hg
Bild vergrößern
Papst Franziskus Foto: epd-Bild
Buchtipp

Bernd Becker, Gerd-Matthias Hoeffchen
Was weg ist, ist weg
Kuriose Beerdigungsgeschichten

zur Detailseite

Anzeige

Papst warnt in neuem Schreiben vor Überheblichkeit in der Kirche

9. April 2018

In einem am Montag im Vatikan veröffentlichten Schreiben betont er, nicht nur herausragende Gläubige und Märtyrer, sondern alle Christen sollten im Alltag nach Heiligkeit streben.

Bild vergrößern
Papst Franziskus Foto: epd-Bild

Anzeige

Rom (epd). In dem päpstlichen Schreiben "Gaudete et exultate" (Freut euch und jubelt) prangert er diejenigen an, die sich innerhalb der katholischen Kirche zu Richtern über andere Gläubige erheben.

"Heilige von nebenan" seien Eltern, Menschen, die für den täglichen Unterhalt arbeiteten, und Kranke, betont Franziskus in dem Dokument. Die zum Katholizismus konvertierte Jüdin Edith Stein zitiert der Papst mit dem Hinweis, dass innerhalb und außerhalb der Kirche die entscheidenden Wendungen in der Weltgeschichte wesentlich mitbestimmt seien durch Seelen, "von denen kein Geschichtsbuch etwas meldet".

Schreiben umfasst 50 Seiten

Gerade in Zeiten, in denen Frauen stark eingeschränkt waren, habe eine weibliche Form der Heiligkeit zu neuer geistlicher Dynamik und wichtigen Reformen in der Kirche geführt, heißt es in dem knapp 50 Seiten umfassenden Schreiben. Darin verweist Franziskus etwa auf Hildegard von Bingen, Birgitta von Schweden und Katharina von Siena.

Mit Blick auf konservative Kirchenkreise, die ihn wegen seiner Reformen für einen Häretiker halten, nennt Franziskus narzisstisches und autoritäres Elitebewusstsein "subtile Feinde der Heiligkeit". Das Kirchenoberhaupt warnt davor, die eigenen Theorien zu verabsolutieren und andere zu verpflichten, sich deren Argumentationen zu unterwerfen. Er plädiert für einen gesunden und demütigen Gebrauch der Vernunft beim Umgang mit christlichen Lehren. Dem widerspreche es, "danach zu streben, die Lehre Jesu auf eine kalte und harte Logik zu reduzieren, die alles zu beherrschen sucht".

Unterschiedliche Interpretationen in der Kirche

Durch "wütendes Abladen von Rachegelüsten" werde die eigene Unzufriedenheit kompensiert. Unter dem Vorwand, Gebote zu verteidigen, werde das "Ansehen anderer gnadenlos zerstört". Die Rolle gnadenloser Richter einzunehmen, andere für unwürdig zu halten und ständig Belehrungen geben zu wollen, sei eine "subtile Form der Gewalt", mahnt der Papst. "Wenn jemand Antworten auf alle Fragen hat, zeigt er damit, dass er sich nicht auf einem gesunden Weg befindet." In der Kirche gebe es zurecht unterschiedliche Interpretation vieler Aspekte der Lehre und des christlichen Lebens.

Bei dem Lehrschreiben von Papst Franziskus handelt es sich der Form nach um eine sogenannte apostolische Exhortation - wie zuvor bereits seine Schriften "Evangelii gaudium" (2013) und "Amoris laetitia" (2016).

1

Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 9. April 2018, 13:12 Uhr


Wir sagen im Glaubensbekenntnis, daß wir an die "Gemeinschaft der Heiligen" glauben. Irgendwann hab ich gelernt, daß alle gläubigen Christen, also auch wir selber, dazu gehören. Sehen die Katholen das anders? Sie beten ja (fast) dasselbe.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login
Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Bernd Becker, Gerd-Matthias Hoeffchen
Was weg ist, ist weg
Kuriose Beerdigungsgeschichten

zur Detailseite
Buchtipp

Bernd Becker, Gerd-Matthias Hoeffchen
Was weg ist, ist weg
Kuriose Beerdigungsgeschichten

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen