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Kunst-Aktion des "Zentrums für politische Schönheit" in Berlin. Foto: epd-Bild
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Kritik an Kunstaktion vor Reichstagsgebäude

3. Dezember 2019

Die Aktivisten um das "Zentrum für politische Schönheit" agieren immer an der Grenze des Legalen und Ertragbaren. Auch ihre jüngste Aktion sorgt für Kritik, allerdings von unerwarteter Seite.

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Kunst-Aktion des "Zentrums für politische Schönheit" in Berlin. Foto: epd-Bild

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Berlin/Saarbrücken (epd). Die neue Aktion des "Zentrums für politische Schönheit" nahe dem Berliner Reichstagsgebäude mit angeblicher Asche und anderen Überresten ermordeter NS-Opfer stößt auf heftige Kritik. Aus jüdischer Sicht sei die Aktion problematisch, weil sie gegen das jüdische Religionsgesetz der Totenruhe verstößt, teilte der Zentralrat der Juden am Dienstag über Twitter mit: "Sollte es sich tatsächlich um Asche von Schoa-Opfern handeln, dann wurde die Totenruhe gestört."

Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer äußerte sich ebenfalls kritisch und nannte die Aktion "außerordentlich pietätlos und geschichtsvergessen". Der ehemalige Grünen-Politiker Volker Beck stellte nach eigenen Angaben Strafanzeige wegen Verletzung der Totenruhe.

Die Künstlergruppe "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) hatte am Montag in der Nähe von Bundestag und Kanzleramt eine temporäre Gedenkstätte für NS-Opfer errichtet. Mit der Aktion unter dem Titel "Suchet nach uns!" will die Gruppe vor einer Zusammenarbeit der Union mit der AfD warnen.

"Geschmacklos, taktlos und pietätlos"

Laut der Künstlergruppe wurden dafür mehr als 200 Bodenproben an 23 Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine, an denen Nazis Massenmorde begingen, zusammengetragen. Laboruntersuchungen hätten in mehr als 70 Prozent Hinweise auf menschliche Überreste gegeben.

Die Präsidentin der Israelischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, nannte die Aktion nicht nur "geschmacklos, taktlos und pietätlos", sondern auch "politisch völlig kontraproduktiv". Wer "unsere Demokratie gegen ihre Gegner verteidigen will, von dem kann erwartet werden, dass er ihren ersten und wichtigsten Grundsatz berücksichtigt: Die Würde des Menschen ist unantastbar", erklärte Knobloch.

Auch der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Uwe Becker, nannte die Aktion "völlig geschmacklos" und forderte ihren sofortigen Abbau. Das "Zentrum für politische Schönheit" ist für umstrittene Kunstaktionen bekannt. Im Herbst 2017 hatte die Gruppe mit dem Nachbau des Holocaust-Mahnmals auf einem Nachbargrundstück von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke auf sich aufmerksam gemacht.

Grabplatte des früheren Reichskanzlers von Papen entfernt

Am Dienstag teilte die Künstlergruppe weiter mit, die Grabplatte des früheren Reichskanzlers Franz von Papen (1879-1969) aus dem saarländischen Wallerfangen entfernt zu haben: "Franz von Papen ist auf dem Weg nach Berlin, um die historische Schuld des deutschen Konservatismus aufzuarbeiten", teilten die Aktivisten am Dienstag auf Facebook mit. Das saarländische Landespolizeipräsidium bestätigte dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass die Platte nicht mehr da ist. Ob sie entwendet worden sei, werde noch ermittelt, erklärte ein Sprecher.

Zur Begründung ihrer Aktion erklärten die Aktivisten, "Hitlers Ermächtiger" sei "verantwortlich für Millionen von Toten in ganz Europa". Bereits am Montag hatte der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, erklärt, Auschwitz-Überlebende seien bestürzt, dass mit der Aktion die ewige Totenruhe ihrer ermordeten Angehörigen verletzt werde: "Auch wenn sie die politische Absicht der Initiatoren verstehen und respektieren, halten sie diese Art der Demonstration für pietätlos."

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