der 57-jährige sein Image des Weltverbesserers - nun ist durch Enthüllungen der "Paradise Papers" seine Glaubwürdigkeit angekratzt: Eine Briefkastenfirma auf der Ärmelkanal-Insel Guernsey soll er dazu benutzen, um Steuern zu vermeiden. Seine Anteile an einem litauischen Einkaufszentrum, das jahrelang keine Steuern auf Gewinne gezahlt haben soll, verkaufte er daraufhin.

Für Umweltschutz und Kinderrechte

"Charity" - Wohltätigkeit: Viele Rock- und Popmusiker engagieren sich karitativ und sozialpolitisch, etwa gegen Armut, Krieg, Rassismus, Aids sowie für Gerechtigkeit und Umweltschutz. Stars wie Sting, Elton John, Paul McCartney und Bruce Springsteen geben dafür beträchtliche Summen. Sie sammeln Spenden für Projekte von Hilfsorganisationen, gründen eigene Initiativen - oder werben für eine gute Sache einfach mit ihrem Namen. Für Kinderrechte treten die Sängerinnen Shakira, Pink und Katy Perry ein.

Doch nicht erst seit dem Finanzskandal um Bono wenden einige Kritiker ein, das "Gutmenschentum" mancher Stars sei heuchlerisch und nutze ihrer Selbstdarstellung und dem eigenen Geldbeutel.

Udo Dahmen, Direktor der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim, sieht den Einsatz von Musikern für Bedürftige "generell extrem positiv". Wenn eine gute Sache im Vordergrund stehe, sei auch etwas Imagepflege nicht verwerflich, urteilt der Musikexperte. Die Glaubwürdigkeit der gesamten Musikbranche sei durch Fehltritte einzelner nicht bedroht. Allerdings rät Dahmen dazu, bei von Musikern unterstützten Hilfsprojekten auf Transparenz zu achten und "genau zu überlegen, wo man Spendengeld hingibt".

Spott und Häme

Das soziale Gewissen solle man Musikern wie Bono oder dem Punkrocker Campino von den "Toten Hosen" nicht absprechen, erklärt die Journalistin Birgit Fuß. Für den "Rolling Stone" hat sie beide auch zu ihrem karitativen Einsatz interviewt: "Sie könnten sich einfach zurücklehnen und das Rockstar-Dasein genießen", sagt Fuß. "Sie engagieren sich trotzdem" - obwohl sie dafür oft auch noch Spott und Häme ernteten.

Künstler könnten auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen, Menschen über ihre Rechte aufklären und sie bestenfalls dazu motivieren, selbst "aufzustehen und zu handeln", sagt Natalia Bronny von Amnesty International Deutschland in Berlin: "Im Einsatz für Gerechtigkeit ist Musik schon immer eine mächtige Verbündete gewesen, weil sie eine besondere Fähigkeit hat: uns tief zu bewegen."

Maßstab aller Wohltätigkeitskonzerte ist bis heute das Benefizkonzert "Live Aid" mit zahlreichen Weltstars, das vom irischen Rockmusiker Bob Geldof am 13. Juli 1985 zeitgleich in London und Philadelphia veranstaltet wurde. Im Zuge der im Fernsehen weltweit übertragenen Konzerte wurden rund 175 Millionen Euro für die Hungerhilfe in Äthiopien gespendet. Den programmatischen Song "We Are The World" sangen Stars wie Stevie Wonder, Bob Dylan, Tina Turner und Ray Charles gemeinsam ein.

Seit Jahren ist der "Panikrocker" Udo Lindenberg deutscher Pate für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Besonders Prominente aus dem Pop- und Rockbereich nutzten ihre Bekanntheit und ermutigten andere Menschen, ihrem Beispiel zu folgen, sagt Tim Rohde von Unicef Deutschland in Köln.

Viel Herzblut und christliche Überzeugung

Soulsänger Laith Al-Deen ("Bilder Von Dir") aus Mannheim sammelt schon seit langem Spenden für schwer kranke Kinder aus ganz Deutschland, die im stationären Kinderhospiz "Sterntaler" in Dudenhofen bei Speyer betreut werden. "Wo ist das Unterstützen von sozialem Engagement und Liebe sinnvoller als an Orten wie dort", sagt der 45-Jährige.

Auch die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie sind dankbar für Unterstützer aus der Rock-Szene. Der Sänger Michael Patrick Kelly habe bei Kirchenkonzerten rund 100.000 Euro etwa für die Hungerbekämpfung und die Friedensarbeit gesammelt, informiert der katholische Caritasverband in Freiburg. Das frühere Mitglied der Popband "The Kelly Family" sei ein glaubwürdiger Botschafter, "weil er sich mit viel Herzblut und einer großen inneren und christlichen Überzeugung für die Belange der Schwächsten auf der Welt engagiert", sagt Caritas-Sprecher Michael Brücker.

Und der Youtube-Musiker MaximNoise wirbt als Influencer, als Meinungsmacher, für die Diakonie Deutschland bei einem jungen Publikum für soziale Berufe. Sein Musikvideo "Da sein" hat der Rapper aus Neuss in diakonischen Einrichtungen aufgenommen, und er weist darin auch auf das Karriereportal des evangelischen Wohlfahrtsverbands im Internet hin. Die Zahl der Nutzer sowie potenzieller Bewerber habe sich daraufhin verdoppelt, berichtet Projektmanagerin Maja Schäfer. "Wir finden: Ziel erreicht."

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