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Pro und Kontra: Fairer Handel

27. September 2016

Noch nie haben Konsumenten so viel für fair gehandelte Produkte ausgegeben. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz in Deutschland bei 978 Millionen Euro. Fairtrade-Bananen machen zum Beispiel etwa zehn Prozent des Marktes aus. Fairtrade soll den Welthandel gerechter machen und das Leben von Produzenten in Entwicklungsländern verbessern - doch an der Wirkung des Systems gibt es auch Zweifel. Der Evangelische Pressedienst (epd) gibt einen Überblick.

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GEPA verkauft fair gehandelten Kaffee. Foto: epd-Bild

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Frankfurt a.M. (epd). PRO

Sicherheit: Produzenten von Kaffee, Baumwolle, Reis, Wein und Schnittblumen in Entwicklungsländern können sich am Fairtrade-System beteiligen und sich in regionalen Netzwerken wie Kooperativen zusammenschließen. Sie bekommen höhere Preise, einfachere Kredite, Fortbildungen und längerfristige Preis- und Abnahmegarantien, so dass sie die Schwankungen der Weltmarkt-Preise weniger spüren. Das gibt ihnen auf längere Sicht mehr Planungssicherheit.

"Mini-Spende": Kunden in Deutschland zahlen für Fairtrade-Produkte ein paar Cent oder Euro mehr. Doch die Einnahmen des Fairtrade-Systems würden in kleinsten Schritten generiert, so dass der Kostenunterschied für die Verbraucher in Deutschland nur sehr gering sei, sagt Hans Heinrich Bass, Professor für Internationalen Handel an der Hochschule Bremen. Das Fairtrade-System sei eine Art tägliche Mini-Spende. "Sie koppeln das Gefühl, etwas Gutes zu tun, mit den kleinen Freuden des Alltags - etwa einer Tasse Kaffee", sagt Bass. "Das ist das Erfolgsgeheimnis dieses Ansatzes der Entwicklungszusammenarbeit."

Höhere Einkünfte: Die Zahl der am fairen Handel beteiligten Bauernfamilien und Beschäftigten lag Ende 2014 auf 1,65 Millionen weltweit. Sowohl bei der Beteiligung, als auch beim Umsatz gibt es Zuwachs. Für die teilnehmenden Produzenten schaffe das System direkte Anreize, sich am Markt zu beteiligen: Wer mehr verkaufe, erhalte auch höhere Einnahmen, sagt Bass. Studien zeigten demnach, dass sich dadurch die Ernährung und die Gesundheit der Kleinbauernfamilien verbessert und Kinder vermehrt zur Schule geschickt werden.

KONTRA

Bedingt erfolgreich: Ob dies jedoch ausschließlich an der Teilnahme am Fairtrade-Handel liege, lasse sich kaum beweisen, fügt der Ökonom Bass hinzu. Zudem führe das System nur zu Teillösungen: Das Leben der landlosen Bevölkerung oder der Wanderarbeiter beispielsweise verbessere sich dadurch nicht.

Grenzen des Systems: Außerdem vernachlässige Fairtrade die Produktionssteigerung, weil sich das System vor allem an Kleinbauern richte, die Kaffee oder andere Rohstoffe produzierten, sagt Bass. Zudem sei die verarbeitende Industrie, die zum Beispiel Arbeitsplätze schaffen würde, kein Teil des Fairtrade-Systems.

Zu viele Siegel: Regelmäßig gibt es Kritik an der Transparenz von Fairtrade. "Eine klare Kennzeichnung ist das A und O, doch daran mangelt es oft", kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg. Fast 30 unterschiedliche Siegel, Markennamen und Zertifizierungen zählten die Tester Anfang des Jahres in einer Untersuchung in Deutschland. Die Verbraucherzentrale empfiehlt hingegen ein einheitliches, staatlich kontrolliertes Zeichen wie das Umweltzeichen "Blauer Engel" mit nachprüfbaren Standards.

Keine klare Kennzeichnung: Auch die Informationen über den Anteil der Inhaltsstoffe, die fair gehandelt sind, seien oft nicht deutlich oder kaum lesbar. "Verbraucherfreundlicher wäre es, den tatsächlichen Anteil fair gehandelter Zutaten groß unter dem Logo auf der Schauseite darzustellen", fordert die Verbraucherzentrale. Doch gegen Tricksereien helfe auch das nicht. "Den tatsächlichen fairen Gehalt mit Rechentricks hochzurechnen, beispielsweise den Wassergehalt oder das Wasser aus der Milch abzuziehen, ist aus Sicht der Verbraucherzentrale Etikettenschwindel."

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