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Steinmeier: Mut der NS-Widerstandskämpfer bleibt unvergessen

19. Juli 2019

Zum 75. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Widerstandskämpfer gewürdigt.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Archivbild) Foto: epd-Bild

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Berlin (epd). "Den verzweifelten Versuch der mutigen Widerständler vom 20. Juli, den grausamen Krieg und die Herrschaft des Nazi-Regimes zu beenden, haben die daran Beteiligten und ihre Unterstützer mit ihrem Leben bezahlt", sagte Steinmeier in einem am Freitag veröffentlichten Video-Statement auf der Plattform Instagram. "Ihr Mut bleibt uns unvergessen." In Potsdam und Leipzig wurde am Freitag mit Gedenkveranstaltungen an Widerstandskämpfer gegen die NS-Diktatur erinnert.

Es habe zu wenig Widerstand gegen das Hitler-Regime gegeben, sagte der Bundespräsident: "Aber es gab die Mutigen, die nicht weggeschaut haben, die Mitmenschlichkeit bewahrt haben, die andere vor Verfolgung geschützt haben und die Naziverbrechen vereitelt haben." Alle, die Widerstand geleistet haben, hätten Freiheit, Gesundheit, sogar ihr Leben riskiert, sagte Steinmeier. Er erinnerte auch an die Gruppe "Weiße Rose" um Sophie Scholl und das ebenfalls gescheiterte Attentat von Georg Elser.

"Wichtiger Teil der deutschen Freiheitsgeschichte"

Viel zu lange sei den Widerstandskämpfern vom 20. Juli 1944 Anerkennung verweigert worden. "Dabei sind sie ein so wichtiger Teil der deutschen Freiheitsgeschichte", sagte Steinmeier. Zum 75. Jahrestag richtet die Bundesregierung an diesem Samstag eine Gedenkstunde aus, zu der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet wird.

Eine Gruppe deutscher Offiziere um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte am 20. Juli 1944 versucht, Adolf Hitler zu töten. Der Sprengstoffangriff im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" scheiterte. Stauffenberg und drei seiner Mitverschwörer wurden noch in der Nacht zum 21. Juli in Berlin standrechtlich erschossen. In den folgenden Wochen wurden weitere rund 200 Mitwisser und Angehörige des Widerstands hingerichtet. Viele andere wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt.

In Potsdam wurde an Widerstandskämpfer von Tresckow erinnert

In Potsdam wurde am Freitag an den Widerstandskämpfer Henning von Tresckow (1901-1944) erinnert, der sich nach dem Scheitern des Anschlags am 21. Juli 1944 in Ostpreußen das Leben nahm. Tresckow sei einer der wichtigsten und entschlossensten Akteure des militärischen Widerstands gegen Hitler gewesen, sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD), der für die Landesregierung an der Gedenkveranstaltung teilnahm. "Um den Diktator zu beseitigen, war Tresckow bereit, auch persönlich den letzten Einsatz zu wagen."

Am Leipziger Denkmal für den früheren Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler legten am Freitag Angehörige der Bundeswehr sowie Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen weiße Rosen nieder. Auch Goerdeler war wegen seiner Beteiligung an der Verschwörung vom 20. Juli hingerichtet worden. Sein Enkel Andreas Goerdeler forderte, nicht zuzulassen, dass der Nationalsozialismus oder sein Gedankengut "schleichend wieder hoffähig" gemacht würden.

Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) forderte in Potsdam, die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten sowie Rechtsextremisten und Rechtspopulisten entschieden entgegenzutreten. Ähnlich äußerte sich der SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi, dessen Vater wegen Beteiligung am NS-Widerstand 1945 hingerichtet wurde. Zum Jahrestag des Hitler-Attentats sei es heute die wahre Aufgabe, an die Ursachen des Nationalsozialismus zu erinnern, sagte er im Deutschlandfunk. Er würdigte die Widerständler um Stauffenberg und rief auf, sich neuem Nationalismus auch auf lokaler Ebene entschieden entgegenzustellen.

