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Literatur-Nobelpreise gehen an Handke und Tokarczuk

10. Oktober 2019

Nach den Turbulenzen des vergangenen Jahres gibt es diesmal gleich zwei Literatur-Nobelpreise: Gewürdigt wurden wie zu erwarten ein Mann und eine Frau, und - zur Überraschung der Leserschaft - mit Peter Handke ein deutschsprachiger Autor.

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Frankfurt a.M., Stockholm (epd). Die Literatur-Nobelpreise für 2018 und 2019 gehen an Olga Tokarczuk und Peter Handke. Die polnische Autorin werde für ihre erzählerische Imagination ausgezeichnet, die mit enzyklopädischer Leidenschaft das Überschreiten von Grenzen als eine Lebensform darstelle, sagte der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, Mats Malm, am Donnerstag in Stockholm. Den österreichischen Schriftsteller Handke würdige die Akademie für seine einflussreiche Arbeit, die mit linguistischem Einfallsreichtum Randgebiete und Besonderheiten der menschlichen Erfahrung erforscht habe.

Der Literatur-Nobelpreis ist mit jeweils neun Millionen Schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Diesmal verlieh das Nobelkomitee gleich zwei Preise, nachdem die Auszeichnung im vergangenen Jahr wegen eines Skandals um Belästigung und Korruption und mangelnder Beschlussfähigkeit der Akademie nicht verliehen worden war.

Dramen, Essays und Prosa

Der 1942 in Kärnten geborene Handke schrieb Dramen, Essays und Prosa. Bekannt wurde er in den 1960er Jahren mit seinem Debüt "Die Hornissen", dem Theaterstück "Publikumsbeschimpfung" (1969) und der Erzählung "Die Angst des Tormanns vorm Elfmeter" (1970). In "Wunschloses Unglück" verarbeitete er 1972 den Suizid seiner Mutter.

In den 90er Jahren widmete Handke sich vermehrt seinen slowenischen Wurzeln mütterlicherseits ("Immer noch Sturm", 2010). Nach einem Reisebericht ("Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina", 1996) warfen ihm Kritiker eine Verharmlosung der serbischen Kriegsverbrechen im Jugoslawienkrieg vor. Er selbst beharrte auf differenzierter Wortwahl und Darstellung der Kriegsereignisse. 1999 trat Handke aus der katholischen Kirche aus und der serbisch-orthodoxen Kirche bei.

Landschaften und materielle Präsenz spielten in seinem Werk eine außerordentliche Rolle, sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Anders Olsson, zur Begründung. Zugleich seien die Klassik und das Erbe Goethes in Handkes Werk überall präsent. In seiner machtvollen Erzählung "Mein Jahr in der Niemandsbucht" (1994) zeige der heute am Rande von Paris lebende Autor bislang Ungesehenes und lasse den Leser Teil davon werden. Weitere bekannte Titel des 76-Jährigen sind etwa "Die Stunde der wahren Empfindung" (1975), "Die Linkshändige Frau" (1976) und das Filmbuch "Der Himmel über Berlin" (1987), nach dem Handkes Freund Wim Wenders den gleichnamigen Film drehte. 2017 erschien "Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere".

Chronistin des polnisch-tschechischen Grenzlands

Die aus dem schlesischen Zielona Gora (Grünberg) stammende Polin Olga Tokarczuk schrieb seit 1989 zahlreiche Romane und Erzählungen. Sie gilt als Chronistin des polnisch-tschechischen Grenzlands mit tiefer Verwurzelung in der mitteleuropäischen Geistesgeschichte und zählt zu den populärsten polnischen Autoren. Ins Deutsche übersetzt wurde ihr 1996 erschienener Roman "Ur und andere Zeiten", der in einem fiktiven Städtchen in Ostpolen spielt, das unter dem Schutz von vier Erzengeln steht. Kritiker bescheinigten dem Roman eine "märchenhafte Aura". Ihr Schreibstil wird als magischer Realismus beschrieben.

Das Nobelkomitee hob insbesondere ihren Roman "Taghaus, Nachthaus" (1998), die Geschichte eines Dorfes in Niederschlesien, und das ungewöhnliche Werk "Flights" (2009, dt. "Unrast") hervor, für das sie bereits den International Man Booker Prize erhielt. In letzterem thematisiert sie das Unbehaustsein des modernen Menschen. Ihr größtes Werk sei aber der 2018 veröffentlichte Roman "The Books of Jacob". Darin zeige sie die Fähigkeit der Literatur, etwas zu erfassen, dass fast über das menschliche Verstehen hinausgehe.

Der Literatur-Nobelpreis wird in der Regel jährlich von der Schwedischen Akademie vergeben, die nominell 18 Mitglieder hat. Nach diversen Rücktritten während der Krise von 2018 wurden sieben Mitglieder neu gewählt. Die Entscheidung über die Preisträger dieser beiden Jahre traf das neu gebildete Nobelkomitee, dem vier Akademiemitglieder und fünf externe Experten angehören. Der Nobelpreis wurde von dem schwedischen Unternehmer und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel (1833-1896) gestiftet. Verliehen werden alle sechs Nobelpreise an seinem Todestag, dem 10. Dezember.

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