hg

Studie: Befristete Verträge erschweren Familienplanung

8. Dezember 2016

"Damit sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Berufseinstiegs- und Familiengründungsphase auch besonders stark von den Nachteilen dieser atypischen Beschäftigungsform betroffen", hieß es. Sie seien seltener verheiratet, hätten weniger Kinder und seien doppelt so häufig von Armut bedroht wie Altergenossen mit festen Verträgen.

Bild vergrößern
Vater und Sohn Foto: epd-Bild

Anzeige

Düsseldorf (epd). Viele Berufseinsteiger und junge Berufstätige haben einer Studie zufolge nur befristete Arbeitsverträge. Während 19,3 Prozent aller Arbeitnehmer unter 35 Jahren befristet beschäftigt sind, sind es im Durchschnitt aller Altersgruppen nur 9,3 Prozent, wie eine am Donnerstag in Düsseldorf veröffentlichte Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung ergab.

Häufige Stellen- und Ortswechsel

Uniabsolventen und Ungelernte seien davon häufiger betroffen als Arbeitnehmer, die eine Berufsausbildung absolviert oder einen Fachhochschulabschluss haben, erklärte das Forschungsinstitut der gewerkschaftsnahen Stiftung. Arbeitnehmer mit ausländischer Staatsbürgerschaft unter 35 Jahren sind mit 24,7 Prozent deutlich häufiger befristet beschäftigt als Deutsche mit 18,7 Prozent.

Die Befristungen wirken sich nach Ansicht der Studienautoren auf die Familienplanung aus: Während 27,7 Prozent der 20- bis 35-Jährigen mit unbefristetem Vertrag verheiratet sind, sind es bei den befristet Beschäftigten nur 17,4 Prozent. "Häufige Stellenwechsel, zum Teil verbunden mit Ortswechseln, erschweren die Bildung stabiler Partnerschaften", sagte WSI-Sozialexperte Eric Seils. Auch die Realisierung ihres Kinderwunschs dürften viele Paare wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit verschieben: So leben in 100 Haushalten von befristet Beschäftigten im Mittel 29 Kinder, bei der Vergleichsgruppe mit festem Vertrag sind es 42 Kinder.

Von Armut bedroht

Zudem werden Beschäftigte mit befristetem Vertrag der Studie zufolge schlechter bezahlt: So habe mehr als ein Viertel (26,2 Prozent) der unter 35-Jährigen einen Verdienst von weniger als 1.100 Euro netto im Monat, der damit auf Niveau des Mindestlohns liege. Bei den unbefristet Beschäftigten verdienen nur 9,3 Prozent so wenig. 15,5 Prozent der 20- bis 35-Jährigen mit befristetem Vertrag gelten sogar als armutsgefährdet, weil sie weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens verdienen. Von den Altersgenossen mit dauerhaften Vertrag sind laut Studie nur 7,5 Prozent von Armut bedroht.

Per E-Mail empfehlen