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Vom Taifun Haiyan zerstörtes Fischerdorf auf den Philippinen Foto: epd-Bild
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Klimawandel als Bedrohung von Menschenrechten

11. Januar 2019

Heftiger und häufiger fegen Stürme über die Philippinen. Was Forscher als Folge des Klimawandels ansehen, spüren die Menschen am eigenen Leib. Und fragen nach den Verursachern.

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Vom Taifun Haiyan zerstörtes Fischerdorf auf den Philippinen Foto: epd-Bild

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Frankfurt a.M., Manila (epd). Es war ein Bild der Verwüstung und des Todes: Der Taifun Haiyan, der die Zentralphilippinen im November 2013 traf, kostete mindestens 6.300 Menschen das Leben, vier Millionen Bewohner wurden obdachlos. Haiyan, auf den Philippinen Yolanda genannt, gilt als einer der stärksten Tropenstürme seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Das Ausmaß jener Katastrophe haben die Überlebenden immer noch vor Augen. Zu ihnen gehört Marielle Bacason, geboren und aufgewachsen in der damals mit am schwersten getroffenen Stadt Tacloban. Noch heute spricht die 27-Jährige von einer "apokalyptischen Szenerie": "Überall waren Trümmer, Leichen und verendete Tiere, viele Überlebende versuchten verzweifelt, Tacloban zu verlassen."   

Die Armen besonders getroffen

Wie viele ihrer Landsleute will auch Bacason, die später nach London zog, nicht mehr den Preis für die Folgen globaler Erwärmung zahlen. Ihr Trauma hat sie vor der philippinischen Menschenrechtskommission geschildert. Bei Anhörungen in Manila, London und New York untersuchte die Kommission die Mitverantwortung der 47 größten Produzenten und Förderer fossiler Brennstoffe für den Klimawandel. Grundlage war eine 2015 von Taifun-Überlebenden, Umweltschützern, Fischern und Menschenrechtlern initiierte Petition.  

Die Grundrechte der Bewohner, insbesondere der Armen, würden durch den Klimawandel negativ beeinträchtigt, betonen die Kritiker. Die weltweit größten Öl-, Gas- und Kohlekonzerne hätten wissentlich zu dem Problem beigetragen und täten dies auch weiterhin. Genannt werden unter anderem BP, Chevron, ExxonMobil, Shell und Total. Dabei geht es nicht allein um die Folgen des Klimawandels für die Philippinen. Das Inselreich wird im Schnitt von etwa 20 Tropenstürmen jährlich heimgesucht und zählt damit zu den weltweit am meisten von Wetterextremen betroffenen Ländern.  

"Verantwortliche haben nichts oder zu wenig getan"

"Klimawandel ist eine Menschenrechtsfrage", erklärte der Generalsekretär von Amnesty International, Kumi Naidoo. Da es sich um ein von Menschen verursachtes Phänomen handele, könne es gemildert werden: "Wenn die Menschen auf den Philippinen und der ganzen Welt aufgrund des Klimawandels weiterhin unerträgliche Verluste erleiden, liegt dies daran, dass diejenigen, die die Pflicht und Verantwortung haben, zu handeln, nichts oder viel zu wenig getan haben."  

Desiree Llanos Dee sieht das genauso: "Es geht darum zu betonen, wie Menschen, die am wenigsten zu dem Problem beigetragen haben, am meisten darunter leiden", sagt die Kämpferin für Klimagerechtigkeit bei der philippinischen Sektion von Greenpeace Südostasien. Für die großen Verschmutzer sei es an der Zeit, die Gesichter und Stimmen derjenigen zu sehen und zu hören, die die Konsequenzen erdulden müssten.  

Die Zeit drängt

Indes hätten die Ölkonzerne die Zuständigkeit der philippinischen Menschenrechtskommission angezweifelt, erklärte sie nach Abschluss der Anhörungen am 13. Dezember. Zwar räumte das Gremium ein, es könne "keine Vollstreckungsgerichtsbarkeit oder Zwangsverfahren gegen die Parteien" vorbringen. Trotzdem habe man "die Pflicht, die ihr vorgetragene Sache zu prüfen." Man habe niemanden zwingen können, vor der Kommission auszusagen, erklärte der Vorsitzende Roberto Cadiz. So setzt das Gremium, dessen Untersuchung als Meilenstein gilt, stattdessen auf einen "Dialog" über mögliche Lösungen.  

Die Zeit drängt. Bei der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz Mitte Dezember hatten sich über 190 Staaten auf ein Regelbuch zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 verständigt. Doch mit bereits entstandenen Verlusten würden Bewohner in den betroffenen Ländern alleingelassen, monieren Kritiker. Entwickelte Staaten drückten sich vor Verantwortung: "Wie viele Menschenleben müssen im Süden noch verloren gehen, bevor man handelt?", fragte Aaron Pedrosa, Leiter von Bulig Pilipinas, eines nach Haiyan initiierten Netzwerks für Hilfe und Wiederaufbau.  

In ihren Appellen denkt Bacason auch an die jüngere Generation, wenn sie sich an die großen Konzerne wendet: "Alles, was ich von ihnen fordere, ist, die langfristigen Auswirkungen ihrer Aktivitäten zu berücksichtigen."   

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