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Käßmann: In Corona-Krise einzelne Kirchen zum Gebet offenhalten

27. März 2020

Die Theologin Margot Käßmann plädiert dafür, in der Corona-Krise einige zentrale Kirchen zeitweise zum persönlichen Gebet zu öffnen.

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Hannover (epd). Allerdings müssten in den Kirchen sowohl die Abstandsregeln als auch die notwendigen Hygiene-Vorschriften eingehalten werden, sagte Käßmann am Freitag in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wenn das in einem Lebensmittelladen geht, warum soll es nicht auch in einer Kirche möglich sein?" In Krisenzeiten eine Kirche aufzusuchen, könne vielen Menschen Trost geben. Das sei auch ein Stück Seelsorge.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus sind zurzeit die meisten evangelischen Kirchengebäude geschlossen. Viele katholische Kirchen sind dagegen weiterhin zum stillen Gebet geöffnet.

Käßmann begrüßte es, dass alle Versammlungen in den Kirchen zurzeit auf Eis gelegt seien. Wegen der Ansteckungsgefahr sei das viel zu gefährlich, sagte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie schlug stattdessen vor, dass Menschen einzeln eine Kirche betreten und sich in großem Abstand zu anderen in eine Bank setzen könnten. Die Zahl der Besucher könne auf zwei bis fünf begrenzt werden. "Dann hältst du dich kurz auf, sprichst ein Gebet und gehst wieder hinaus." Auch Orgelmusik oder das Anzünden einer Kerze seien denkbar. Die Menschen hätten begriffen, dass in Corona-Zeiten feste Regeln eingehalten werden müssten.

In Städten sollten zwei zentrale Kirchen geöffnet sein

Käßmann regte an, dass in Städten etwa zwei zentrale Kirche zu begrenzten Zeiten geöffnet sein könnten und in Dörfern vielleicht die Kirche nur am Sonntag für zwei Stunden. "Mir persönlich fehlt der Trost eines Ortes, der ein durchbeteter Raum ist, in dem ich weiß und spüre und erlebe, dass hier schon seit Jahrhunderten Leid und Kummer vor Gott gebracht werden", sagte die Theologin.

Letztlich müsse eine solche Entscheidung sehr sorgfältig vom Pastor oder der Pastorin gemeinsam mit dem Kirchenvorstand abgewogen werden. "Niemand kann dazu gedrängt werden", betonte Käßmann. Sie habe auch Verständnis dafür, wenn eine Gemeinde ihre Kirche lieber geschlossen halten möchte, um kein Risiko einzugehen oder weil nicht genügend Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen.

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Leser-Kommentare öffnen

Matthäus53, 29. März 2020, 1:07 Uhr


Warum muß erst eine pensionierte evangelische Pastorin, Bischöfin und ehem. Ev. Ratsvorsitzende, das Entscheidende für die Ev. Kirche aussprechen, daß auch Kirchen mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen endlich wieder offen gehalten werden müßten !
Die Schließung und die Untersagung des Abhaltens von Gottesdiensten war sogar meines Erachtens ein schwerer Eingriff in den Art. 4 unseres Grundgesetzes wobei die Kirchenoberen bestimmt nicht um Zustimmung gefragt wurden. Die größte deutsche, christlich - soziale Fürsorgeeinrichtung, unsere Kirche, deren Kultur- und Glaubensschiene gerne nach außen hin gut dargestellt wird, wurde einfach durch Minister -oder Landräte Erlasse ausgeschaltet, ohne nach anderen Möglichkeiten zu suchen.
Die Kirchen wurden per Federstrich mit Kneipen, Bars, Massage- und Friseur Salons oder Mode- Shops gleichgesetzt !
Wenn deutsche Pfarrer in der Coronakrise, natürlich mit den nötigen Schutzabständen und anderen Hygiene -Möglichkeiten (Mundschutz, Glastrennwand usw.) ein Gottesdienstverbot gegenüber Rat suchenden Gläubigen auferlegt bekommen, ist es einmalig in der KIrchengeschichte und so etwas hat es auch nicht im II. Weltkrieg gegeben. Auch die modernen Bundeswehr Militärseelsorger gehen zu ihren "Soldaten-Schäfchen" in die Krisenregionen. Was würde wohl die berühmte Schwester Mutter Theresa zu solcher Seelsorge- Krisen-Situation sagen, oder viele der Missionare, die in Urwäldern oder in Großstadt Slums ihre Schäfchen suchten ?
Was in zig tausenden Lebensmittelmärkten, Tankstellen, Banken und Bäckereien mit 1,5m Abständen und hinter Plexi -Glasscheiben möglich ist , muß endlich auch wieder in unseren über 43.000 Kirchen möglich sein. Sonst macht der Osterhase dieses Jahr allein das große Geschäft.
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Alwite, 29. März 2020, 9:24 Uhr


