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Berliner Schinkel-Kirche nach acht Jahren wieder geöffnet: Die Friedrichswerdersche Kirche in Berlin gilt als ein Hauptwerk der deutschen Neu-Gotik. Foto: epd-Bild
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Schinkel-Kirche gibt Bühne frei für Skulpturen-Ausstellung

14. Januar 2020

Sie gilt als einziges öffentliches Gebäude Schinkels in Berlin, das innen wie außen weitgehend originalgetreu erhalten ist. Nach zwischenzeitlicher Einsturzgefahr und achtjähriger Zwangspause ist die Friedrichswerdersche Kirche wieder offen.

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Berliner Schinkel-Kirche nach acht Jahren wieder geöffnet: Die Friedrichswerdersche Kirche in Berlin gilt als ein Hauptwerk der deutschen Neu-Gotik. Foto: epd-Bild

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Berlin (epd). Yvette Deseyve kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von der künftigen Ausstellung spricht. Kaum ein Ort sei so gut geeignet, die besondere Verbindung von Architektur und Bildhauer herzustellen, wie der Innenraum der Friedrichswerderschen Kirche, sagt die Kuratorin für Skulptur an der Alten Nationalgalerie in Berlin am Dienstag. Nach achtjähriger Zwangspause werden in dem neugotischen Bau des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) in Berlin-Mitte von Sommer 2020 an wieder Skulpturen gezeigt.

Die Exponate aus den Beständen der Alten Nationalgalerie sollen einen Einblick in die Berliner Bildhauerschule geben von der Schinkel-Zeit bis zum Kaiserreich. Die Kuratorin schwärmt von den "besonderen Lichtwirkungen" der Kirchenfenster und zitiert den Begründer der Berliner Bildhauerschule Gottfried Schadow (1764-1850): "Kirchen geben gutes Licht für Skulpturen."

Das erste Exponat sei natürlich das Gebäude selbst, betont der Leiter der Alten Nationalgalerie, Ralph Gleis. Gemeinsam mit der Architektur des Kirchenraums sollen die Skulpturen "eine Bühne bekommen". Seit der Zwangschließung der Kirche 2012 habe sich ihre Umfeld stark verändert und Berlin sei internationaler geworden. Auch das solle in der neuen Ausstellung berücksichtigt werden, sagt Gleis.

Kirchbau in der Zange

In Nachbarschaft der zwischen 1824 bis 1830 erbauten Schinkel-Kirche steht das Humboldt-Forum kurz vor der Vollendung. Zudem wurde die Kirche von außen "in die Zange genommen", wie Gleis es ausdrückt. Weil der Berliner Senat hier die historische Stadt rekonstruieren will, durften neue Häuser auf den alten Bebauungsgrenzen entstehen.

Die Neubauten wurden zum Teil in wenigen Metern Abstand von der Kirche errichtet. Durch die bis zu 20 Meter in die Tiefe gehenden Gründungsarbeiten erlitt der Backsteinbau massive Schäden. Die Kirche sackte ab, die Gewölbe drohten einzustürzen, vom Eingangsportal bis zur Apsis zog sich ein Riss durch den Fußboden. 2012 wurde das Gebäude für Besucher gesperrt. Das Museum für Skulpturen des frühen 19. Jahrhunderts, das seit 1987 hier residierte, musste ausziehen.

Die Empörung über den wurschtigen Umgang der Berliner Behörden mit dieser Architekturperle war groß. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sprach 2017 von einer "Vollkatastrophe", die ihn "fassungslos" mache. Ursache sei "eine rücksichtslose Verkaufs- und Baugenehmigungspolitik" der Behörden unter dem Vorgängersenat gewesen. Es sei "rätselhaft, wie ohne Prüfung der Auswirkungen auf den Nachbarbau Baugenehmigungen erteilt wurden".

Besichtigungen sind ab sofort wieder möglich

Nach Verhandlungen übernahm schließlich die Bauwert AG als einer der Bauträger der Neubauten die Kosten für die acht Millionen Euro teure Instandsetzung der Kirche. Heute sei von den Schäden praktisch nichts mehr zu sehen, sagt Nationalgalerie-Chef Ralph Gleis. Bereits am Wochenende kann die einzige in der Berliner Innenstadt erhaltene Schinkel-Kirche wieder besichtigt werden.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat die Kirche noch bis 2025 von der Evangelischen Kirchengemeinde in der Friedrichstadt gepachtet. Wie es danach weitergehe, werde man neu verhandeln, sagte Gleis.

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