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Gitarrenbauer Armin Hanika in seinem Betrieb in Erlangen. Foto: epd-Bild
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Klangfänger aus dem Wald nebenan

28. Februar 2020

Tropisches Holz klingt am besten: Davon sind die Instrumentenbauer immer überzeugt gewesen. Doch nun suchen viele nach nachhaltigen Alternativen, der Artenschutz zwingt zum Umdenken. Ein fränkischer Gitarrenbauer macht es vor.

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Gitarrenbauer Armin Hanika in seinem Betrieb in Erlangen. Foto: epd-Bild

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Baiersdorf (epd). Kann man als Gitarrenbauer das Klima retten? "Sicher nicht", lacht Armin Hanika. "Aber man kann einen Beitrag dazu leisten", erklärt der Zupfinstrumentenbauer aus Baiersdorf bei Erlangen. In dem Familienbetrieb wurden seit den späten 40er Jahren zunächst Geigen gebaut, seit den frühen 50ern sind es hochwertige Gitarren. Seit zwei Jahren verwendet Hanika für einige Modelle keine Tropenhölzer mehr, sondern Kirsche, Ulme, Elsbeere oder Ahorn, die im heimischen Wald wachsen.

Dazu wird ein sogenanntes Thermomodifizierungsverfahren angewendet, das in gemeinsamer Forschungsarbeit mit der Technischen Universität in Dresden entstand: Das Holz wird auf spezielle Art erwärmt. Gitarrenhersteller suchen derzeit nach "nachhaltigen" Alternativen zu Tropenhölzern, weil die Verarbeitung von tropischen Edelhölzern wie Palisander verboten wurde.

Entgegen der Tradition

Armin Hanika aber ist niemand, der auf einen Trend aufspringt. Der Gedanke, entgegen der Tradition eine akustische Gitarre eben nicht aus dem Holz eines Regenwald-Baumes zu bauen, sondern aus einem, der um die Ecke wächst, schwebt ihm schon lange vor.

Seit 1980 ist er in den väterlichen Betrieb hineingewachsenen. Bereits 1990 hatte es aus dem Hause Hanika eine "Öko-Gitarre" aus Kirschholz und Mooreiche gegeben, die sich jedoch nicht durchsetzen konnte. "Trotzdem ließ mich der Gedanke nie los, dass für unsere Gitarren Bäume in Dritte-Welt-Ländern abgeholzt werden und über endlose Transportwege in unsere Werkstatt kommen", sagt der Chef über 22 Mitarbeiter.

Vor wenigen Jahren kam dann der Kontakt zum Netzwerk "Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand" zustande, das nach einem Instrumentenbauer suchte. Es war das passende Umfeld, um bald in Kontakt zur TU Dresden zu treten. Die Idee: heimische Hölzer durch Wärmebehandlung so zu bearbeiten, dass sie sich für den Gitarrenbau nicht nur eignen, sondern diesen sogar qualitativ vorantreiben.

Drei Preisklassen

"Die Zusammenarbeit beruht auf Gegenseitigkeit. Ich investiere Zeit und Geld in das Ausprobieren verschiedener Hölzer für die Gitarrenteile, die Universität hat den Forschungsaufwand und kann daraus Ergebnisse vorweisen", beschreibt Hanika diese "Win-Win-Situation". Entgegen dem Klischee, "Klimaschutz muss man sich auch leisten können", kosten die Öko-Gitarren nicht mehr als die anderen Modelle. Hanika-Gitarren gibt es in drei Preisklassen zwischen rund 800 und 10.000 Euro. Die Kunden sind Konzert- oder Flamenco-Gitarristen, meist Profis, darunter Liedermacher Reinhard Mey.

Hanika erklärt anhand des Modells 56 AFN, einer Gitarre des mittleren Preissegments, wie viel Heimat darin steckt: die Decke ist aus thermo-modifizierter Fichte, Boden und Zargen aus Ahorn, der Hals aus Kirsche, die dunklen Streifen der Verstärkung aus Elsbeere, Griffbrett und Steg aus Pflaume. Alle Teile wurden in unterschiedlichen Wärmestufen behandelt. "Wir sind noch lange nicht am Ende, probieren vieles aus", erklärt Hanika.

Ebenholz stirbt aus

Und es sei auch noch viel Überzeugungsarbeit bei eingefleischten Gitarristen zu leisten: Ursprünglich stammen Konzertgitarren aus dem spanischen Raum, wo sich einst die Meinung etabliert hat, dass gute Gitarren aus dunklen Tropenhölzern gebaut werden. Warum dieses Holz gut geeignet ist, sei mittlerweile erforscht - da spielten etwa die Faserung, die Festigkeit oder der Trocknungsgrad eine Rolle, die nun eben auch Teil der Forschung an heimischen Hölzern sind.

Das für den Gitarrenbau beliebte Ebenholz aus Sri Lanka beispielsweise, das schon Stradivari für seine Geigen zu schätzen wusste, stirbt aus. Der Handel mit qualitativ ähnlichem Holz aus Madagaskar unterliegt strengen Auflagen. "Und Rio-Palisander, das liebste Holz aller Gitarrenbauer, steht seit 1992 unter strengstem Artenschutz. Handel und Verarbeitung sind verboten", erklärt Matthias Kleiß, einer der beiden Inhaber des Nürnberger Ladens BTM-Guitars.

Rationales Handwerk

Ältere Instrumente dürfen nur mit besonderem Zertifikat verkauft werden. Seit dem 2. Januar 2017 fallen alle Palisanderarten unter das Washingtoner Artenschutzabkommen - mehr als 300 verschiedene Palisandervarianten aus aller Welt.

Klangliche Vorteile von Gitarren aus heimischen Hölzern gegenüber "herkömmlichen" sieht der Händler nicht. "Es geht wohl eher darum, möglichen Nachteilen aus dem Weg zu gehen", sagt er. Und Hanika ergänzt: "Ich möchte dem Musiker nach etwas Nachdenken eine echte Entscheidungsalternative bieten." Gitarrenbauen, das sei zwar in erster Linie rationales Handwerk. Doch: "Wenn meine Instrumente in den Händen anerkannter Musiker dann klingen, das geht über das Erfassbare hinaus und inspiriert mich tief."

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 28. Februar 2020, 11:11 Uhr


Mit Musik etwas fürs Klima tun - das gefällt mir! :-)
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