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Denkpause im Kohle-Streit nach Todessturz im Hambacher Forst

20. September 2018

Trauer und Fassungslosigkeit herrschen nach dem Tod eines Journalisten im Hambacher Forst: Die nordrhein-westfälische Landesregierung setzt die Räumungen aus, der Landtag verzichtet auf eine Debatte zum Thema. Der Streit köchelt gleichwohl weiter.

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Polizeieinsatz im Hambacher Forst (Bild vom 16.9.)

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Aachen, Düsseldorf (epd). Auszeit im Streit um den Hambacher Forst: Nach dem tragischen Unfall-Tod eines jungen Journalisten sind die Räumungen der Baumhäuser vorerst gestoppt, auch der politische Disput wurde am Donnerstag weitgehend unterbrochen. Alle Beteiligten riefen zu einer Denkpause auf. Nun müsse zunächst Zeit für Trauer und Besinnung sein. Der 27-jährige Journalist war am Mittwoch bei Filmaufnahmen von der Räumung eines Baumhauses von einer 15 Meter hohen Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gestürzt.

Der Mann aus Leverkusen arbeitete laut Staatsanwaltschaft Aachen als freier Journalist für einen Youtube-Kanal. Er habe sich als erfahrener Kletterer ausgegeben, zum Zeitpunkt des Sturzes habe er sich allein und ungesichert auf der "bereits vorgeschädigten" Brücke aufgehalten.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung setzte nach dem tödlichen Unfall die Räumung der Baumhäuser von Umweltaktivisten aus, die eine Abholzung des symbolträchtigen Hambacher Forsts zum weiteren Braunkohleabbau verhindern wollen. Innenminister Herbert Reul (CDU) appellierte am Donnerstag an die Waldbesetzer, ihre Baumhäuser zu verlassen, "damit nichts passiert".

39 von 51 Baumhäusern geräumt

Im WDR-Radio verteidigte er die Räumung der Baumhäuser. Sie müssten abgebaut werden, "weil sie gefährlich sind". Wann und wie weiter geräumt wird, hänge auch davon ab, "wie alle Beteiligten sich verhalten". Die Polizei kontrolliert nach Angaben eines Sprechers weiterhin den Zugang zu dem Gelände und zu gefährlichen Punkten. Bis Dienstagabend seien 39 von 51 Baumhäusern geräumt worden.

Der Landtag sagte aus Pietät eine für Donnerstag geplante Debatte zum Thema ab, die Grünen zogen ihren Antrag für ein Rodungsmoratorium zurück. Nun sei "nicht der Tag des politischen Schlagabtausches, sondern zum Innehalten", erklärten sie. Auch Umweltverbände reagierten erschüttert auf den Todesfall, Greenpeace verschob eine angesetzte Pressekonferenz.

Betroffen zeigten sich zudem die Gewerkschaft der Polizei und der Energiekonzern RWE. Ein RWE-Sprecher äußerte die Hoffnung, "dass sich niemand mehr in derartige Gefahrensituationen bringt".

Umweltverbände, Aktivisten, die Linksfraktion im Bundestag und die evangelische Kirche in der Region forderten, die Räumung des Waldgebiets nicht nur zu unterbrechen, sondern zu beenden. "Die weitere mögliche Gefährdung von Leib und Leben von Beteiligten auf allen Seiten ist unbedingt zu vermeiden", erklärte der Superintendent des Kirchenkreises Jülich, Jens Sannig.

61 Prozent der Deutschen unterstützen Umweltschützer

Die Umweltorganisationen BUND, Campact und Greenpeace übergaben der NRW-Landesregierung über 500.000 Unterschriften gegen die Rodung des Hambacher Waldes. Sie fordern, die Bäume an dem Braunkohletagebau zwischen Köln und Aachen nicht zu fällen, solange die Kohlekommission in Berlin über den Kohleausstieg verhandelt. Dem schloss sich der Bund Deutscher Forstleute an. Im Hambacher Forst gehe es um Glaubwürdigkeit und Nachvollziehbarkeit von Politik, den Zusammenhalt der Gesellschaft und ein gemeinsames demokratisches Grundverständnis.

Nach Ansicht der Grünen-Umweltpolitikerin Bärbel Höhn zeigt die Räumungsaktion im rheinischen Braunkohlerevier, "welcher Kampf" derzeit um den Klimaschutz geführt werde. Weltweit seien viele solcher Kämpfe nötig, um den Klimawandel aufzuhalten, sagte sie im WDR. "Es gibt keine Zukunft mehr für die Braunkohle."

Eine Mehrheit von 61 Prozent der Deutschen unterstützt nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Instituts YouGov vom Montag die Besetzung des Hambacher Forsts. Abgelehnt wird die Aktion der Umweltschützer demnach von 23 Prozent.

Mitte Oktober will RWE für den weiteren Braunkohleabbau mit der Rodung von etwa hundert Hektar Wald beginnen. Für den 6. Oktober planen Umweltverbände eine große Demonstration dagegen.

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