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Figur eines Häuptlings der Dakota-Indianer in der Villa Bärenfett im Karl-May-Museum Foto: epd-Bild
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Mehr als Indianerromantik

24. Juli 2018

Mit Karl May verbinden viele den Wilden Westen. Doch der Schriftsteller war mehr als der Schöpfer von "Winnetou" und "Old Shatterhand". An seinem Wohnort im sächsischen Radebeul soll jetzt die ganze Geschichte erzählt werden.

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Figur eines Häuptlings der Dakota-Indianer in der Villa Bärenfett im Karl-May-Museum Foto: epd-Bild

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Radebeul (epd). Radebeul bewahrt ein Vermächtnis: In der Kleinstadt bei Dresden erinnert seit nunmehr 90 Jahren ein Museum an den Schriftsteller Karl May (1842-1912). In seinem letzten Wohnhaus - der "Villa Shatterhand" wie er sie nannte - ist eine Ausstellung zu Leben und Werk zu sehen. May lebte dort mit seiner zweiten Ehefrau Klara. Der Schöpfer von "Winnetou" und "Old Shatterhand" gilt mit einer Gesamtauflage von weltweit rund 200 Millionen als einer der auflagenstärksten deutschen Autoren.

Im zweiten Teil des Museums - der "Villa Bärenfett" - taucht der Besucher in die Welt der Indianer Nordamerikas ein. Das Blockhaus hatte Klara, die ihren Ehemann um mehr als 30 Jahre überlebte, auf ihrem Grundstück errichten lassen und darin 1928 das Museum gegründet. Die erste Ausstellung bestand aus der Indianersammlung des befreundeten Artisten Patty Frank, dem Klara im Gegenzug ein lebenslanges Wohnrecht im Blockhaus einräumte.

Bis heute wird das Museum privat von der Karl-May-Stiftung geführt, die 75 Prozent der Kosten selbst trägt. Inzwischen sind beiden Museumsteile in die Jahre gekommen. Vieles entspreche nicht den modernen Standards, sagt Museumsdirektor Christian Wacker, von der Klimatisierung für die Objekte angefangen bis zum barrierefreien Zugang. In den nächsten Jahren werde das Museum daher saniert und erweitert.

Karl Mays humanistisches Erbe

Geplant ist ein drittes Gebäude. In dem Neubau würden das Wirken und die Rezeption von May präsentiert, sagt Wacker. Auch ein Besucherzentrum und Depot sollen dort Platz finden. In einem zweiten Bauabschnitt werden die historischen Gebäude saniert und modernisiert. Die Gesamtkosten beziffert Wacker auf rund 7,2 Millionen Euro. Baubeginn ist voraussichtlich 2020.

Die neue Dauerausstellung werde damit auch inhaltlich bereichert. Wacker denkt an Themen wie Karl Mays humanistisches Erbe, die Situation der Indianer heute und auch an zeitgenössische indigene Kunst. Zudem müssten die Abenteuerfilme nach Mays literarischen Vorlagen in die moderne Ausstellung integriert werden.

Rund 4.000 Objekte zählen zum Museumsbestand, derzeit sind etwa 20 Prozent öffentlich zu sehen. Unter den Schätzen sind indianische Pfeifen, Kleidung und Masken. Rund 57.000 Besucher kommen jährlich ins Radebeuler Museum.

"Karl May - das ist aber nicht nur Indianer und ein bisschen Orient", sagt Wacker, der seit April Museumschef und zudem Geschäftsführer der Karl-May-Stiftung ist. Sein Werk sei sehr viel mehr als die Geschichten aus dem Wilden Westen. So habe sich May intensiv mit dem pazifistischen Ansatz und der Friedensbewegung auseinandergesetzt. Auch das soll stärker ins öffentliche Bewusstsein geholt werden - nicht zuletzt mit Gesprächsrunden und Vorträgen.

Langjährige Kooperation

Zum 90. Geburtstag des Museums in diesem Jahr gibt es eine Überraschung: Der Brunnen im denkmalgeschützten Garten erhält seien lebensgroße Figur zurück - einen Engel aus Sandstein. Er soll am 1. Dezember feierlich übergeben werden. Klara hatte die Figur 1918 in Auftrag gegeben. 100 Jahre später werde sie jetzt nach Fotos originalgetreu rekonstruiert, sagt Wacker. Engel spielen in Karl Mays Spätwerk eine Rolle. Die Brunnenfigur schmückte bis 1974 den Museumsgarten, danach wurde sie entfernt und zerstört.

Die Radebeuler "Villa Shatterhand" ist äußeres Zeichen eines Wohlstandes, zu dem der in ärmsten Verhältnissen aufgewachsene Karl May am Ende seiner Lebens gekommen war. Zu erleben sind seit 1985 das orientalisch eingerichtete Arbeitszimmer des Schriftstellers, die Bibliothek, Souvenirs seiner Reisen in den Orient und nach Nordamerika sowie persönliche Gegenstände bis hin zur Haarlocke.

Eine langjährige Kooperation verbindet das Karl-May-Museum mit den Landesbühnen Sachsen, ebenfalls ansässig in Radebeul. "Das Museum ist ein guter Beobachter unserer Stücke", sagt Theatersprecherin Petra Grubitzsch. Es gebe eine enge Zusammenarbeit. Auf der Felsenbühne Rathen in der Sächsischen Schweiz, die von den Landesbühnen in den Sommermonaten bespielt wird, lassen die Schauspieler regelmäßig "Winnetou" und "Old Shatterhand" aufleben.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 25. Juli 2018, 5:39 Uhr


Bei Karl May drängt sich bei mir immer eine Parallele auf: Wie Kant um Aufklärung unseres Selbst bemüht, erklärt May gut und böse des Fremdartigen sehr klar. Beide erfuhren, ohne je gereist, nur aus der Vorstellung zu schreiben, eine umfassende Aufmerksamkeit. Was Immanuel Kant mit dem Umweg über die Naturwissenschaften, erreicht Karl May direkt und was Barbara Cartland und Rosamunde Pilcher für die Liebenden, ist Karl May für die Verwegenen:-)
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