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Mit Schnee bedeckte Krokusse Foto: epd-Bild
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«Natur ist fünf Wochen früher dran»

8. Februar 2018

Zierkirschen blühen, Störche kommen, in der Wetterau wird ein Sichler aus dem Mittelmeerraum gesichtet: Viele Tiere und Pflanzen haben sich durch den milden Januar auf Frühling eingestellt. Aber jetzt ist der Winter doch noch gekommen.

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Mit Schnee bedeckte Krokusse Foto: epd-Bild

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Frankfurt a.M. (epd). Schneeglöckchen und Hasel blühen ab, Erlen und Narzissen blühen auf. "Die Natur ist fünf Wochen früher dran als sonst", schätzt Hilke Steinecke, Kustodin des Frankfurter Palmengartens. Der Januar war ungewöhnlich milde, meldete der Deutsche Wetterdienst, im Schnitt gut vier Grad wärmer als üblich. In den Schrebergärten blühen die Krokusse, die Knospen der Pfirsichbäume schwellen, und durch die Wetterau nördlich von Frankfurt am Main stakste Ende Januar ein Brauner Sichler und zog Scharen von Vogelfreunden an. "Das ist etwas richtig Seltenes", sagt Biologe Stefan Stübing von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz.

Die Stelzvögel sind eigentlich in den Feuchtgebieten des Mittelmeerraums zu Hause, etwa an der Grenze zwischen Griechenland und Albanien. In den vergangenen 150 Jahren wurde nur 15 Mal einer in Deutschland gesichtet. In den 90er Jahren waren Sichler nach Spanien gekommen, hatten von dort aus die südfranzösische Camargue besiedelt und fliegen seit zehn Jahren gelegentlich auch nach Deutschland.

Tiere verhalten sich wie Anfang März

Die über Wochen milden Temperaturen in diesem Winter haben auch die Kurzstrecken- und Teilzieher unter den Vögeln dazu verleitet, in ihren Brutgebieten zu bleiben. Denn dann haben sie schon ein Revier, wenn die anderen Artgenossen erst heimkehren. Hausrotschwänze, Zilpzalpe und Wiesenpieper auf dem Durchzug aus Skandinavien wurden ebenfalls in der Wetterau gesichtet, die mit ihren Bächen, Tümpeln und Feuchtwiesen ein Eldorado für Vögel ist. Die Bachstelze, eigentlich ein traditioneller Frühlingsbote, ist zurzeit im nordhessischen Wabern unterwegs.

Biologe Stübing sagt: "Die Tiere verhalten sich wie sonst Anfang März." Die ersten Teichmolche und Kammmolche waren Ende Januar schon auf Wanderschaft. Auch Erdkröten, Springfrösche und Feuersalamander würden aus dem Rhein-Main-Gebiet gemeldet. In Sachsen sind die ersten Weißstörche zurückgekehrt, und die Kraniche sind schon wieder auf dem Weg nach Norden. Insekten, die sonst erfrieren oder in Winterstarre verfallen, werden bei der feucht-warmen Witterung von Schimmelpilzen befallen. Eine Ungezieferplage für den Sommer sei daher nicht zu befürchten, erklärt der Naturschutzbund Deutschland.

Kälteeinbruch für Jungvögel gefährlich

Jetzt aber ist es doch noch kalt geworden. Was machen die Tiere nun? "Die Vögel können ins Hessische Ried am Rhein ausweichen", sagt Stübing. Dort ist es milder. Unerfahrene Jungvögel überlebten den Kälteeinbruch nicht immer. "Großvögel wie Kraniche und Bekassinen können abziehen, weil sie genug Reserven haben. Aber Singvögel wie der Zilpzalp kommen nicht weit und verhungern", sagt der Biologe. Dann könne es zu massiven Einbrüchen bei der Population kommen.

Im Frankfurter Palmengarten leuchten die Osterglocken schon seit Anfang Januar. "Auch die Leberblümchen sind schon heraus", freut sich Hilke Steinecke. "Und etwas Schnee ohne große Kälte ist auch nicht so schlimm. Daran sind die Arten angepasst." Zierkirschen, wie sie in einigen Regionen schon blühen, allerdings können erfrieren.

Gefährlich können lange milde Phasen für Säugetiere sein, die den Winter üblicherweise in Winterruhe oder Winterschlaf verbringen. Sie reagieren irritiert, wenn die Temperaturen plötzlich steigen. Waschbären und Eichhörnchen wuseln umher und verbrauchen zu viel Energie, wie die Wildtierhilfe Odenwald erklärt. Am schlimmsten trifft es junge Igel: "Die zunehmend milden Winter sind für die Igel ein Problem, weil sie immer wieder aufwachen und im Halbschlaf liegen, was wiederum enorm an ihren Energiereserven zehrt."

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 8. Februar 2018, 15:36 Uhr


Letzte Woche war morgens beim ersten Hundespaziergang schon Frühkonzert und die Amselhähne stolzierten auf der Straße rum, um die Kollegen anzupöbeln. Jetzt kriegen sie erstmal einen kalten...äh... Bürzel ;)
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