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Kontroverse um Nazi-Glocken dauert an

12. Februar 2019

Die anhaltende Nutzung von Kirchenglocken mit Nazi-Symbolik sorgt weiter für Unruhe in Mitteldeutschland.

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Justitia wird sich mit Glocken zu beschäftigen haben. Foto: epd-Bild

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Magdeburg/Erfurt (epd). Gegen die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und Landesbischöfin Ilse Junkermann wurde deswegen inzwischen Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Erfurt gestellt. Die Landeskirche kündigte am Dienstag an, dass es im April Gespräche mit den betroffenen Gemeinden geben solle. Eingeladen werde auch der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm. Das Thüringer Finanzministerium stellte am Dienstag Lottomittel für die Herstellung neuer oder die Umarbeitung der historischen Glocken in Aussicht.

Sechs Glocken mit NS-Bezug in fünf Thüringer Kirchen

Die Landeskirche hatte sechs Glocken mit NS-Bezug in insgesamt fünf Thüringer Kirchen bestätigt. Die jüdische Landesgemeinde hatte daraufhin gefordert, die Glocken ganz abzuhängen.

Über die jetzige Forderung nach einer strafrechtlichen Verfolgung hatten zuerst die Thüringer Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag) berichtet. Die Blätter, darunter die "Thüringer Allgemeine", beziehen sich auf den Saarländer Gilbert Kallenborn, der erst vor zwei Wochen auf die andauernde Nutzung von sechs Glocken in Kirchen auf dem Gebiet der mitteldeutschen Kirche hingewiesen hatte.

Per Einschreiben habe er Anfang Februar die Erfurter Staatsanwaltschaft eingeschaltet, hieß es. Mit der Bewahrung und Weiterbenutzung der Glocken verstoße die Kirche aus Kallenborns Sicht gegen das Strafgesetzbuch, das ein Vorrätighalten und Nutzen von verfassungsfeindlichen, verbotenen Nazi-Devotionalien unter Strafe stellt. Auf mehrere Beanstandungen in der Adventszeit soll die Landeskirche nicht reagiert haben.

"Betroffenheit der Mitbürger jüdischen Glaubens respektieren"

Die Erfurter Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag den Eingang der Strafanzeige. Sie werde jetzt auf ihre strafrechtliche Relevanz hin geprüft, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Hannes Grünseisen. Ob und wann sich daraus ein förmliches Ermittlungsverfahren entwickeln könne sei offen, fügte er hinzu.

Die Staatskanzlei war zuvor intern zu dem Schluss gekommen, dass mit der Nutzung der Glocken kein Straftatbestand erfüllt wird. "Allerdings ist die Betroffenheit vor allem der Mitbürger jüdischen Glaubens deutlich zu respektieren", schrieb Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) an die Jüdische Landesgemeinde. Nach Auffassung der Staatskanzlei hätten die betroffenen Kirchgemeinden kritisch zu prüfen, "wie sie verantwortlich mit diesem Teil ihrer Geschichte umgehen wollen".

Finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt

Finanzministerin und Vize-Ministerpräsidentin Heike Taubert (SPD) hat Kirchengemeinden, die ihre Nazi-Glocken ganz abhängen wollen, derweil finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt. "Sollten betroffene Kirchengemeinden eine neue Glocke anschaffen wollen, könnte ein Teil der Kosten mit sogenannten Lottomitteln getragen werden kann. Entsprechende Anträge würde ich umgehend prüfen lassen", sagte sie. Die Politikerin, selbst bekennende Christin, regte zudem eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte an: "Naziglocken gehören zur dunklen Seite unserer Geschichte. Ich halte nichts davon, ihren Standort zu verheimlichen oder sie nachträglich zu bearbeiten."

Die mitteldeutsche Landeskirche hatte erst in der vorigen Woche erklärt, sehr sensibel mit diesem Thema umzugehen. Deshalb würden auch die Standorte der Kirchen nicht öffentlich gemacht, um einen Missbrauch ausschließen zu können. Für die Entscheidung, ob die Aufschriften abgeschliffen, die Glocken stillgelegt oder eingeschmolzen und neu gegossen werden sollen, bräuchten die Gemeinden Zeit.

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