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Einer von vielen illegalen Brunnen in der Gemarkung vor Doñana in Spanien Foto: epd-Bild
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Kampf um die letzten Tropfen

12. Juli 2019

Auch in Spanien dauern die Sommer länger, häufen sich die Trockenperioden. Gleichzeitig sind der Durst von Landwirtschaft und Tourismus ungebremst. In Andalusien fürchten Umweltschützer um den Nationalpark Doñana.

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Einer von vielen illegalen Brunnen in der Gemarkung vor Doñana in Spanien Foto: epd-Bild

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Huelva (epd). Der Nationalpark Doñana an der südspanischen Atlantikküste ist ein 50.000 Hektar großes Paradies: Wasservögel lassen sich in der Lagune Santa Olalla nieder, Flamingos stochern mit ihren dünnen Beinen und langen Schnäbeln nach Krebsen. In der Ferne wachsen knorrige Kiefern vor enormen Wanderdünen. Es ist Spaniens wichtigstes Feuchtgebiet, Heimat seltener Tierarten, Rastplatz für Zugvögel. Doch Touristen und Landwirte machen diesem Paradies seinen kostbarsten Schatz streitig: das Wasser.

Noch zeigt die Messlatte in der Lagune einen Wasserstand von zwei Metern an, doch der Pegel schwankt stark mit den Jahreszeiten, sagt Miguel Angel Bravo. Der 54-jährige Biologe forscht am Stützpunkt des Spanischen Wissenschaftsrats (CSIC) in Doñana. Im vergangenen Jahr hat es in Spanien viel geregnet, für dieses Jahr befürchten die Meteorologen wieder eine Dürre. Die Auswirkungen des Klimawandels mit steigenden Temperaturen und längeren Trockenperioden seien zu spüren, erklärt der Biologe.

Pumpen förden Grundwasser für Touristen

Doch noch viel gravierender wirke sich die nahe gelegene Feriensiedlung Matalascañas aus. Hier leben im Sommer 100.000 Menschen statt der gemeldeten 3.000. Die Pumpen fördern in nur kurzer Entfernung zum Naturpark Grundwasser. Wenn die Saison beginnt, sinkt der Wasserstand in den Lagunen.

Mit dem Geländewagen fährt Bravo ein wenig weiter in den Park hinein. Wildlebende Pferde galoppieren in einen Kiefernwald, eine Wildschweinfamilie kreuzt den Weg. "Dieses Gestrüpp dort sind Zistrosen", sagt er und deutet auf eine Lichtung. Zistrosen wüchsen sonst auf Dünen, erklärt er. "Wir stehen hier vor einer Lagune, die schon seit 15 Jahren kein Oberflächenwasser hat. Und inzwischen gedeiht hier eine Vegetation, die gar keine Feuchtigkeit im Boden benötigt."

Von Bächen nichts mehr zu sehen

Nicht nur die Urlauber graben Doñana das Wasser ab. Der Wasserverbrauch pro Kopf liegt in Spanien mit 50.000 Liter im Jahr zwar ungefähr so hoch wie in Deutschland (46.000). Doch die spanische Landwirtschaft benötigt fast acht Mal so viel Wasser wie alle Spanier in ihrem Alltag zusammen. Plantagen für Erd- und Brombeeren finden sich schon in den Kiefernwäldern vor dem Naturpark.

Hier, in der Gemarkung El Condado, setzt sich Felipe Fuentesaz von der Umweltstiftung WWF für die Stilllegung illegaler Brunnen ein. Es gebe rund 11.000 Gewächshäuser rund um Doñana, 2.000 davon seien völlig illegal, bei 4.000 sei die Rechtslage unklar, erklärt der Agraringenieur.

Auf der Landkarte, die der Umweltschützer bei der Fahrt durch das Gebiet mit sich führt, sind viele dünne blaue Linien eingezeichnet - Bachläufe, die wie dünne Adern das Waldgebiet durchziehen. Doch in Wirklichkeit ist von Bächen nichts mehr zu sehen. "Dies hier ist der Don-Gil-Bach", zeigt Fuentesaz aus dem Fenster des Autos. "Völlig trocken. Ohne Wasser. Er ist eigentlich ein Zufluss für Doñana."

Agenten suchen illegale Brunnen

Die spanischen Behörden seien nicht untätig, betont Fuentesaz. Die andalusische Regionalverwaltung hat 2014 einen neuen Flächennutzungsplan beschlossen, in dem auch festgelegt ist, wo es keine Brunnen geben darf. Die Wasserbehörde beschäftigt Agenten, die nach illegalen Brunnen suchen oder bei legalen Brunnen aufpassen, dass festgelegte Fördermengen nicht überschritten werden. Doch stilllegen dürfen sie die Brunnen nur mit richterlicher Genehmigung.

"Eine solche Anordnung kann Jahre dauern", erklärt Wasseragent Javier. Er läuft durchs Unterholz im Kiefernwald von El Condado und bleibt vor einem rund 30 Zentimeter breiten, grauen PVC-Rohr stehen, das aus dem Boden ragt. Ein Schlauch leitet das abgeführte Wasser zu einem Sammelbecken, von dort wird es zur Plantage gepumpt. Manche der "Fincas" seien Hunderte Meter von den Brunnen entfernt, erklärt Javier.

Wütende Proteste der Landwirte

Ende Juni sollten auf richterliche Anordnung die ersten von 77 Brunnen in der "roten Zone" versiegelt werden. In diesem Gebiet nahe des Nationalparks darf weder eine Plantage angelegt noch Wasser gefördert werden. Doch wütende Proteste der Landwirte verhinderten die Versiegelung.

Das gesellschaftliche Klima rund um Thema Wasser ist rauer geworden, darum will Javier auch seinen Nachnamen nicht nennen. Ohne Polizeischutz fahren die Agenten nicht mehr ins Gebiet. Die Wasserbehörde muss die Anordnung der Richter trotz der Proteste durchsetzen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat schon ein Verfahren gegen Spanien wegen Verletzung der europäischen Wasserrichtlinie angestrengt. Das Verfahren geht auf eine Anzeige des WWF vom Jahr 2010 zurück.

Arbeitslosenquote beträgt über 20 Prozent

Die Landwirte hingegen meinen, sie verteidigen nur ihre Lebensgrundlage. Die Arbeitslosenquote in der Region beträgt über 20 Prozent.

Manuel Piedra steht dem Kleinbauernverband vor. Seine Erdbeerplantage in Palos de la Fronteras ist legal, er bekommt das Wasser aus einem nahe gelegenen Stausee. Man könne den Landwirten nicht an allem die Schuld geben, sagt er. Die Region brauche ein Gleichgewicht aus Landwirtschaft, Hotels und Umweltschutz. Für seine eigene Erdbeerplantage hat er in ein hochmodernes, wassersparendes Bewässerungssystem investiert - eine Maßnahme, die die Europäische Union unterstützt.

Der Biologe Miguel Angel Bravo will kein Pessimist sein. Es sieht auch Fortschritte für die Umwelt. Der einst vom Aussterben bedrohte iberische Luchs konnte sich von Doñana wieder über die iberische Halbinsel ausbreiten. Das gebe Hoffnung für die Zukunft: "Es wäre schön, wenn die nächste Generation immer noch einen Ort vorfindet, der sie ebenso fasziniert, wie er mich fasziniert hat."

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