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Einigen Früchten und Gemüsesorten mit Bitterstoffen wird eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Foto: epd-Bild
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Sauer macht lustig - bitter gesund?

20. Februar 2020

Bitteren Lebenmitteln und Tinkturen werden jede Menge guter Eigenschaften nachgesagt. In der Naturheilkunde gelten sie als bewährt. Doch die Wissenschaft schaut genau hin.

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Einigen Früchten und Gemüsesorten mit Bitterstoffen wird eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Foto: epd-Bild

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Frankfurt a.M. (epd). Kinder mögen den herben Geschmack selten. Das hat die Natur so eingerichtet, um ihr Überleben zu sichern. Denn was bitter schmeckt, kann giftig sein. Bittere Beeren spucken Kinder intuitiv aus. Bttere Zucchini sollte man auf keinen Fall essen, sie können eine schwere Lebensmittelvergiftung auslösen. Aber es gibt auch Früchte und Gemüsesorten mit Bitterstoffen, die gut verträglich sind. Zu diesen Lebensmitteln gehören neben etlichen Kräutern Pampelmusen, Chicorée, Radicchio, Rucola, Endivien, Rosenkohl und Artischocken. Ihnen wird sogar eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben.

Bitterstoffe kommen etwa in der Kräuterheilkunde, der traditionellen Chinesischen Medizin und im Ayurveda zum Einsatz: Sie sollen bei Magen-Darm-Störungen, aber auch bei Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hautproblemen, einer geschwächten Immunabwehr helfen. Für den Allgemeinmediziner und Naturheilkunde-Arzt Andreas Hammering sind Bitterstoffe wahre Alleskönner. Schon die Naturheilkundlerin Hildegard von Bingen habe im Mittelalter bei Erkrankungen der Leber Bitterstoffe verordnet. Wer zu fett gegessen habe, der wisse um die gute Wirkung eines Magenbitters oder Kaffees, sagt Hammering. "Bitterstoffe haben ein breites Wirkungsspektrum. Das Einsatzgebiet ist nicht jeweils einer einzelnen Pflanze zuzuschreiben."

Experimente schwierig zu führen

Der Molekularbiologe Maik Behrens, Professor am Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München, hat zu einzelnen Bitterstoffen wie Koffein und Hopfen geforscht. Sie zeigten positive Effekte auf Blutzuckerspiegel oder Magenaktivität, sagt er und ergänzt: "Es gibt Hinweise darauf, dass Bitterstoffe den Körper vor schädigenden Radikalen schützen." Sie könnten außerdem verdauungsfördernd sein.

Bitterstoffe sind auch als Appetitzügler im Gespräch. Molekularbiologe Behrens bestätigt: "Man hat langfristig weniger Hunger." Er ist trotzdem vorsichtig: "Meiner Meinung nach ist die Wirksamkeit von Bitterstoffen allgemein nicht eindeutig belegt."

Die Experimente seien schwierig zu führen, weil Wissenschaftler die einzelnen Bestandteile isoliert betrachten müssten. Man könne also nicht verallgemeinern, dass alle Bitterstoffe gesund machten. "Deshalb würde ich momentan bei der Behandlung von Erkrankten konventionelle Medikamente bestimmten Diäten vorziehen." Der Genuss von Pampelmusen beispielsweise könne Wechselwirkungen auf Medikamente haben. Wer vermehrt bittere Lebensmittel oder Bittertropfen einnehmen wolle, solle dazu einen Arzt oder einen Apotheker um Rat fragen.

Bitterstoffe herausgezüchtet

Hammering rät zu Kombinationen von Wirkstoffen, wie sie in Kräutertinkturen zu finden sind. Die sogenannte Phytotherapie wird in Deutschland von einigen Krankenkassen übernommen. Bitterstoffe in Tropfenform seien laut Hammering zur Nahrungsergänzung manchmal nötig, weil viele grundsätzlich bittere Lebensmittel heute kaum noch Bitterstoffe enthielten.

"Früher konnten die bitteren Enden einer Salatgurke eine Speise noch ungenießbar machen", erzählt Diätassistentin Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik. Das ist nicht mehr so; die Bitterstoffe sind herausgezüchtet worden.

"Süß ist eben gefälliger im Geschmack", erläutert der Hamburger Spitzenkoch Thomas Sampl. "Wir bieten unserem Publikum Bitteres und umspielen es mit anderen Geschmacksrichtungen. Eine Kombination, über die von unseren Gästen viel gesprochen wird, sind Kartoffelknödel mit Grapefruit."

Abwechslungsreiche Ernährung sinnvoll

US-Forscherinnen der University at Buffalo haben herausgefunden, dass uns bittere Lebensmittel bei wiederholtem Genuss besser schmecken. Schwarzer Kaffee zum Beispiel enthält Bitterstoffe und hat eine anregende Wirkung. Diese ist es gelegentlich, die uns das Herbe tolerieren lässt.

Nur noch bittere Lebensmittel zu sich zu nehmen, ist nicht des Rätsels Lösung. Ernährungsmediziner wie Johannes Erdmann von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf halten eine vielfältige, abwechslungsreiche Ernährung mit Obst, Gemüse und tierischen Produkten für sinnvoll. Molekularbiologe Behrens sagt: "Gesunde Ernährung ist eine ausgewogene Ernährung." Und Naturheilkundler Hammering erklärt: "Wer nur Fast Food isst, dem helfen auch keine Bitterstoff-Tinkturen."

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 20. Februar 2020, 11:05 Uhr


http://www.aphorismus.de/wp-content/uploads/2013/02/Rostocker-Aphoristiker-Klaus-D-Koch.jpg

Kürzlich begenete ich diesem Mediziner und empfand seine Literatur als wohltuende Ergänzung zu den täglichen Koch-Sendungen.
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Matthäus53, 20. Februar 2020, 11:49 Uhr


Hinsichtlich der Bitterkeit muß auch das Negative aus der Gedankenwelt auf die innere Gesundheit betrachtet werden. Ich gehe davon aus, daß auch Menschen die oft oder sogar überwiegend mit negativen Gedanken durch das Leben schleichen daran erkranken können, weil sich diese Gefühle auch auf die Magensäure niederschlagen können, bis hin zu einer Krebserkrankung. Aber dies ist nur eine Laienmeinung.
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