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Carsten Rentzing zieht sich als Landesbischof zurück. Foto: epd-Bild
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Aufarbeitung in sächsischer Landeskirche gefordert

14. Oktober 2019

Nach der Rücktrittsankündigung von Sachsens evangelischem Landesbischof Carsten Rentzing beginnt in der Landeskirche die Aufarbeitung. Ein Leipziger Pfarrer fordert weiter eine Distanzierung des Bischofs von dessen Vergangenheit.

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Carsten Rentzing zieht sich als Landesbischof zurück. Foto: epd-Bild

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Dresden/Leipzig (epd). Nach der Rücktrittsankündigung von Sachsens evangelischem Landesbischof Carsten Rentzing wünscht sich der Leipziger Pfarrer Frank Martin eine intensive Aufarbeitung. "Wir müssen als Landeskirche sehen, wie wir mit der Sache umgehen und wie wir uns in der gesellschaftlichen Debatte neu aufstellen", sagte Martin am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Leipzig. "Gerade auch mit Blick auf die rechtsnationalen Tendenzen im sächsischen Landtag müssten wir deutlicher Stellung beziehen", erklärte er.

Martin gehört zu einer Gruppe von Pfarrern, die Rentzing Ende September in einer Online-Petition zu einer Distanzierung "von allen nationalen, antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien" und von der Neuen Rechten aufgefordert hatte. Hintergrund war unter anderem ein Vortrag Rentzings in der Berliner "Bibliothek des Konservatismus" 2013, die dem Umfeld der Bewegung zugerechnet wird. Weiter forderten die Autoren eine Erklärung, warum Rentzing bis heute Mitglied in einer schlagenden Studentenverbindung ist.

Lebenslauf vor Wahl nicht geprüft

Landeskirchensprecher Matthias Oelke sagte dem epd am Montag, weder Rentzings Vergangenheit noch die seiner drei Mitbewerber seien im Zuge der Bischofswahl 2015 gesondert überprüft worden. Rentzings Lebenslauf mit Theologiestudium und langjährigem Pfarramt im Erzgebirge habe dazu auch keinerlei Anlass gegeben. In dem Bewerbungsprozess sei es "in erster Linie um die Gegenwart und um die Zukunft von Kirche" gegangen, sagte Oelke.

Kritiker Martin sagte, er halte es für "sehr problematisch", wenn nun in konservativen Kirchenkreisen kolportiert werde, Rentzing sei "ein Paulus". "Paulus hat sich von seiner Vergangenheit getrennt. Rentzing hat das nie getan", betonte Martin. Laut biblischer Überlieferung hatte sich die Figur des Saulus von einem Verfolger der ersten Christen zu dem erfolgreichen Missionar und Theologen Paulus gewandelt.

Am Freitag hatte Bischof Rentzing überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Er wolle Schaden von seiner Kirche abwenden, erklärte er und schrieb: "Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr." Tags darauf wurde bekannt, dass er als Student von 1989 bis 1992 Texte in der Zeitschrift "Fragmente" verfasst und das Blatt auch mit herausgegeben hat. Die Leitung der Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens stufte die Texte als "elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich" ein. Sie seien "aus damaliger und aus heutiger Sicht unvertretbar".

Weitere Planung am 21. Oktober

Über eine rechtsextreme oder nationalistische Denkweise Rentzings sei bisher in der kirchlichen Öffentlichkeit nichts bekannt gewesen, erklärte die Landeskirche weiter. Umso "verstörender" seien die jetzt bekanntgewordenen Texte.

Der Bischof ist derzeit im Urlaub. Die Kirchenleitung will am 21. Oktober über weitere Schritte entscheiden. Formal bleibt Rentzing bis dahin im Amt. Seine Aufgaben übernimmt Stellvertreter Thilo Daniel.

Rentzing steht seit Jahren immer wieder in der Kritik. Der als konservativ geltende Theologe lehnt unter anderem die Segnung homosexueller Paare ab und wurde wiederholt dafür kritisiert, sich nicht deutlich zum Erstarken der AfD zu positionieren. 2015 war er von der Landessynode nur mit knapper Mehrheit zum Bischof gewählt worden.

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Leser-Kommentare öffnen

ellybe, 14. Oktober 2019, 14:10 Uhr


Eine solche "intensive Aufarbeitung" müsste auch die Rolle derer einschließen, die den Landesbischof derart angehen - wie sie mit ihm als Bischof und Mitbruder umgehen!
Und sie müsste die Frage beantworten, die dieser seinerzeit kritisch gestellt hat, nämlich, ob für Entscheidungen in der Kirche der Reformation biblisch-theologische Kriterien maßgeblich sind oder der gesellschaftliche Mainstream, bzw. die gesellschaftspolitischen Auffassungen einer Minderheit(spartei), die diese z.B. in einer Regierungskoalition mit Macht durchsetzt, dann für allgemein verbindlich erklärt und von daher andere gesellschaftliche Gruppen, auch die Kirche, beurteilt und gegebenenfalls maßregelt. -
Im Übrigen verweise ich auf einen Artikel in idea:
https://www.idea.de/frei-kirchen/detail/was-ist-an-den-vorwuerfen-dran-110711.html
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ellybe, 20. Oktober 2019, 22:46 Uhr


Noch einmal idea:
https://www.idea.de/frei-kirchen/detail/rueckhalt-fuer-landesbischof-rentzing-waechst-110770.html
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ellybe, 21. Oktober 2019, 13:30 Uhr


Auch wenn ich überhaupt nicht zur "frommen" Fraktion in der Kirche gehöre, muss ich doch akzeptieren, dass es gut-konservative Mitchristen/Brüder und Schwestern in ihr gibt. Ich finde es daher unerhört, in welcher Weise der sächsische Landesbischof von Amts-Kollegen diskriminiert wird, die sich zu Richtern über ihn aufschwingen und sich - in meinen Augen - auf diese Weise selbst profilieren und beweihräuchern möchten. Ich habe alle mir ereichbaren/verfügbaren Verlautbarungen von Bischof Rentzing in der Sache genau angesehen und kann nur sagen, dass sie weder als nationalistisch noch als demokratie- gefährdend anzusehen sind. Von seinen "Jugendsünden" hat er sich, für meine Begriffe, in ausreichender Weise distanziert. Es ist durchaus die Frage, ob das etliche seiner Kritiker, z.B. als Vertreter einer "Kirche im Souialismus"(„Wir wollen Kirche nicht neben, nicht gegen, sondern im Sozialismus sein.“) in Hinblick auf ihre eigenen früheren Äußerungen/Verlautbarungen in gleicher selbstkritischer Weise getan haben?!
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