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Konfliktforscher fordert mehr Früherkennung bei Gewalt an Schulen

24. Januar 2018

Nach der tödlichen Messerattacke an einer Schule in Lünen mahnt der Konfliktforscher Andreas Zick eine gründliche Ursachenforschung an. Eine gebildete Gesellschaft sollte nicht vorschnell urteilen und etwa die Herkunft eines Täters als Ursache ausmachen, sagte der Wissenschaftler am Mittwoch in Bielefeld dem epd.

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Bielefeld, Lünen (epd). Zunächst sei für die Opfer wichtig, dass sie Beachtung, ein gutes Netz, Ruhe und viel Zeit bekämen. Die Gesellschaft sollte sich fragen, ob der Schutz möglicher Opfer ausreiche. Schulen müssten der Frage nachgehen, ob mehr Schutz nötig sei. Im Bereich Schul-Amok und Mobbing habe sich bereits viel getan mit Blick auf Opferschutz und Nachsorge.

Es sei extrem selten, dass Minderjährige andere Minderjährige töten und der Täter so schnell gefasst werde, sagte der Wissenschaftler. Der Fall müsse zum Anlass genommen werden, um auf die Vorgeschichte zu schauen. So müsse gefragt werden, wie sich hoch aggressive Persönlichkeiten entwickelten und wie man diese früher erkennen könne. Solche Persönlichkeiten entstünden nicht in einem Vakuum, sagte der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Gewalt- und Konfliktforschung an der Universität Bielefeld.

Extreme Gewaltbereitschaft

Bei der Entwicklung von jungen Menschen spielten die Schule und Freundschaftsnetzwerke eine große Rolle, erklärte der Wissenschaftler. "Jetzt gilt es abzuschätzen, inwieweit beim Fall des Täters Schulversagen und -abbruch wesentlich waren." Neben Persönlichkeitsfaktoren hätten oft auch sogenannte kritische Lebensereignisse großen Anteil bei der Entwicklung einer extremen Gewaltbereitschaft. "Das kann Schulabbruch sein und eine Verfestigung des Selbstbildes als Versager." Bei einigen Tötungsdelikten spiele auch die geistige Entwicklung eine Rolle. Im Fall eines Mordes sollten die Fragen gestellt werden: "Haben wir Signale übersehen? Brauchen wir andere Instrumente der Früherkennung?"

Auch wenn es sich bei der Gewalttat von Lünen um einen seltenen Fall handele, müssten Aggressionen von Schülern und die Belastung von Schulen mit sozialen und psychischen Problemen ernster genommen werden, mahnte Zick. "In einer auf Wettbewerb getrimmten Gesellschaft werden soziale Fragen, die in die Schule getragen werden, und dazu gehört auch Gewalt und Aggression, an den Rand gedrängt", kritisierte der Wissenschaftler. Zu einer besseren Schule gehörten nicht nur eine neue Wandfarbe und mehr Lehrer, sondern auch Kindeswohl, Lehrerwohl und die Möglichkeit für Schüler, wertvolle Mitglieder in der Gesellschaft zu werden, unterstrich der Konfliktforscher. Es lohne sich, mehr in Schulen zu investieren.

"Aggressiv und unbeschulbar"

Am Dienstagmorgen hatte ein 15-Jähriger an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen einen 14-jährigen Mitschüler mit einem Messer in den Hals gestochen und getötet. Der polizeibekannte Tatverdächtige galt nach Polizeiangaben als aggressiv und unbeschulbar. Er habe deshalb zwischenzeitlich eine andere Schule besucht, nun aber wieder auf die Lüner Schule wechseln sollen. Der Jugendliche sollte am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden.

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Leser-Kommentare öffnen

Paperback, 24. Januar 2018, 15:43 Uhr


Der Forderung des Herrn Zick kann ich nur zustimmen. Nach meiner eigenen Erfahrung aber, die ich über fast dreieinhalb Jahrzehnte als Pädagoge machen musste, steht dieser Forderung aber oft das eigene Image einer Schule entgegen.
Die Schulen stehen heutzutage mehr denn je im Wettbewerb um ihre Schüler. Jede Schulleitung ist daher darauf bedacht, das Image der Schule nicht zu verdunkeln. Und dennoch gibt es Probleme zuhauf. Werden sie wahrgenommen, dann reduziert man sie gerne auf einzelne Lehrer/innen oder aber auch auf einzelne Schüler.
Das Image der Schule soll auf jeden Fall nicht leiden. Ich bin selbst erheblich behindert und wurde von einem Schüler als Krüppel tituliert. Ein Migrant aus dem russischen Sprachraum beschoss mich mit einer Stahlkugel, während ich vor der Tafel stand. Die Kugel schlug nur wenige Zentimeter auf Kopfhöhe in die Tafel ein.
Der Täter, ein Migrant, kam ungeschoren davon, während ich als Klassenlehrer abgelöst wurde. Mein Verschulden: Ich hatte mich in jener Zeit zu meiner Liebe zu einem Mann bekannt.
Das nahmen russland-deutsche Eltern zum Anlass, gegen mich zu Felde zu ziehen. Diesen Kampf konnte ich nicht gewinnen und wäre auch psychisch fast daran zerbrochen.

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