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Heiße Luft mit hoher Schadstoffbelastung

13. August 2019

In Deutschland sterben jedes Jahr rund 124.000 Menschen wegen verschmutzter Luft. Insbesondere Kinder, Alte und chronisch Kranke bekommen Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Klimakrise wird die Zahl der Betroffenen noch erhöhen.

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Ein Kohlekraftwerk in Polen (Archiv) Foto: epd-Bild

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Frankfurt a.M. (epd). Die Klimakrise trägt durch Hitze und Trockenheit dazu bei, dass die gesundheitsschädliche Luftverschmutzung zunimmt. "Die Luft wird nicht nur wärmer, sondern auch belasteter", sagt Christian Witt, Mitglied der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit und Lungenfacharzt an der Berliner Charité. Besonders in Ballungszentren sinke die Luftqualität.

Durch die Sonneneinstrahlung werden chemische Reaktionen hervorgerufen, so dass der Gehalt an Luftschadstoffen wie Ozon und Stickoxiden steige, erläutert Witt. An sehr heißen Tagen könnten in vielen Städten die beispielsweise durch den Autoverkehr erzeugten Luftschadstoffe nicht abgeführt werden.

Ein wärmeres und feuchteres Klima werde außerdem die Ausbreitung von Schimmelpilzen begünstigen. Einige Schimmelsporen können Menschen schaden, wenn sie eingeatmet werden. "Atemwegsprobleme im Zusammenhang mit einer massiven Schimmelbelastung wurden erstmals nach der Flutkatastrophe in New Orleans 2005 beschrieben", erläutert die Berliner Lungenfachärztin Uta Liebers.

Co2, Stickoxid und Feinstaub

Klimawandel und Luftverschmutzung haben die gleiche Ursache, wie die Bielefelder Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin, Claudia Hornberg, sagt: den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid, Stickoxiden und Feinstäuben. Hornberg ist Vorsitzende des Sachverständigenrates für Umweltfragen, der die Bundesregierung berät.

Die meisten Emissionen verursachen in Deutschland der Straßenverkehr, die industrielle Produktion und die Landwirtschaft - mit entsprechenden Folgen für die Luftqualität. "Wenn extreme Hitzetage zu Waldbränden führen, dann erhöht sich damit auch die schädliche Feinstaubproduktion", so Hornberg.

Die Luftverschmutzung ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das größte umweltbedingte Risiko für die Gesundheit. Beim Menschen kann verunreinigte Luft zu Erkrankungen des Atemtrakts und des Herz-Kreislauf-Systems führen. Es besteht auch ein erhöhtes Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Ältere Menschen und Patienten mit chronischen Krankheiten wie Asthmatiker leiden besonders. Säuglinge und Kleinkinder könnten empfindlich auf giftige Substanzen aus der Luft reagieren, weil ihre Lunge noch nicht ausgereift ist.

650.000 Tote in der EU wegen Luftverschmutzung

Wegen verschmutzter Luft sterben jährlich etwa 650.000 Menschen in der Europäischen Union, 124.000 davon in Deutschland, wie der Bericht des European Academies' Science Adcisory Council belegt. Sebastian Vollmer von der Georg-August-Universität Göttingen, der an dem Bericht mitgearbeitet hat, sagt, die Hauptlast gesundheitlicher Folgen trügen derzeit Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Pro-Kopf-Einkommen. Aber auch in Deutschland liege die Schadstoffbelastung oberhalb der von der WHO empfohlenen Richtwerte.

"Wir müssen den Ausstoß von Emissionen stärker mit Kosten belegen", unterstreicht Vollmer. Viele Maßnahmen zur Luftreinhaltung führten zu positiven Nebeneffekten für die Gesundheit. So verringere die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs auch die Lärmbelastung - ein erheblicher Stressfaktor für die Menschen.

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