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Verschollen geglaubter Bonhoeffer-Brief an Gandhi aufgetaucht

27. März 2020

Ein Brief des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) an den indischen Gelehrten und Unabhängigkeitskämpfer Mahatma Gandhi ist wieder aufgetaucht.

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Alt-Bischof Huber mit Bonhoeffer-Büste Foto: epd-Bild

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Frankfurt a.M. (epd). Der Brief galt lange Zeit als verschollen, von seiner Existenz wusste man durch das Antwortschreiben Gandhis an Bonhoeffer. Nun ist Bonhoeffers Brief erstmals in deutscher Übersetzung im evangelischen Monatsmagazin "Zeitzeichen" (April) erschienen.

Die Übersetzung stammt von Alt-Bischof und Bonhoeffer-Forscher Wolfgang Huber, der von 2003 bis 2009 auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war. Der Brief ist mit einem Vorwort von Huber versehen. Ein indischer Historiker hatte den Brief in den Gandhi-Dokumenten im Nehru Memorial Museum & Library in New Delhi entdeckt, heißt es in der Vorbemerkung. Das Original wurde 2018 veröffentlicht.

Gandhi lud Bonhoeffer nach Indien ein

Der Brief ist auf den 27. Oktober 1934 datiert und auf Englisch verfasst. Bonhoeffer bittet Gandhi (1869-1948) darin, ihn in dessen Ashram in Indien besuchen zu dürfen. Das Prinzip des "gewaltlosen Widerstands", das Gandhi praktizierte, interessierte ihn sehr. Der Brief drückt auch die Sorge über einen nahenden Krieg in Europa aus. In dem Brief vertritt er die Auffassung, Europa brauche "eine wirklich geistlich geprägte und lebendige christliche Friedensbewegung".

Bonhoeffer äußert außerdem Zweifel an der Rolle der Kirchen in der gesellschaftlichen Situation mehr als ein Jahr nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Die Bekennende Kirche, der er angehörte, hatte sich ein knappes halbes Jahr zuvor auf ihrer Bekenntnissynode in Wuppertal-Barmen formiert. Bonhoeffer war zum Zeitpunkt des Briefs 28 Jahre alt und betreute als Pfarrer zwei deutsche Gemeinden in London. Gandhi lud den jungen Theologen in seiner Antwort vom 1. November 1934 nach Indien ein.

Bonhoeffer entschied sich für Predigerseminar

Doch Bonhoeffer sei der Einladung nicht nachgekommen, schreibt Wolfgang Huber in seiner Erläuterung. Stattdessen habe er das Predigerseminar in Finkenwalde gegründet. "Die Aufgabe, Pfarrer auszubilden, die etwas gegen die geistliche Auszehrung der Christenheit in Deutschland tun und sie dadurch auch zum Widerstand fähig machen könnten, war für ihn dringlicher", schreibt Huber. "Diese Revision eines so lange und so intensiv vorbereiteten Plans ist von vergleichbarer Bedeutung wie die Entscheidung des Jahres 1939, von der Möglichkeit einer sicheren Zuflucht in den USA keinen Gebrauch zu machen, sondern nach Deutschland zurückzukehren. Beide Entscheidungen zusammen gehören zu dem Weg, der in dem Justizmord von Flossenbürg endete."

Bonhoeffer wurde wenige Wochen vor Ende des Zweiten Weltkriegs - am 9. April 1945 - im Konzentrationslager Flossenbürg bei Regensburg hingerichtet, weil er an der Vorbereitung des Attentats auf Adolf Hitler am 22. Juli 1944 beteiligt gewesen war.

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Leser-Kommentare öffnen

Ulrich Keßler, 27. März 2020, 16:49 Uhr


Gerade in dieser Zeit, und gerade heute, berühren mich diese Informationen über Dietrich Bonhoeffer sehr! Seine damalige Auffassung, Europa brauche "eine wirklich geistlich geprägte und lebendige christliche Friedensbewegung", und seine Bereitschaft, "Pfarrer auszubilden, die etwas gegen die geistliche Auszehrung der Christenheit in Deutschland tun", sind meiner Überzeugung überhaupt nicht 'von gestern', sondern hoch aktuell. Was schon seit Langem die evangelische Kirche prägt, ist ein von Verlustangst geprägtes,
auf öffentliche Anerkennung zielendes, möglichst publikumswirksames Sich-Anpassen an den politischen "Mainstream", bei dem (theologisch ausgedrückt) die Christologie zugunsten eines beifallheischenden Abrahamismus 'den Bach runter geht'.
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Alwite, 27. März 2020, 19:06 Uhr


Welch denkwürdiger Fund. Wie schade um die nicht stattgefundene Begegnung. Dass der junge Bonhoeffer auf den um 36 Jahre älteren, gebildeten, lebenserfahrenen Gandhi, der drei Jahre nach ihm, ebenfalls gewaltsam um sein Leben gebracht wurde, neugierig war, ist sehr gut nachvollziehbar. Aus umfassendem Wissen um andere Kulturen und dem Kontakt mit Menschen, die dieser in Gott vorstehen, erschließen sich nicht selten Verbindungen gegenseitigen Vertrauens.
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