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"Liebesschlösser" an einer Brücke. Doch manchmal verschwindet ein Beziehungspartner auch einfach und bricht ohne Erklärung den Kontakt ab: "Ghosting". Foto: epd-Bild
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Mit einem Klick ist es vorbei

14. Februar 2020

Viele suchen im Internet nach der großen Liebe. Rund jeder Fünfte hat dabei schon Erfahrung mit "Ghosting" gemacht: Der Date-Partner meldet sich nicht mehr, taucht ab wie ein Gespenst. Die Folge: Betroffene trauen sich kaum noch in Beziehungen.

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"Liebesschlösser" an einer Brücke. Doch manchmal verschwindet ein Beziehungspartner auch einfach und bricht ohne Erklärung den Kontakt ab: "Ghosting". Foto: epd-Bild

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Bonn, Berlin (epd). Rote Herzchen, Kuss-Emojis und unzählige liebe Worte: Gut zwei Wochen schwebt Anne F. im siebten Himmel. Einen Tag vor Weihnachten vergangenes Jahr lernt sie Mario (Name geändert) in der Dating-App Tinder kennen. Schnell tauschen sie Nummern aus, telefonieren und schreiben sich jeden Tag. "Er war wie mein Ebenbild", denkt die 30-Jährige aus Bonn an die Zeit zurück. Dann, nach gerade einmal zwei Treffen, taucht Mario plötzlich ab. Ihre WhatsApp-Nachrichten bleiben ungelesen, die Sprachmails ungehört. Es ist, als sei er niemals dagewesen.

Eine schmerzhafte Erfahrung von "Ghosting" - dem plötzlichen Kontaktabbruch und Verschwinden eines Menschen. Anrufe oder Nachrichten bleiben unbeantwortet, als hätte man es mit einem Gespenst zu tun.

Ghosten oft am Anfang der Beziehung

Der Begriff "Ghosting" kommt aus den USA. Seit 2015 steht er im Collins, einem der wichtigen englischen Wörterbücher. In Deutschland hat laut einer Umfrage des Partner-Vermittlungsportals "ElitePartner" von 2018 jede vierte Frau schon einmal jemanden "geghostet". Bei den Single-Frauen bis 29 Jahre sind es sogar 36 Prozent. Dagegen verschwindet nur knapp jeder fünfte Mann (19 Prozent) wortlos.

Das Phänomen gewinnt an Aufmerksamkeit. Der TV-Sender MTV etwa zeigt in einer Show Menschen, die einfach so aus dem Leben einer ihr nahestehenden Person verschwunden sind. Einige solcher Geschichten hat auch die Journalistin Tina Soliman in einem Buch zusammengetragen. Dafür hat sie mit Hunderten "Ghosts" und "Geghosteten" gesprochen. Nach Angaben der 54-Jährigen war unter den Millenials sogar jeder Zweite schon einmal "Ghosting"-Opfer.

Häufig "ghosten" Menschen in der Anfangsphase einer Beziehung, wie die Autorin berichtet, und sie ergänzt: "Paradoxerweise gerade dann, wenn die Begegnung vielversprechend war." Das könne schnell überfordern, erklärt Soliman. Oftmals steckten hinter dem gespenstischen Verschwinden aber auch fehlende Lust, Neugier und Geduld oder einfach Feigheit.

Große Auswahl auf Tinder und Co

Auch wenn es die klassische Funkstille bereits vor dem Internet-Zeitalter gab, hängt "Ghosting" klar mit dem Online-Dating zusammen, wie Soliman sagt. "Was mit einem Wisch beginnt, endet auch mit einem Wisch", stellt sie klar und meint: "Der Kontaktabbruch ohne Erklärung ist vom schambehafteten Unfall zur achselzuckend hingenommen Normalität geworden."

Die Auswahl an potenziellen Partnern auf digitalen Kennenlern-Börsen wie Tinder und Co. sei so groß, dass sich viele nicht mehr die Mühe eines Abschieds machten. Betroffene fühlten sich tief verletzt und massiv verunsichert, betont die Redakteurin. Viele trauten sich nicht mehr in Partnerschaften.

Auch Anne F. ist misstrauisch geworden. Mehrfach hat die junge Frau noch versucht, ihren Dating-Partner zur Rede zu stellen. Ohne Erfolg. "Wir haben sogar über unsere Kinderwünsche gesprochen. So was sagt man ja nicht, wenn man es nicht ernst meint", erzählt die PR-Managerin. Ständig habe sie sich gefragt: "Was habe ich falsch gemacht?"

"Langsam angehen"

Ein typischer Satz für die Leidtragenden, wie Elena-Katharina Sohn weiß. Die 40-Jährige hat vor zehn Jahren in Berlin "Die Liebeskümmerer" gegründet - ein Online-Angebot für Liebeskummer-Geplagte. Die Kunden können sich per Mail, WhatsApp, Skype, am Telefon oder auch persönlich von einem der insgesamt acht Therapeuten und Therapeutinnen beraten lassen.

Anfragen wegen "Ghostings" hätten in den vergangenen Jahren zugenommen, berichtet Sohn. Besonders schlimm für die Betroffenen sei der Gedanke: "Ich bin es meinem Gegenüber nicht mal wert, vernünftig behandelt zu werden." Im Gespräch mit ihren Klienten betont die Psychologin immer wieder: "Ghosting sagt ausschließlich etwas über denjenigen, der es vollzieht und nicht über den, dem es widerfährt." Sohn ergänzt: "Ich rate meinen Kunden eher dazu, Bekanntschaften langsam anzugehen, als bereits nach zwei Wochen von der großen Liebe zu sprechen."

Aber auch "Geister" selbst melden sich bei Sohn und ihrem Team. Die meisten hätten ein schlechtes Gewissen, erzählt die Beziehungsexpertin. "Ich versuche dann, ihnen durch einen Perspektivwechsel klar zu machen, was sie anderen damit antun und rate auch dazu, sich zu entschuldigen - auch, um wieder mit sich selbst ins Reine zu kommen."

Anne F. hat sich keine Hilfe von außen geholt. Bei ihr war es vor allem die Familie, die sie in der Zeit unterstützt hat: "Sie haben mich abgelenkt. Ansonsten hätte ich ihm wahrscheinlich wieder geschrieben." Inzwischen hat sie die Nummer ihres Ex-Schwarms gelöscht. Außerdem lernt die junge Frau gerade einen neuen Mann kennen. "Jemand aus der Vergangenheit", sagt sie und fügt lächelnd hinzu: "Ist wahrscheinlich Schicksal."

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