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Papst Franziskus besucht Benedikt in Castel Gandolfo (Archivbild) Foto: epd-Bild
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Loyalität ohne Freundschaft

16. Januar 2020

Aufgrund der Erfahrungen mit dem Siechtum von Johannes Paul II. trat Benedikt XVI. zurück, um nicht einst im Vatikan fremdbestimmt zu werden. Der deutsche Pontifex versprach seinem Nachfolger Gehorsam. Doch noch immer tritt er als Papst in Weiß auf.

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Papst Franziskus besucht Benedikt in Castel Gandolfo (Archivbild) Foto: epd-Bild

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Rom (epd). Die Idee, dass andere im Namen eines alten und kranken Papstes die katholische Kirche leiten könnten, ohne dass dieser sich dagegen wehren könne, war Benedikt XVI. bereits in seiner Zeit als Kurienkardinal eine Horrorvorstellung. So machte er im Februar 2013 mit seinem Amtsverzicht den Weg für ein Konklave frei, bei dem Papst Franziskus gewählt wurde.

Bereits bevor der Name seines Nachfolgers feststand, versprach Benedikt diesem "bedingungslose Ehrerbietung und Gehorsam". Doch er legte die in der katholischen Kirche Päpsten vorbehaltenen weißen Gewänder nicht ab. In dem zu seinem Alterssitz umgebauten Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan tritt er vor Besuchern als emeritierter Papst und nicht als einfacher Pilger auf, der er nach dem Ende seiner Amtszeit eigentlich hatte sein wollen.

Mit dem damaligen Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, wählten die Kardinäle einen Jesuiten zum Papst, der in theologischen Fragen mit Benedikt übereinstimmte. Auch Franziskus hat nichts für das Frauenpriestertum und eine generelle Lockerung des Zölibats übrig. Doch aus seinem Verständnis des Priesters in dienender Funktion einer armen Kirche heraus sieht Franziskus mehr Spielraum für Ausnahmen, wenn es um Notfälle geht.

Verhältnis gilt als loyal, nicht als freundschaftlich

So lockerte Franziskus das Verbot der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene in Ausnahmefällen. Auch Ausnahmen vom Pflichtzölibat für Priester zieht er in abgelegenen Regionen in Erwägung, in denen Gläubige etwa im Amazonasgebiet über Monate nicht von einem Geistlichen besucht werden können.

Das Verhältnis zwischen dem amtierenden Papst und seinem Vorgänger gilt trotz großer Übereinstimmung in theologischen Fragen jedoch nicht als freundschaftlich, sondern vielmehr als loyal. Franziskus besucht seinen Vorgänger an hohen Feiertagen wie Ostern und Weihnachten, um mit ihm Glückwünsche auszutauschen.

Nach Benedikt befragt, ist der Pontifex bei jeder Gelegenheit voll des Lobes. Mal bezeichnet er ihn als Großvaterfigur, mal rühmt er den Mut, den Benedikt als Papst etwa mit der Auflösung einer religiösen Gemeinschaft bewiesen habe, in der Frauen sexuell missbraucht wurden.

Tief eingesunken im Rollstuhl

Je älter und gebrechlicher Benedikt wird, desto häufiger scheint er sich in wichtigen Auseinandersetzungen um Fragen von Missbrauch und Zölibat zu Wort zu melden. Jüngste Fernsehbilder zeigen indes, dass er nicht mehr in der Lage ist, verständlich zu sprechen. Tief eingesunken sitzt er im Rollstuhl, während sein Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, an seiner Stelle spricht.

Dennoch veröffentlichte Benedikt im vergangenen Jahr in einer Priesterzeitschrift einen Artikel, in dem er sexuellen Missbrauch in der Kirche auf Normlosigkeit infolge der sexuellen Revolution von 1968 zurückführte - nachdem Franziskus immer wieder für Missbrauchsfälle um Vergebung gebeten hatte.

Vor dem Hintergrund, dass Benedikt kein Gespräch mehr führen kann, wurde in der Debatte um das angeblich gemeinsam mit Kurienkardinal Robert Sarah verfasste Buch gegen eine Lockerung des Priesterzölibats spekuliert, der emeritierte Papst werde missbraucht. Franziskus äußerte sich nicht zu dem Buch mit dem Titel "Aus der Tiefe unserer Herzen", das in scharfer Form gegen eine möglicherweise kurz bevorstehende Öffnung für verheiratete Priester im Amazonasgebiet polemisiert.

Bekämpfende Päpste

Dennoch entstand in der Öffentlichkeit das Bild von zwei einander bekämpfenden Päpsten. Der Umschlag des Buches erweckt mit einem alten Foto von Benedikt den Eindruck, dieser sei im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte.

Kardinal Sarah veröffentlichte im Internet Briefe, um zu belegen, dass der emeritierte Papst seine Zustimmung zur Veröffentlichung eines seiner Texte gegeben habe. Diese Briefe sind offensichtlich am Computer geschrieben, den Benedikt jedoch nie zu benutzen lernte. "Von meiner Seite aus kann der Text in der von Ihnen vorgesehenen Form veröffentlicht werden", schrieb Benedikt demnach im November vergangenen Jahres an Sarah.

Der als Gegner der Reformen von Papst Franziskus bekannte Sarah wies den Vorwurf, Benedikt sei für die Buchveröffentlichung missbraucht worden, im Ton abgrundtiefer Entrüstung zurück. Möglicherweise sei er sich der medialen Wirkung, die die Buchveröffentlichung kurz vor einer erwarteten Entscheidung des Papstes zu dem Thema darstelle, nicht bewusst gewesen, heißt es in vatikannahen Kreisen.

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