hg
Bild vergrößern
Der Arzt Eckhard Nagel (Archivbild) Foto: epd-Bild
Buchtipp

Hans Möhler (Hg.)
Wie jeder die Welt verbessern kann
Mit kleinen Schritten für die Zukunft

zur Detailseite

Anzeige

Mediziner: Höhere Standards bei Transplantationen in armen Ländern

17. Januar 2020

Weltweit höhere Standards in der Transplantationsmedizin könnten aus Sicht des Medizin-Ethikers Eckhard Nagel viele Menschen vor Erblindung und anderen gesundheitlichen Schäden schützen.

Bild vergrößern
Der Arzt Eckhard Nagel (Archivbild) Foto: epd-Bild

Anzeige

Hannover (epd). "Eine einfache Transplantation der Augenhornhaut kann Millionen Menschen vor der Blindheit bewahren", sagte Nagel am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Höhere Standards seien auch nötig, um der Kommerzialisierung der Transplantationsmedizin und der Ausbeutung möglicher Spender in armen Ländern entgegenzuwirken. Nagel äußerte sich am Rande der Jahrestagung der "European Eye Bank Association" in Hannover.

Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hätten weltweit zwei Milliarden Menschen mit Einschränkungen beim Sehen zu kämpfen, sagte Nagel. Vielen drohe der Verlust des Augenlichts durch Infektionskrankheiten oder Unfälle. Der Professor schlug vor, in Entwicklungsländern ein Netz von Gewebebanken wie in Europa zu etablieren, in denen Gewebespenden wie Augenhornhaut aufbewahrt werden. In Europa funktioniere dies effektiv und ohne kommerzielle Interessen. Das operative Ersetzen der Augenhornhaut sei bereits heute die weltweit häufigste Transplantation bei Menschen und ein Routineeingriff.

Bessere Informationspolitik für die Bevölkerung

Zu den höheren Standards gehöre auch eine bessere Informationspolitik für die Bevölkerung in Entwicklungsländern, sagte Nagel, der an der Universität Bayreuth Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften lehrt. "In Entwicklungsländern gibt es teilweise noch Ressentiments und religiöse Vorbehalte gegen Transplantationen." Diese müssten durch Information abgebaut werden.

Nagel, der jahrelang Mitglied des Deutschen Ethikrats war, warnte vor der Ausbeutung und Kommerzialisierung des Gewebe- und Organhandels. "Gewebehandel ist überall verboten, und doch findet er statt." Der enorme Mangel an Gewebespenden sei der Hauptgrund dafür. Mit Geld könnten Regeln in armen Ländern zu oft umgangen werden. Hier müssten wirksame Grenzen gezogen werden.

Rund 1.800 Menschen auf Warteliste

In Deutschland existiert ein Netz von rund 20 Gewebebanken, in denen Augenhornhäute, Blutgefäße oder Herzklappen für Transplantationszwecke aufbewahrt werden. Die Augenhornhaut (Cornea) kann bis zu 72 Stunden nach dem Tod bei gestorbenen Menschen entnommen und dann bis zu 34 Tage in einer Gewebebank konserviert werden.

Rund 7.000 von Blindheit bedrohten Menschen wird in Deutschland nach Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation jährlich eine gespendete Cornea transplantiert. Die Tendenz sei steigend. Rund 1.800 Menschen stünden auf einer Warteliste.

0

Leser-Kommentare öffnen

Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Hans Möhler (Hg.)
Wie jeder die Welt verbessern kann
Mit kleinen Schritten für die Zukunft

zur Detailseite
Buchtipp

Hans Möhler (Hg.)
Wie jeder die Welt verbessern kann
Mit kleinen Schritten für die Zukunft

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen