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Museumsexpertin schlägt zentrales missionsgeschichtliches Haus vor

13. August 2019

Viele katholische Orden schaffen es nicht aus eigener Kraft, ihre Sammlungen zu halten. Daher spricht sich die Leiterin des LWL-Museumsamtes für ein zentrales Museum aus.

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Münster (epd). Angesichts bedrohter katholischer Völkerkunde-Sammlungen schlägt die Museumsexpertin Ulrike Gilhaus aus Münster die Errichtung eines zentralen missionsgeschichtlichen Museums vor. Sie sei überzeugt, dass es vielen katholischen Orden nicht aus eigener Kraft gelingen werde, eine gute Lösung für ihre breitgefächerten Sammlungen und Nachlässe zu finden, sagte die Leiterin des LWL-Museumsamtes für Westfalen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dazu seien oft weder die erforderliche große Expertise noch die Finanzkraft vorhanden. Gilhaus sprach sich für ein Engagement der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) aus.

Aktueller Anlass für Gilhaus' Appell ist die Schließung des "Forums der Völker" im westfälischen Werl. Es brauche auch deshalb ein Zusammenwirken mit der Bischofskonferenz, weil zwischen Orden und Bistümern Zielkonflikte sichtbar geworden seien, die "gute Lösungen" bisher verhindert hätten, sagte die Museumsexpertin. Die Bistümer betrachteten die Sammlungen als reine Ordensangelegenheit; es fehle am Bewusstsein für ein gemeinsames Erbe. Dies habe sich im Fall Werl besonders deutlich gezeigt.

Die Franziskaner in Werl müssen ihr Haus mit rund 14.000 Objekten verkaufen, weil sie den Standort des Klosters noch in diesem Jahr aufgeben. Nachdem ein Rettungsversuch des Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im Zusammenspiel mit dem Bistum Paderborn scheiterte, will jetzt ein privater Investor das Museum kaufen und dort ein Tagungszentrum für Wirtschaftspartner aus Entwicklungs- und Schwellenländern einrichten. Dabei sei aber nicht klar, wie "nachhaltig" eine an wirtschaftliche Verwertungsinteressen gebundene Lösung sein könne, sagte Gilhaus.

Nach ihren Angaben sind viele weitere Sammlungen von Auflösung bedroht. "Die Orden sind auf dem Rückzug, weil sie überaltern und zahlenmäßig schrumpfen", sagte die frühere Museumsleiterin. Oft seien kleine Gemeinschaften auch überfordert oder könnten den Wert dessen, was sie besitzen, nicht abschätzen: "Da verfällt die Sammlung." Bestände seien schon am Ende an Händler verkauft worden.

Mit der Gründung eines Museums, in dem ihre Missionsgeschichte dargestellt werde, könnte die katholische Kirche ihre Deutungshoheit zurückgewinnen, statt sie anderen Interpreten zu überlassen, sagte Gilhaus. Darüber würde sie gern auf der Ebene der Bischofskonferenz diskutieren. Es gehe darum, die Interessen der Bistümer zu bündeln, aber auch die Deutsche Ordensobernkonferenz müsse mit an den Tisch, betonte Gilhaus. Sie habe den Eindruck, dass zwischen Orden, Bistümern und Ordensobernkonfernz zunächst Einigkeit über die Ziele hergestellt werden müsse.

In Deutschland gibt es rund 80 missionsgeschichtliche Sammlungen. Im Bereich der katholischen Kirche befinden diese sich weitgehend in der Hand der Orden, die missioniert haben. Eine der bedeutendsten Sammlungen besitzen die Steyler Missionare in St. Augustin bei Bonn mit dem "Haus Völker und Kulturen", dessen Objekte 2005 von Experten auf einen Wert von sieben Millionen Euro geschätzt wurden. Das Museum ist nach Angaben des LWL-Museumsamts aus Brandschutzgründen öffentlich nicht mehr zugänglich.

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