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Immer wieder der 9. November - hier: Schabowski 1989
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Tag widersprüchlicher Empfindungen: der 9. November

8. November 2018

Der 9. November wird als "Schicksalstag der Deutschen" bezeichnet, markiert er doch mehrfach Wendepunkte in der deutschen Geschichte.

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Immer wieder der 9. November - hier: Schabowski 1989

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Berlin (epd). Den 9. November statt des 3. Oktober als Nationalfeiertag zu begehen, ist aus Sicht des Historikers Heinrich August Winkler jedoch unrealistisch: "Die Widersprüche der Empfindungen auszuhalten, die mit dem Datum des 9. November verbunden sind, ist notwendig. Die Widersprüche zu feiern ist unmöglich", schrieb Winkler vor einigen Jahren in der "Zeit". Angesichts des 80. Jahrestags der NS-Pogrome gegen die Juden und des 100. Jahrestages der Ausrufung der ersten deutschen Republik gilt es in diesem Jahr in besonderem Maße, bei den zentralen Gedenkfeiern einen Bogen zu schlagen.

1918

9. November 1918: Der 9. November vor 100 Jahren steht für die Geburt der ersten deutschen Demokratie, der Weimarer Republik. An diesem Tag übergab der letzte Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, sein Amt eigenmächtig an den Sozialdemokraten Friedrich Ebert, der Vorsitzender der stärksten Partei im Reichstag war. Dessen Parteifreund Philipp Scheidemann rief am selben Tag unter dem Eindruck von Massendemonstrationen vom Reichstagsgebäude in Berlin aus die Republik aus. Zugleich proklamierte der Führer der linksradikalen Spartakusgruppe, Karl Liebknecht, die "freie sozialistische Republik Deutschland".

Schließlich setzten sich die Anhänger des parlamentarischen Systems durch. In der Weimarer Republik nutzen vor allem die Gegner des parlamentarischen Systems das Datum des 9. November, um die Folgen des Umsturzes zu diskreditieren.

1923

9. November 1923: Der Hitler-Ludendorff-Putsch fünf Jahre später hat einen historischen Rückbezug auf die sogenannte Novemberrevolution von 1918. Eine "Vaterländische Kundgebung" im Münchner Bürgerbräukeller nahm Adolf Hitler als Ausgangspunkt, um die "Regierung der Novemberverbrecher" für abgesetzt zu erklären. Der "Marsch auf Berlin" wurde jedoch bereits vor der Feldherrnhalle niedergeschlagen. Die Rädelsführer wurden verhaftet, die NSDAP als Partei verboten. Mit alljährlichen Erinnerungsfeiern avancierte der Putschversuch nach 1933 zu einem Bezugspunkt nationalsozialistischer Mythenbildung.

1938

9. November 1938: Mit den Novemberpogromen vor 80 Jahren gingen die Nationalsozialisten zu offener Gewalt gegen die jüdische Minderheit über. Höhepunkt war die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Es brannten unzählige Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet und jüdische Bürger misshandelt und getötet. Drei Jahre vor Beginn der systematischen Massendeportationen und nach zahlreichen rechtlichen Diskriminierungen erhielt die Verfolgung der Juden mit den Ausschreitungen einen neuen Charakter.

Als Vorwand für die Übergriffe diente den Nationalsozialisten das Attentat des 17-jährigen Juden Herschel Feibel Grynszpan auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath am 7. November 1938 in Paris. Propagandaminister Joseph Goebbels gab bei einem Treffen von Parteiführern in München das Signal für Gewaltaktionen in ganz Deutschland und Österreich. In der Öffentlichkeit versuchte die NS-Führung, die Übergriffe als "spontanen Ausbruch des Volkszorns" erscheinen zu lassen. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass während und infolge der Gewalt mehr als 1.300 Menschen getötet und mindestens 1.400 Synagogen stark beschädigt oder zerstört wurden.

1989

9. November 1989: Demonstrationen mit wachsendem Zulauf und eine anhaltende Ausreisewelle mit dem Umweg über ostdeutsche Nachbarländer hatten die DDR-Regierung seit dem Sommer 1989 unter Druck gesetzt. Am 9. November 1989 teilte der Sprecher des SED-Zentralkomitees, Günter Schabowski, auf einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin mit, dass der Ministerrat auf Beschluss des Politbüros eine Reiseregelung beschlossen habe, die eine kurzfristige Erteilung von Visa ohne Voraussetzungen vorsieht.

Noch am selben Abend strömten Tausende in Ost-Berlin zu den Grenzübergängen. Kurz vor Mitternacht gaben die Grenzbehörden dem Druck nach und ließen die Menschen in beide Richtungen unbehelligt passieren. Damit war die Grenze gefallen, die 28 Jahre lang die beiden deutschen Staaten getrennt hatte. Allein an der Berliner Mauer waren mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime ums Leben gekommen. Ein knappes Jahr später, am 3. Oktober 1990, wird der Beitritt der ostdeutschen Bundesländer in die Bundesrepublik Deutschland vollzogen, das Land ist wieder vereint.

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