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Kulturrat: Einkommen für Kulturschaffende zu niedrig

25. Juni 2020

Die Corona-Krise hat auch die prekäre Situation vieler Menschen in der Kulturbranche sichtbar gemacht. Besonders betroffen sind Frauen.

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Kulturschaffende kämpfen häufig um ihre finanzielle Existenz. Foto: epd-Bild

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Berlin (epd). Die Arbeitsbedingungen für Künstler und Kreative sind nach einer Studie des Deutschen Kulturrates "immer noch prekär". In der Corona-Zeit, als die ökonomischen Grundlagen von Künstlern und kleinen Kulturunternehmen binnen kurzem zusammengestürzt seien, sei dies sichtbar geworden, erklärte Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann in der am Donnerstag in Berlin vorgelegten Studie "Frauen und Männer im Kulturmarkt". Die Einkommen seien im Durchschnitt deutlich zu niedrig, besonders Frauen würden strukturell im Kulturarbeitsmarkt benachteiligt.

Das Durchschnittseinkommen selbstständiger Künstler lag der Erhebung zufolge im vergangenen Jahr zwischen 10.938 Euro (Konzeptkünstler) und 48.936 Euro (Librettisten und Textdichter). In der Berufsgruppe Wort, zu der auch freie Journalisten gehören, wurden dabei durchweg höhere Einkommen erreicht als in den anderen drei Berufsgruppen Bildende Kunst, Musik und Darstellende Kunst.

Höchste Einkommen in Hamburg

Außerdem variierte die Höhe die Einkommens nach Bundesländern: Am meisten verdienten die rund 194.000 in der Künstlersozialkasse Versicherten in Hamburg, am wenigsten in Thüringen. Auch in Berlin, wo sehr viele Künstler lebten, werde im Vergleich zu anderen Bundesländern eher wenig verdient. Der Verdacht sei nicht von der Hand zu weisen, dass das große Angebot an künstlerischen Leistungen dort zu geringeren Einkommen führe, heißt es in der Studie.

Am sogenannten Gender Pay Gap, also dem vergleichsweise geringeren Verdienst von Frauen, hat sich der Studie zufolge grundsätzlich nichts geändert. Fast durchgängig erreichen Frauen ein geringeres Einkommen aus der selbstständigen künstlerischen Tätigkeit als Männer. "Das Einkommen hängt mit der Präsenz im Markt zusammen", schreibt Co-Autorin Gabriele Schulz. "Wenn Werke von Frauen weniger besprochen werden als die von Männern, sind sie weniger präsent, werden weniger gekauft, wodurch weniger Einkommen generiert wird." Insgesamt machten Frauen etwa die Hälfte (48 Prozent) der in der Künstlersozialkasse Versicherten aus.

Das Eis, auf dem sich Künstlerinnen und Künstler sowie andere im Kultur- und Medienbereich Tätige ökonomisch bewegen, sei insgesamt "viel zu dünn", resümierte Kulturrats-Geschäftsführer Zimmermann, der die Studie mitverfasste. Es bleibe Aufgabe, die Arbeits- und Lebensbedingungen im Kulturbereich nachhaltig zu verbessern.

Unzureichende private Altersversorgung

Allzu viele Selbstständige aus der Kultur- und Medienbranche hätten nicht die Einnahmen, um eine hinreichende private Altersversorgung aufzubauen, von der sie im Alter leben können, erklärte Zimmermann. Auch die eigene Versorgung bei Erwerbsminderung oder von Hinterbliebenen sei oft unzureichend: "Hier besteht sozial- und kulturpolitischer Handlungsbedarf und die Notwendigkeit, zusätzlich zu den bestehenden Systemen, wie den berufsständischen Versorgungswerken und der Künstlersozialversicherung weitere Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung zu integrieren."

In der Künstlersozialversicherung waren im Jahr 2019 insgesamt 193.592 Menschen versichert, 604 Versicherte weniger als im Jahr 2013. Insbesondere die Zahl der Journalisten in der Künstlersozialversicherung ist laut Studie stark zurückgegangen. Im vergangenen Jahr waren noch 18.192 Journalistinnen und Journalisten dort versichert, 4.855 weniger als 2013.

Die Studie "Frauen und Männer im Kulturmarkt. Bericht zur sozialen und wirtschaftlichen Lage" bezieht sich auf die Statistik der Künstlersozialkasse. Mitglieder der Künstlersozialversicherung - dazu gehören unter anderen Schauspieler, Musiker, Designer und freie Journalisten - müssen mindestens 51 Prozent ihres Einkommens aus freiberuflicher, künstlerischer oder publizistischer Arbeit beziehen und aus dieser Arbeit mindestens 3.900 Euro im Jahr verdienen. Gefördert wurde die Untersuchung aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

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