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Umfrage bescheinigt Sachsen Fremdenfeindlichkeit

22. November 2016

Der Freistaat Sachsen hat erstmals eine umfangreiche Umfrage zu politischen Einstellungen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind alarmierend. Vor allem die sächsische Jugend ist gespalten.

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Dresden (epd). Wissenschaftliche Zahlen belegen es jetzt schwarz auf weiß: Sachsen hat ein Problem mit Rassismus und Menschenfeindlichkeit. Besonders die Jugendlichen sind nach einer am Dienstag in Dresden vorgestellten repräsentativen Umfrage für Ressentiments und rechtsradikale Einstellungen anfällig: Ein Viertel (26 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen stimmt der Aussage zu, Deutschland sei "durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Ausmaß überfremdet".

Das Meinungsforschungsinstitut dimap legte mit dem "Sachsen-Monitor" im Auftrag der Landesregierung erstmals belastbare Daten für den Freistaat vor. Unter den rund 1.000 befragten Sachsen ab 18 Jahren sähen mehr als die Hälfte (58 Prozent) eine "Überfremdung durch Ausländer", sagte dimap-Geschäftsführer Reinhard Schlinkert. Derartige Einstellungen seien allerdings nicht auf Sachsen begrenzt, jedoch dort "etwas stärker" und zum Teil" extremer" ausgeprägt, fügte er hinzu. Deutschlandweit habe etwa die Hälfte der Bevölkerung "Angst vor Flüchtlingen".

"Alarmierende Kennzeichen"

Nach der neuen Umfrage "Sachsen-Monitor" haben vor allem junge Erwachsene Vorurteile gegenüber religiösen Gruppen wie Muslimen und Juden. Der Aussage "Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden" stimmten 39 Prozent der Sachsen zu, aber 46 Prozent der 18- bis 29-Jährigen zu. Ein Drittel der jungen Menschen (35 Prozent) und ein Viertel (25 Prozent) aller Sachsen findet, dass "Juden versuchen, Vorteile daraus zu ziehen, dass sie während der NS-Zeit die Opfer gewesen sind". Ein Indiz, das der geringe Ausländeranteil im Freistaat - etwa zwei bis drei Prozent - wahrgenommen wird, liefere das Ergebnis, dass deutlich weniger Menschen (17 Prozent) ihre persönliche Wohnumgebung für "überfremdet" halten.

Der erstmals vorgelegte "Sachsen-Monitor" wurde von einem ehrenamtlichen Beirat unter Vorsitz des Direktors der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, begleitet. Staatskanzleichef Fritz Jäckel sprach von einem "ehrlichen Ergebnis" der Umfrage, das es auszuwerten gelte.

Das Gesamtbild an Einstellungen und Haltungen in Sachsen sei "besorgniserregend", sagte Richter. Es gebe "alarmierende Kennzeichen eines rechtsextremen und rassistischen Gedankengutes". Nicht nur die junge Generation, die gesamte Gesellschaft drifte weiter auseinander. Der Zusammenhalt gehe verloren. Das bereite ihm "große Sorgen", betonte Richter.

Autoritäre Denkmuster

Auch wenn laut der aktuellen Umfrage 85 Prozent der Sachsen die Opposition in der Demokratie besonders wichtig ist, müsse an der politischen Bildung gearbeitet werden. Die gut 20 Angestellten in der Landeszentrale könnten das nicht allein schaffen. Auch Demokratie-Vereine sprachen sich am Dienstag für eine Stärkung der schulischen und außerschulischen politischen Bildung aus.

Die Umfrage bescheinigte zudem Politikern ein schlechtes Image. Nur jeder Zweite (51 Prozent) war damit zufrieden, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert. Zugleich brachten die Ergebnisse autoritäre Denkmuster zutage: Jeweils 62 Prozent der Befragten "wollen eine Partei, welche die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert" und plädieren in der Gegenwart für "eine starke Hand".

Der Begriff "Volksgemeinschaft" werde jedoch - auch in Abhängigkeit vom Bildungsgrad - verschieden interpretiert, bestätigte Schlinkert. Nicht jeder meine damit vermutlich den von den Nationalsozialisten geprägten Begriff.

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