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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (Archivbild) Foto: epd-Bild
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Giffey und Rörig gründen Nationalen Rat gegen Missbrauch an Kindern

2. Dezember 2019

Knapp zehn Jahre nach Bekanntwerden der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche gibt es immer wieder neue Fälle sexueller Gewalt an Kindern. Die Bundesregierung hat einen Nationalen Rat einberufen, um Schutz und Hilfen dauerhaft zu verbessern.

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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (Archivbild) Foto: epd-Bild

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Berlin (epd). Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, haben einen Nationalen Rat zur Bekämpfung von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gegründet. Die ungebrochen hohen Fallzahlen und die Missbrauchsfälle von Staufen, Lügde und Bergisch-Gladbach zeigten, dass Tausende Minderjährige nicht ausreichend vor Missbrauch geschützt sind, sagte Rörig zum Start des neuen Gremiums mit prominenten Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Institutionen sowie Betroffenen am Montag in Berlin.

Bis 2021 soll der Rat Ziele und Umsetzungsschritte erarbeiten, um Schutz und Hilfen für Betroffene dauerhaft zu verbessern. Ziel des Nationalen Rates solle sein, sich gemeinsam als Verantwortungsgemeinschaft über die nächsten konkreten Schritte im Kampf gegen sexuellen Missbrauch zu verständigen, erklärte Giffey. "Alle Verantwortungsträger sollen hierzu in ihrer Zuständigkeit einen Beitrag leisten", sagte sie.

Auch Betroffene sind im Rat

Giffey und Rörig sind selbst Mitglieder des 41-köpfigen Rates. Ihm gehören Vertreter weiterer Bundesministerien, von Ländern und kommunalen Spitzenverbänden an. So gehört etwa der Präsident der Kultusministerkonferenz, Alexander Lorz (CDU), zu den Teilnehmern. Für die Kirchen haben der Beauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, und der Berliner Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Dutzmann, einen Sitz in dem Nationalen Rat.

Die frühere CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt ist Mitglied als Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Dazu kommen Vertreter aus der Justiz, von Sportverbänden, Wissenschaft und Kinderhilfsorganisationen. Auch Betroffene sind im Rat vertreten.

"Dieses Ausmaß darf nicht länger hingenommen werden"

Das Gremium soll über vier Themenbereiche beraten: "Schutz und Hilfe", "Kindgerechte Justiz", "Ausbeutung und Internationale Kooperation" sowie "Forschung und Wissenschaft". Rörig sagte, man müsse von ein bis zwei von Missbrauch betroffenen Kindern in jeder Schulklasse ausgehen: "Dieses Ausmaß darf nicht länger hingenommen werden." Er sagte, ihm lägen insbesondere eine Verständigung zu einer umfassenden Prävalenz- und Wirkungsforschung am Herzen sowie eine bundesweite Aufklärungs- und Sensibilisierungsinitiative, "in der Dimension der Anti-Aids-Kampagne".

Die Grünen-Politikerin Katja Dörner unterstützte die Forderung nach der Kampagne. "Wir dürfen die hohe Zahl an Missbrauchsfällen in Deutschland nicht länger akzeptieren", sagte sie. Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Nadine Schön forderte eine Kampagne, die deutlich mache, "dass sexuelle Gewalt zum Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland gehört".

Schön bezeichnete zugleich das Ziel des Rates, bis 2021 Ergebnisse vorzulegen, als "zu wenig ambitioniert". Viele Ideen lägen bereits auf dem Tisch, sagte sie. Erste Ergebnisse müssten schneller vorgelegt werden, forderte sie.

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