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Leser-Kommentare öffnen

Ulrich Keßler, 20. Juli 2019, 9:43 Uhr


Ich frage mich:
Welches - politische? - Interesse haben selbst Historiker* daran, die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 als "Attentäter" zu bezeichnen und damit auf eine Ebene zu stellen mit islamistischen Attentätern? Meiner Meinung nach spielt das - beabsichtigt oder unbeabsichtigt - rechtsradikalen/neo-nazistischen Interessen in die Hände und sollte von der freien Presse entsprechend kritisch beobachtet/kommentiert werden.

*Siehe Thomas Karlauf, "Porträt eines Attentäters"

Alwite, 21. Juli 2019, 13:23 Uhr


Da schließe ich mich der Bemerkung Erich Kästners an:
"Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf."

Das wäre aus meiner Sicht Widerstand gewesen. Hier gedenkt man zu Recht einer Gruppe Einsichtiger aus dem Gefolge Hitlers, die Erfahrung belehrte und Schadensbegrenzung zu erreichen suchten.
Wie sollte das der rechten Szene nützen?

Ulrich Keßler, 21. Juli 2019, 17:35 Uhr


Wer die vom Bundespräsidenten gewürdigten Widerstandskämpfer einfach nur Attentäter nennt (und sie damit auf eine Ebene stellt mit wirklichen, z.B. islamistischen, Attentätern) verwendet das gleiche Vokabular wie die rechte "Szene", für die erstere mörderische Verbrecher waren, die zu Recht hingerichtet wurden. -
(Zum Begriff "Attentat" empfiehlt sich das Lesen des entsprechenden Wikipedia-Artikels)

Alwite, 21. Juli 2019, 18:43 Uhr


Gerade bei Wikipedia finde ich die korrekte Bezeichnung Herrn Steinmeiers bestätigt. Er Spricht von Widerstandskämpfern und dem Attentat nicht von Attentätern.
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Ulrich Keßler, 22. Juli 2019, 8:54 Uhr


Verehrte Alwite,
ich verstehe Ihren letzten Kommentar nicht:
Meine Kritik richtet sich (eindeutig) nicht gegen Herrn Steinmeier, sondern gegen solche Historiker, auch von heute (siehe oben * Thomas Karlauf, "Porträt eines Attentäters"), die die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 einfach nur "Attentäter" nennen. Meine Begründung halte ich für berechtigt.

Alwite, 22. Juli 2019, 18:31 Uhr


Verehrter Herr Keßler, Herr Karlauf nennt nichts anderes beim rechtmäßigen Namen als unser Bundespräsident. Ihre Meinung in Ehren, doch für mich stehen beide Ausdrücke ausführlich für sich und was rechtsradikale/neo-nazistische Parteien daraus für sich beanspruchen könnten, will sich mir, auch wenn ich mich noch so bemühe, nicht erschließen.

Ulrich Keßler, 22. Juli 2019, 19:26 Uhr


Jede/r von uns, verehrte Alwite, bewertet dasselbe unterschiedlich. Ich fände es angemessen/er und vor politischem Missbrauch besser geschützt, wenn (ein Historiker wie) Herr Karlauf sein Buch über Stauffenberg erkennbar anders betitelt hätte,
z. B. "Porträt eines Widerstandskämpfers". Für mich würde das einen deutlichen Unterschied machen.

Alwite, 22. Juli 2019, 20:31 Uhr


Den Unterschied hat der Historiker vermutlich begründet gewählt:

MEINUNG:
Problematische Erinnerung
Warum die Glorifizierung von Claus Graf Schenk von Stauffenberg und den anderen Attentätern des 20. Juli so irritierend und unangemessen ist
von Ralf Balke
19.07.2019

https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/problematische-erinnerung/
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