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Politiker fordern Bekämpfung der Einsamkeit

19. Januar 2018

Millionen Menschen fühlen sich einsam - mit schweren Folgen. Dem SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach zufolge ist Einsamkeit so schädlich wie starkes Rauchen. Politiker fordern die Regierung auf, einsamen Menschen zu helfen.

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Die Zahl der Einsamen wächst Foto: epd-Bild

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Berlin (epd). Ein stärkeres Vorgehen gegen Einsamkeit rückt nach einer Initiative der britischen Regierung auch in Deutschland in den Fokus. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte, es müsse einen Verantwortlichen geben, bevorzugt im Gesundheitsministerium, der den Kampf gegen die Einsamkeit koordiniere. Der CDU-Politiker Marcus Weinberg sprach sich für eine "Enttabuisierung" des Themas aus. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie regte ein gesellschaftliches Bündnis zur Bekämpfung der Einsamkeit an.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass die Staatssekretärin für Sport und Zivilgesellschaft, Tracey Crouch, sich in der Regierung mit dem Thema Einsamkeit befassen solle. Wie die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtete, will May damit ein Problem angehen, das für "viel zu viele Menschen die traurige Realität des modernen Lebens" sei. Laut einer Umfrage des Britischen Roten Kreuzes fühlen sich mehr als neun Millionen Menschen im Land einsam.

Der SPD-Politiker Lauterbach sagte der "Bild"-Zeitung (Freitag): "Die Einsamkeit in der Lebensphase über 60 erhöht die Sterblichkeit so sehr wie starkes Rauchen." Einsame Menschen sterben nach seinen Angaben früher und erkrankten viel häufiger an Demenz. Der CDU-Politiker Marcus Weinberg sprach sich in der Zeitung für eine Enttabuisierung aus, "damit einsame Menschen eine Lobby haben und Einsamkeit nicht in einer Schmuddelecke bleibt".

Die Einsamen nicht Facebook überlassen

Diakonie-Präsident Lilie lobte die Initiative Großbritanniens und forderte mehr Engagement gegen Einsamkeit auch in Deutschland: "Wir brauchen ein Bündnis aus Politik und gesellschaftlichen Gruppen, wie Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Sportvereinen und kulturellen Einrichtungen", sagte Lilie den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). Die Zahl der Menschen, die sich alleingelassen fühlten, wachse in den Städten wie auch auf dem Land.

"Einsame Leute wieder in die Gesellschaft zu holen, ist eine Aufgabe, die man nicht einfach kommerziellen Anbietern wie Facebook oder Partnerschaftsbörsen überlassen darf", unterstrich der Präsident des evangelischen Wohlfahrtsverbandes. Die Politik müsse mehr tun, um Einsamkeit vorzubeugen, mahnte Lilie: "Armut und Vereinsamung hängen ganz klar zusammen." Einsamkeit könne auch zu politischem Frust führen, warnte Lilie. "Die Leute melden sich dann auch politisch, indem sie Parteien wählen, von denen man sich nicht wünscht, dass sie größer werden", sagte der Theologe.

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Leser-Kommentare öffnen

Atlantica, 21. Januar 2018, 20:22 Uhr


Einsamkeit ist nicht nur ein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem. Es betrifft Einsame wie auch Menschen, welche in sozialen Bezügen leben. Die Anzahl der persönlichen Kontakte ist ein möglicher Indikator für Einsamkeit, aber da es sich um ein gesamt-gesellschaftliches Problem handelt, müssen auch alle umdenken. Dem Einsamen ist ja nicht geholfen, indem man ihn einfach "mit hineinnimmt". Vielmehr sollten neue Formen des Zusammenlebens gefunden werden: es ist auch eine Chance, verkrustete Strukturen zu verändern.
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Alwite, 23. Januar 2018, 9:54 Uhr


Wenn man in England weilt, fällt auf, dass man in einem Pub nie alleine sitzt, ein freundlicher Nebenmensch spricht den anderen mit wohlwollenden Worten an. Man Speist in einem Lokal nie alleine. Man geht bei Ausflügen nie grußlos aneinander vorüber, man schliesst sich an einer Bushaltestelle höflich hinten an etc... Wen wunderts, dass die Briten sich die Pflege ihres Ur-Inselverhalten, wie wir es bei unseren Halligbewohnern finden, nicht entgleiten lassen wollen. Kontinentler, wie wir, die eher wie Caveman empfinden, tun sich da schwer. Die Aufgabe unserer Politik würde mich mehr überraschen als dass ich sie erkenne. Doch wenn Gesundheitsexperte Prof. Karl Lauterbach sich da etwas abguckt, was dem Höhlenmenschen einleuchtet, ihn gar überzeugt, ergäbe sich ein begrüßenswerter Beitrag unseres gemeinsamen Europa.
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Paperback, 23. Januar 2018, 12:51 Uhr


Ja, hier wird ein ernsthaftes Problem angesprochen. Ich habe noch vor einiger Zeit etwas großmäulig verkündet, ich lebe allein, aber einsam fühle ich mich nicht.
Das aber war mehr ein Appell an mich selbst. Wer gesteht schon gerne seine Einsamkeit, will schon Objekt des Kümmerns anderer sein. Und da ist auch die konkrete Angst, dass man mich - einen Menschen mit einem speziellen psychischen Hintergrund- irgendwann zwangsweise aus diesem Zustand holt.
Das will ich auf keinen Fall.
So verbringe ich dann etliche Stunden des Tages, nicht selten auch nachts online und im Netz.
Versuche, dem zu entgehen, sind bislang gescheitert. So lange man fit ist, über die entsprechenden Mittel verfügt, kann man dem entgehen. Dann aber wird es schwierig, will man nicht zum Bittsteller werden.
Oft hilft mir meine multiple Persönlichkeit aus diesem Dilemma, gibt es da doch mehrere in mir, die miteinander nicht selten in lebhaftem Dialog sind.

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