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Protestanten wünschen sich solidarisches Europa

7. November 2016

Mit einem Bekenntnis zu einem weiteren Zusammenwachsen Europas ist die Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland fortgesetzt worden. Doch die politische Realität sehen die Protestanten kritisch.

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Magdeburg (epd). Die evangelische Kirche wünscht sich ein solidarisches Europa. "Das Problem Europas ist, dass nicht alle mitgenommen werden. Es bleiben zu viele auf der Strecke", sagte der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Gerhard Wegner, am Montag am Rande der EKD-Synodentagung in Magdeburg nach der Präsentation einer Studie, derzufolge die Europäische Union (EU) bei den Menschen in Deutschland aktuell ein schlechtes Image hat. Weiteres Thema bei den Beratungen des Kirchenparlaments war der EKD-Haushalt für das nächste Jahr.

Für die repräsentative Studie über Ansichten zu Europa hatte das Sozialwissenschaftliche Institut in Zusammenarbeit mit den Meinungsforschern von TNS Emnid im September 2.013 Frauen und Männer ab 14 Jahren befragt. Demnach halten es 87 Prozent für wünschenswert, wenn sich die Staatengemeinschaft stärker dem Kampf gegen Armut und soziale Ungleichheit zuwendet.

Befragt nach den Profiteuren der Europäischen Union nannten 86 Prozent die Unternehmen, 81 Prozent die Finanzwirtschaft und 72 Prozent Besserverdienende. Nur 29 Prozent glauben, dass Arbeitslose von der Europäischen Union Vorteile haben. 28 Prozent nannten Rentner und 21 Prozent Geringverdiener als Profiteure. "Europa muss es gelingen, solidarischer zu werden", schlussfolgerte der Sozialforscher Wegner.

Erklärung "Europa in Solidarität"

Im Entwurf zu einer Synodenerklärung "Europa in Solidarität", die zum Ende der Tagung am Mittwoch verabschiedet werden soll, heißt es, die Aufnahme von Flüchtlingen und das Gastrecht für Fremde gehörten "zum Kernbestand des christlichen Glaubens", auf dem auch die Werte der Europäischen Union wie Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit beruhten. Dabei müsse die Behandlung von Flüchtlingen "auch als Gerechtigkeitsfrage" verstanden werden.

Zu den konkreten Forderungen gehört, die Verantwortung "nicht dauerhaft an Drittländer wie die Türkei" zu delegieren, sichere und legale Fluchtwege zu schaffen und Familiennachzug zu gewähren. Anknüpfend an die biblische Geschichte vom Barmherzigen Samariter fordert die evangelische Kirche dem Entwurf zufolge Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe als Grundlage für Europa.

Wie aus einer weiteren bei der Synode vorgelegten Studie hervorgeht, kann christlicher Glaube sowohl zu rechtspopulistischen Ansichten wie auch zu liberalen Haltungen führen. Zwar seien in Kirchengemeinden feindliche Einstellungen wie Antisemitismus, Homophobie und Islamophobie festgestellt worden. Es gebe aber auch "starke Faktoren" von Widerstandsfähigkeit, heißt es im Bericht des Rates der EKD zu der qualitativen Untersuchung "Kirchenmitgliedschaft und politische Kultur". Demnach hängen die mit Religion verbundenen Einstellungen davon ab, wie der persönliche Glaube erlebt wird und welche Diskussionskultur in den jeweiligen Kirchengemeinden vorherrscht.

Einnahmen steigen

Trotz sinkender Mitgliederzahlen lässt die gute Konjunktur die Steuereinnahmen der evangelischen Kirche steigen. 2015 haben sich die Erträge im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro erhöht. Ratsmitglied Andreas Barner sprach bei der Einbringung des Haushaltsgesetzes für 2017 von "finanziell guten Zeiten". Langfristig werde das das jedoch nicht so bleiben.

Der Entwurf zum Haushalt der EKD für 2017, der sich hauptsächlich aus Umlagen der 20 Landeskirchen speist, sieht ein Volumen von 215,9 Millionen Euro vor. Der Zuwachs um rund 8,7 Prozent im Vergleich zum laufenden Jahr erklärt sich vor allem mit den Feiern zum 500. Reformationsjubiläum.

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