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Kretschmann: Kreuz-Pflicht Ausdruck eines hilflosen Konservatismus

8. Mai 2018

Die Debatte um die Kreuz-Pflicht in Bayern geht weiter. Während Winfried Kretschmann und Vertreter der Kirchen den Vorstoß kritisieren, verteidigen ihn Unionspolitiker.

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Frankfurt a.M. (epd). Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht in der Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden den Ausdruck eines "hilfslosen, ja eines heillosen Konservativismus". Bei dem "skurrilen" Foto des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) mit einem Kruzifix in der Hand vor einer weißen Wand "musste ich an Vampir-Filme denken", sagte Kretschmann der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag). Auch Vertreter der beiden großen Kirchen äußerten sich kritisch. Unionspolitiker verteidigten hingegen die Kreuz-Pflicht.

Kretschmann: Staat kann Glauben nicht erzwingen

Kretschmann sagte, das Foto Söders sei ihm vorgekommen, "als wolle da jemand mit dem fast drohend erhobenen Kruzifix irgendeine Gefahr abwehren." Für den gläubigen Katholiken Kretschmann sind Kreuze "Symbole des Glaubens". Er bedauere, dass dieser "langsam verdunstet. Aber ich kann ihn nicht von Staats wegen erzwingen", sagte der Ministerpräsident.

Auch der pfälzische evangelische Kirchenpräsident Christian Schad und der katholische Mainzer Bischof Peter Kohlgraf kritisierten die Kreuz-Pflicht bei einem Ökumenegespräch in Ludwigshafen. Eine "Instrumentalisierung des Kreuzes für politische Zwecke" sei abzulehnen, besonders, wenn es zur Ab- und Ausgrenzung anderer Religionen eingesetzt werde. Um Werte sichtbar zu machen, bedürfe es weniger der Präsenz von Symbolen als des Einsatzes von Menschen, die die Werte lebten, sagte Kohlgraf. Schad erinnerte daran, dass das Kreuz das zentrale Zeichen des christlichen Glaubens sei.

CSU-Generalsekretär Blume: Kreuz ist eine verbindende Klammer

Unterdessen verteidigten Unionspolitiker die Kreuzpflicht gegen Kritik. CSU-Generalsekretär Markus Blume hält es für "völlig abwegig", den bayerischen Beschluss zur Kreuz-Pflicht in Behörden als spaltend zu kritisieren. "Mich hat geradezu erschüttert, dass in dieser Debatte das Kreuz als Zeichen der Ausgrenzung oder als Symbol der nationalen Vereinnahmung gewertet wurde", sagte Blume dem Evangelischen Pressedienst (epd) in München. Werte wie Toleranz und Nächstenliebe würden in einem christlich geprägten Land durch das Kreuz als verbindende Klammer des gemeinsamen Zusammenlebens verkörpert. Ein Staat brauche solche ethisch-moralische Bindungen, er könne kein Interesse daran haben, "dass verbindende Werte zur Privatsache erklärt werden", unterstrich der CSU-Generalsekretär.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) würdigte den bayerischen Beschluss zur Kreuz-Pflicht in Behörden. "Ich finde es gut, wenn zur Abwechslung mal Kreuze auf- statt abgehängt werden", sagte Spahn der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" (Mittwoch). Die Botschaft, für die das Kreuz stehe, sei eine Einladung an die Menschen. Spahn: "Selbst wenn ich Atheist wäre oder andersgläubig, fände ich es beruhigend, in einer Amtsstube auf ein Selbstverständnis zu treffen, das allen Menschen die gleiche Würde zuspricht." Er finde es "irritierend, wenn hohe Kirchenvertreter plötzlich Anstoß nehmen am Kreuz", fügte der Minister hinzu.

Im Eingangsbereich aller bayerischen Dienstgebäude soll ab 1. Juni ein Kreuz hängen. Ministerpräsident Söder sagte Ende April zu dem Beschluss des Landeskabinetts: "Das Kreuz ist grundlegendes Symbol unserer bayerischen Identität und Lebensart." Der CSU-Politiker brachte im Anschluss in der Staatskanzlei in München ein Kreuz an.

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Leser-Kommentare öffnen

Luise Scharfenstein, 8. Mai 2018, 9:11 Uhr


Ich sehe das Problem eher darin, dass die Leute nicht wissen, was sie glauben. Kretschmann sei gläubiger Katholik. Hm, kann man das in der heutigen Zeit sein? Man kann doch nicht so tun, als hätten Hans Küng und Eugen Drewermann nichts geschrieben. "Der Glaube verdunstet." Nein, das tut er nicht. Es ist eher Ausdruck einer falschen Unbekümmertheit nach dem Motto: lasst uns zum Alltagsgeschäft übergehen, Glaube steht an zweiter Stelle. Das darf aber nicht sein.

Zu Markus Söder: der Bajuware als solcher, in dieser Hinsicht dem Ostwestfalen ähnlich, glaubt, "Zeichen setzen" zu müssen. Nun werden wir es den Menschen mal so richtig zeigen: wir sind Christen! Auch dies ein unbewusst hilfloser Versuch, das Christliche zu erzwingen. Das geht nicht. Mir sagte ein pensionierter Lehrer im Zug: die furchtbare christliche Enge. Ich stimme Schallblech zu: diese Zeiten sollten hinter uns liegen. Schauen wir nach vorn.

Allerorts und allenthalben spürt man eine KONFRONTATION scheinbar gegensätzlicher Meinungen. Hier Söder - dort Kretschmann. Hier "hilflos konservativ" - dort "nicht entschieden". Hier"evangelikal" - dort "politisiert". Das ist der Christenheit nicht förderlich. Auch Eugen Drewermann ist ein Problem, weil er nicht für Kirche, der er nicht angehört, sprechen kann. Oder ist Kirche das Problem? Wir haben es mit unendlichen geistigen Konfrontationen, scheinbar unauflöslich, zu tun. Eugen Drewermann hat recht, wenn er der Religion einen hohen Stellenwert einräumt, weil die Menschen nach dem Sinn fragen. Und was ist nun mit den Kreuzen? Sie sind schlicht unwichtig!
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