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Sprachwissenschaftler: Twitterer werden nicht zu Thomas Mann

8. November 2017

280 statt wie bislang 140 Zeichen dürfen Tweets ab sofort haben. Noch ist offen: Werden die Nutzer, an Kürze gewöhnt, das neue Limit ausreizen? Und wird auch aus Donald Trump ein "280-Zeichen-Präsident"?

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Frankfurt a.M., Hannover (epd). Der Sprachwissenschaftler Peter Schlobinski hält die erweiterte Zeichenlänge bei Twitter für "kontraproduktiv" für den Kurznachrichtendienst. "Dass Informationen bei Twitter kurz codiert sind, daran sind die Twitterer gewohnt. Auf einmal mehr Zeichen zur Verfügung zu haben, steht gegen die Erwartung der Nutzer", sagte Schlobinski dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch. Nach einer Testphase hat Twitter am Dienstagabend die Tweet-Zeichenlänge verdoppelt. Künftig sind Nachrichten in einer Länge von 280 statt wie bislang 140 Zeichen erlaubt. Für die Verdoppelung erntete Twitter zunächst viel Spott.

"Nutzer werden künftig auf Twitter nicht wie Thomas Mann oder Theodor W. Adorno schreiben", sagte Schlobinski, der an der Leibniz Universität Hannover lehrt. Gerade junge Menschen, die verschiedene Dienste wie Instagram oder WhatsApp nutzten, hätten sich darauf eingestellt, sich auf Twitter kurz zu halten, sagte er.

Nicht wirklich entscheidend

Studien zeigten, dass die vormals erlaubten 140 Zeichen gar nicht ausgenutzt worden seien, sagte Schlobinski. "Deshalb wird sich an der Art der Alltagskommunikation auch mit 280 Zeichen nichts grundlegend ändern." Interessant sei die erweiterte Zeichenlänge eher für politische Institutionen oder Akteure sowie für die Werbe- und Marketingwirtschaft. Auch in der Twitter-Testphase für die neue Zeichenlänge waren nach Unternehmensangaben nur fünf Prozent der Nachrichten tatsächlich länger als 140 Zeichen.

Der Kurznachrichtendienst hatte seit Ende September bereits mit der neuen Länge experimentiert. Produktmanagerin Aliza Rozen schrieb dazu am Dienstag im Twitter-Blog, die Testphase habe gezeigt, dass es die erhöhte Zeichenzahl den Nutzern einfacher mache, ihre Gedanken in einem Tweet zu formulieren. Zudem hätten die Teilnehmer der Testphase schneller und häufiger getwittert.

Nutzer reagieren mit Humor

Nutzer reagierten auf die Neuerung mit Humor: "Es begann mit 140 Zeichen. Dann wurden es auf einmal 280. Am Ende werden sie uns zwingen, miteinander zu reden!", twitterte ZDF-Satiriker Jan Böhmermann. Die ARD-"Sportschau" kommentierte: "Sportlich betrachtet steht es jetzt 280:140 für Twitter. Mund abputzen, weiter geht's."

Regierungssprecher Steffen Seibert zitierte den russischen Schriftsteller Anton Tschechow (1860-1904): "Tschechow: ,Die Kürze ist die Schwester des Talents.' Gilt auch auf Twitter." Als treuer Twitter-User habe er es passend gefunden, ein Zeichen für die Kürze zu setzen, erklärte er auf Nachfrage eines Journalisten in der Regierungspressekonferenz in Berlin. Ob er sich selbst künftig bei 140 Zeichen ein Limit setzt, ließ er offen.

Trump twittert 216 Zeichen

Einer der ersten Nutzer des neuen 280-Zeichen-Limits war US-Präsident Donald Trump. Er setzte auf seiner Asien-Reise einen 216 Zeichen langen Tweet ab. "Ich bereite mich für eine der Hauptreden auf der Nationalversammlung hier in Südkorea vor, dann werde ich nach China weiter reisen. Ich freue mich sehr, dort Präsident Xi zu treffen, der gerade erst seinen großen politischen Sieg eingefahren hat", schrieb Trump. Die österreichische "Kleine Zeitung" betitelte ausgerechnet am Mittwoch eine Geschichte über den "Meister der Vereinfachung" Trump mit der Überschrift "140-Zeichen-Präsident".

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