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In Trump-Wählern steckt Wut Luthers

22. November 2016

Der Journalist Georg Diez will Martin Luther nicht auf die Schlagworte "gut" oder "böse" reduzieren. "Von Luther geht eine große Faszination aus, die einen anziehen und gleichzeitig verstören kann", sagt Diez in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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Frankfurt a.M./Cambridge (epd). In seinem kürzlich erschienenen Buch "Martin Luther, mein Vater und ich" spürt er dem nach, was wir heute, 500 Jahre nach der Reformation, von Luther lernen können.

epd: Sie beschreiben Luther als wütenden Mann, der die Gesellschaft erneuerte, aber auch viel Hass säte und die Welt spaltete. Auch heute sehen wir viel Erregung bei den Trump-Wählern, den Wutbürgern sowie unter AfD-Sympathisanten. Was haben diese Menschen und Luther gemeinsam?

Enorm wichtige Fragen

Georg Diez: Luthers Wut gleicht einer Abwehrschlacht gegen die Widersprüche der modernen Welt. In der Figur Luther steckt der Fanatismus, der die Trump- oder AfD-Wähler umtreibt. Diese Härte müssen wir versuchen, zu verstehen, nicht verdammen. Wir müssen uns mit den Reaktionären und deren Wut beschäftigen - auch wenn sie uns fremd zu sein scheint. Von Luther geht eine große Faszination aus, die einen anziehen und gleichzeitig verstören kann. Luther hat gezeigt, dass der Widerstandswillen ein großes Potenzial hat. Und er hat enorm wichtige Fragen gestellt: Wie wollen wir leben? Welche Verantwortung haben wir als Menschen? Sein Zorn erinnert uns an die Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen.

epd: Die Kirchen feiern mit vielen Veranstaltungen Luther und das 500. Reformationsjubiläum. Vermitteln die christlichen Glaubensgemeinschaften angemessen die aktuelle Bedeutung des Reformators?

Weniger gepredigt als ich

Georg Diez: Luther wird als Erneuerer der Kirche gefeiert, dabei wird nicht vergessen, auf seinen Judenhass hinzuweisen - aber das weiß man doch schon alles - damit gehen die Kirchen kein Risiko ein. Sie halten sich an der Figur Luthers fest und gehen nicht über sie hinaus. Damit verpassen die Kirchen, die grundlegenden Fragen zu stellen. Warum betätigt sich die Kirche nicht aggressiver und aktivistischer in der Frage, was Gerechtigkeit ist und wie wir sie erreichen? Oder das Beispiel Flüchtlingskrise im vergangenen Jahr: Die Kirche hat geholfen und gezeigt, was unter Nächstenliebe zu verstehen ist. Aber der radikalen Wende des Jahres hin zu Fremdenhass hat sie sich nicht genügend widersetzt. Sie hat sich nicht deutlich dagegen ausgesprochen - aus Angst, zu politisch zu sein.

epd: In Ihrem Buch geht es auch um Ihren bereits verstorbenen Vater, einen protestantischen Pfarrer. Er konnte Ihnen seinen Glauben und seine Bewunderung für Luther zeitlebens nicht näherbringen. Fühlen Sie sich ihm jetzt näher?

Georg Diez: Ich habe begriffen, dass meinen Vater und mich der Wunsch verbindet, anderen Menschen die eigene Sicht auf die Dinge zu erklären. Das verbindet den Prediger mit dem Kolumnisten. Und man könnte wohl sagen, dass mein Vater sogar weniger gepredigt hat als ich in meinen Meinungsbeiträgen. Die Predigt war für meinen Vater der Anfang eines Gesprächs. Während der Arbeit an meinem Buch habe ich verstanden, warum er die Kirche als Ort der Begegnung mochte.

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