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Kardinal Karl Lehmann. Foto: epd-Bild
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Kardinal Lehmann glaubt nicht an schnelle Reform der katholischen Kirche

4. Mai 2016

In Mainz geht am Pfingstmontag voraussichtlich eine Ära zu Ende: Mit Kardinal Lehmann geht dann einer der renommiertesten katholischen Theologen in den Ruhestand.

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Kardinal Karl Lehmann. Foto: epd-Bild

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Lob von "Wir sind Kirche"

Lehmann ist seit 1983 Bischof von Mainz und stand von 1987 bis 2008 an der Spitze der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" würdigte seinen Beitrag für eine zeitgemäße Ausrichtung der katholischen Kirche.

Um zukunftsfähig zu bleiben, sollte die Kirche insbesondere die Öffnung des Priesteramtes für verheiratete Männer "intensiv prüfen", sagte Lehmann. Alle anderen Möglichkeiten zum Umgang mit dem Priestermangel wie immer größere Gemeindeverbünde seien letztlich nicht befriedigend. "Ich bin überzeugt, dass diese XXL-Gemeinden keine Lösung darstellen", sagte Lehmann. Auch ein immer größerer Anteil ausländischer katholischer Priester aus Ländern wie Polen oder Indien werde allein nicht ausreichen, um die Seelsorge vor Ort für die Zukunft sicherzustellen. Er selbst habe aber in seiner langen Amtszeit selbst erfahren, wie schwer es sei, die Priesterweihe für im kirchlichen Leben "bewährte Männer" ("viri probati") zu öffnen. Er habe sich abgewöhnt, auf eine Entscheidung noch zu Lebzeiten zu hoffen.

Der seit vielen Jahren geforderten Öffnung des Priesteramts für Frauen in der katholischen Kirche räumt Lehmann keinerlei Chancen ein. "Ich wäre unehrlich, wenn ich viel versprechen würde", sagte er. Schon heute gebe es allerdings viele Möglichkeiten für Frauen, auch in der katholischen Kirche Verantwortung zu übernehmen. Lehmann verwies auf die zunehmende Anzahl von Theologie-Professorinnen und die vielfach unter weiblichem Vorsitz stehenden Pfarrgemeinderäte.

"Meinen Frust abgebaut"

Bei dem Pressetermin im Tagungszentrum des katholischen Bistums stellte der Kardinal auch drei Bücher vor, die zeitgleich mit seinem bevorstehenden Rücktritt erscheinen - darunter neben zwei Aufsatzbänden auch eine Zusammenfassung mehrerer ausführlicher Gespräche mit Markus Schächter. Im Verlauf der Treffen mit dem früheren ZDF-Intendanten habe er ein "Stück weit meinen Frust abgebaut", räumte der Kardinal ein.

"Die Kirche müsste Lehmanns Kompetenzen auch über seinen 80. Geburtstag hinaus nutzen, das hätte sie dringend nötig", sagte der Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche", Christian Weisner, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wie kein anderer leitender Geistlicher habe sich der Mainzer Bischof darum bemüht, den Aufbruch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil vor Ort in Deutschland fortzusetzen. Dabei sei Lehmann auf tragische Weise von konservativen Kräften ausgebremst worden.

Der von dem Jesuiten Karl Rahner geprägte Mainzer Bischof sei ein echter "Ausnahmetheologe", sagte Weisner: "Lehmann ist ein Kämpfer mit theologischen Argumenten, aber gegen die Machteliten in Rom hat er sich nicht durchsetzen können." Während seiner Amtszeit sei deutlich geworden, wie sehr sich der Wind in Rom gedreht habe. Dies habe sich ganz besonders während der Amtszeit von Papst Benedikt XVI. gezeigt. Lehmann und der 2005 zum Papst gewählte Joseph Ratzinger hätten auf "verschiedenen theologischen Kontinenten" gelebt.

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