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Oma Inge Niemann mit ihren Enkelkindern Peer (11, li.) und Joost (9) in Hermannsburg. Foto: epd-Bild
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«Platt snacken is plietsch»

11. Oktober 2019

Ob beim Kürbis-Schnitzen oder den Proben für ein Musical, vier Tage lang sprechen Omas und Opas mit ihren Enkeln nur Plattdeutsch. Sie wollen ihre Muttersprache erhalten und weitergeben.

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Oma Inge Niemann mit ihren Enkelkindern Peer (11, li.) und Joost (9) in Hermannsburg. Foto: epd-Bild

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Hermannsburg (epd). "Dat löppt", lobt Anleiterin Inga Seba-Eichert mit Blick über die Schulter von Joost. Der Neunjährige hat einen Kürbis ausgehöhlt und schneidet gerade ein Gesicht hinein. "Wat ji maakt is wunnerbor", ruft Seba-Eichert in die Runde von Kindern, die mit Basteln beschäftigt sind. So klingt Begeisterung auf Plattdeutsch. Joost und sein Bruder Peer sind wie weitere rund 20 Mädchen und Jungen mit ihren Omas und Opas ins niedersächsische Hermannsburg gefahren, um die Sprache zu üben, die für die Großeltern oft noch Muttersprache war.

Vier Tage lang basteln, spielen und singen die Generationen gemeinsam im Evangelischen Bildungszentrum des Heide-Dorfes und studieren ein Musical ein, das die frühere Lehrerin Ursula Menzel aus dem Seminarteam eigens ins Niederdeutsche übersetzt hat. Großeltern und Enkel kommen vor allem aus dem nördlichen Niedersachsen, wo die Sprache einst fest verwurzelt war. "Uns ist wichtig, dass das Plattdeutsche nicht verloren geht", sagt Inge Niemann, die Oma von Joost und Peer.

Unfein und bildungsfern

Das Institut für niederdeutsche Sprache in Bremen sieht darin durchaus einen Trend. "Es sprechen wieder mehr Großeltern mit ihren Enkeln Plattdeutsch", sagt Mitarbeiterin Marie-Louise Halfmann. Eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das Institut in acht nördlichen Bundesländern hat 2016 ergeben, dass die Sprache vor allem in den Familien weitergegeben wird. Von den über 60-Jährigen verstand demnach noch eine Mehrheit Platt sehr gut bis gut. Bei den unter 20-Jährigen waren es weniger als 18 Prozent, noch deutlich geringer lag der Anteil derjenigen, die es zumindest mäßig sprechen.

Auch Inga Seba-Eichert weiß von der Zeit, in der das Plattdeutsche als unfein und bildungsfern immer mehr aus dem Alltag verdrängt wurde. Längst gibt es ein Umdenken und die Regionalsprache gilt vielen als Kulturgut, das sie zu bewahren gilt. Seba-Eichert selbst setzt sich nicht nur während der Ferientage für Kinder und Großeltern dafür ein. Sie ist Referentin für Niederdeutsch beim Lüneburgischen Landschaftsverband, der auch an Kitas und Schulen die Sprache fördert.

Hemmungen überwinden

Nur wenige Kinder wachsen heute noch zweisprachig auf, wie die neunjährige Friederike, die am Frühstückstisch ihre Mutter mit "gooden Morgen" begrüßt und mit dem Vater Hochdeutsch spricht. Ihre Großmutter Margit Pils hat von klein auf konsequent nur Platt mit ihr geredet. Ebenso hat es Inge Niemann (83) mit Joost (9) und Peer (11) gehalten. "Aber wir antworten auf Hochdeutsch", geben die Jungs zu.

In den gemeinsamen Ferien in Hermannsburg sollen sie auch Hemmungen überwinden, so hofft es ihre Oma. Das geschieht vor allem spielerisch, etwa mit dem Musical, das sie am Ende vor Kindergartenkindern aufführen wollen. Es geht darin um die biblische Geschichte, in der Jesus einen Blinden heilt und damit für Aufsehen sorgt. Joost spielt einen Zuschauer und übt fleißig seinen Satz: "Öberall, wo he hennkümmt, gifft dat Opregung."

Sogar Fußballspielen geht "op platt", meint Jonas Haase vom Hermannsburger Team. "Ob das einen Einfluss auf das Torergebnis hat, weiß ich nicht", lacht der 20-Jährige. "Aber Platt ist direkter." Und so manches dürfe gesagt werden, was im Hochdeutschen zu derbe klinge. "Schietkram geht, Scheiße nicht." Peer und Joost gefällt, dass im Plattdeutschen vieles so geschrieben wird, wie man es auch spricht. Und sie sind mit ihrer Oma einig: "Platt snacken is plietsch" (Platt sprechen ist schlau).

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