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Kirche: Weihnachtsmärkte sollen nicht vor Totensonntag öffnen

22. November 2019

Einige Weihnachtsmärkte öffnen bereits vor dem 1. Advent. Doch damit kommen sie dem Bedürfnis nach Besinnung und Ruhe am Totensonntag in die Quere, sagt die evangelische Kirche. Die Adventszeit künstlich zu verlängern, schade auch der Gesellschaft.

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Deko auf einem Weihnachtsmarkt Foto: epd-Bild

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Frankfurt a.M., Bonn (epd). Die Eröffnung von Weihnachtsmärkten vor Totensonntag tut der Gesellschaft nach Einschätzung des Bonner Pfarrers Oliver Ploch nicht gut. Der Vorwurf, die Kirche sei ein "Spielverderber", sei oberflächlich. Letztlich sei eine Ausdehnung der Adventszeit "zerstörerisch" für alle, sagte der Pfarrer der Thomas-Kirchengemeinde in Bonn-Bad Godesberg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wenige Tage vor Totensonntag (24. November) haben etwa in Bonn, Duisburg und Freiburg einige Weihnachtsmärkte bereits geöffnet.

Aus kaufmännischer Sicht mache die frühzeitige Eröffnung möglicherweise Sinn, sagte Ploch. Man dürfe sich daher nicht vom Handel leiten lassen. Eines Tages wirke sich eine verlängerte Vorweihnachtszeit auch schlecht auf die Wirtschaft auf, so der evangelische Theologe. Bei einigen Menschen herrsche schon jetzt ein "Aggro-Gefühl", wenn im September die Schokoladen-Nikoläuse in den Regalen stehen.

Laut einer Studie des Deutschen Schaustellerbunds von Ende Dezember 2018 steigt die Zahl der Weihnachtsmärkte in Deutschland. Etwa 3.000 private und öffentliche Weihnachtsmärkte gibt es demnach in Deutschland. 2012 waren es noch 2.500. Der Schaustellerbund zählte in seiner Studie 159,7 Millionen Weihnachtsmarktbesuche und nannte einen Umsatz von 2,88 Milliarden Euro auf Weihnachtsmärkten.

"Alles hat seine Zeit"

Die Vorweihnachtszeit zu verlängern, möge zwar auf den ersten Blick verlockend sein, lasse aber die gewohnten Rhythmen verschwimmen, sagte ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dem epd und ergänzte: "Es tut gut, mit abgegrenzten Zeiten, die unser Leben gliedern, zu leben." "Alles hat seine Zeit", betonte er und verwies auf eine entsprechende Bibelstelle (Prediger 3, 1-8).

Aus Sicht des Bonner Pfarrers Ploch hat der Schutz des Totensonntags auch etwas mit Rücksicht auf andere zu tun. Auch wenn einem selbst nach Feiern zumute sei, würden andere vielleicht lieber trauern wollen. Es sei schwer, eine individualisierte und säkularisierte Gesellschaft davon zu überzeugen, sagte Ploch. Viele wollten sich nichts vorschreiben lassen. Trauer habe heutzutage ohnehin kaum noch Platz, sagte der Pfarrer. Da sollten die wenigen Tage der Besinnung wenigstens eingehalten werden.

Der Totensonntag ist ein stiller Feiertag, das heißt, er ist durch die Feiertagsgesetzgebung der Bundesländer besonders geschützt. Öffentliche Weihnachtsmärkte müssen demnach an diesem Tag geschlossen bleiben. An dem Gedenktag sollen Menschen Trost finden, wenn im vergangenen Jahr der Verlust eines Angehörigen oder eine Trennung zu beklagen war.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 22. November 2019, 16:57 Uhr


Fünf Monate Weihnachten

Nach den Sommerferien:
Weihnachtsmänner grinsen dich an.

Hohoho!
Leute, kauft,
habt lange keinen Spekulatius bekommen.
Fünf Monate schwelgen
in Lebkuchen und Marzipan.

Hohoho,
Kauft euren Weihnachtsschmuck,
eure Geschenke,
eure Weihnachtsstimmung
möglichst vor den Herbstferien.
Keine Gefahr rieselnder Tannennadeln,
alles aus Plastik.
Lichterketten im Vorgarten
illuminieren Totensonntagsstille.

Hohoho,
die letzten Wochen.
Wenns doch endlich vorbei wäre,
kann es nicht mehr sehen.
Was feiern wir eigentlich?

Zwei Tage vor Heiligabend
leere Regale.
Umdekorieren.
Für die Osterhasen.
Hohoho!



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ellybe, 22. November 2019, 21:00 Uhr


Vorschlag:
Den Totensonntag und den Volkstrauertag einfach in den Sommer (vor-)verlegen. Im August und September fehlen ja Feiertage völlig. Und die Weihnachtsmärkte in der dunklen Jahreszeit (nach der Zeitumstellung und Allerheiligen) offiziell umbenennen in "Lichtermärkte". Von Advent und Weihnachten ist an ihnen sowieso nichts mehr zu erkennen. Das muss man dann auch nicht mehr beklagen. Im Unterschied dazu können Kirchengemeinden eigene, als solche erkennbare, Adventsmärkte veranstalten, die frühestens am 1. Advent beginnen und spätestens am Tag vor Heiligabend enden.
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