Wie oft verharrte ich leztlich vor einer geschossenen Kirchentür, weil ich das Bedürfnis hatte, die "feste Burg" , die unzählige Gebete und Gedanken Gleichgesinnter beherbergt, zu betreten.
Als erprobt-erfahrene Theologin weiß Frau Käßmann um meine und ähnliche Nöte. Selbst wenn wir gelegentlich vom Thema und in Wiedersprüche abdriften, wird sich auch hier gar bald ein Kompromiss ergeben, da bin ich zuversichtlich.

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Erika Moers, 29. März 2020, 13:37 Uhr


So schmerzlich es auch ist, unsere „Offenen Kirchen“ nun verschlossen zu finden - es ist doch eine einstweilen notwendige Schutzmaßnahme.
Sollten wir nicht auch daheim unseren Herrn anrufen können?
Und besonders zu Zeiten des abendlichen Glockengeläutes und unserer entzündeten Kerze - zusammen mit einer vielleicht sogar großen Gemeinde unsere Gebete sprechen?
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Alwite, 29. März 2020, 18:47 Uhr


Danke, liebe Erika Moers, beim abendlichen Glockenläuten zum gemeinsamen Gebet finden, ist ein tröstender Gedanke.
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Schallblech, 29. März 2020, 18:54 Uhr


Ich steuere den Abendchoral bei :-)
Jeden Abend um 19.00 Uhr, im Hintergrund ganz zart und entfernt das Glockenläuten der Dorfkirche, spiele ich einen Choral, eine Strophe zum Garten hin und eine zur Straße. Heute mit vielen anderen "Von guten Mächten", aber EG 65, nicht wie die Mehrheit 65.2
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ellybe, 30. März 2020, 8:40 Uhr


Es gibt kein staatliches Verbot, die Kirchen offen zu halten. Die Schließungen, soweit sie vorgenommen werden, beruhen (soweit ich weiß) auf einer freien Entscheidung der Kirchenkreise bzw. Gemeinden. Diese Schließungen sind allerdings nicht allgemein und umfassend, sondern nur da, wo nicht genügend ehrenamtliche Gemeindeglieder zur Verfügung stehen, um in den jeweiligen zu bestimmten Zeiten geöffneten Kirchen die Aufsicht zu führen und dafür zu sorgen, dass die Besucher genügend Abstand voneinander halten, was in Kleinstkirchen u.U. nicht möglich ist.
Weiterhin geöffnete Kirchen, einschließlich der sog. "Offenen Kirchen", gibt es von Anfang an (also auch ohne den Aufruf von Frau Käßmann), und zwar nicht nur in zentralen (Innenstadt-)Kirchen, sondern auch in den Vororten (von größeren Städten). Dort kann man sich zum Einzel-Gebet versammeln, sowohl in der Woche wie am Sonntag. Die entsprechenden Zeiten werden in der Tagespresse veröffentlicht.
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