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Gewinner der Einheit

22. November 2019

Zipfelmütze, Spitzbart und Flauschhaare: Das DDR-Sandmännchen ist heute gesamtdeutscher Publikumsliebling. Seit 60 Jahren verstreut es abends Traumsand - und ist noch kein bisschen müde.

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Sandmännchen-Figur vor dem RBB-Fernsehzentrum in Berlin Foto: epd-Bild

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Berlin, Potsdam (epd). Es ist eine Kultfigur: Allabendlich kommt das Sandmännchen im Fernsehen zu den Kindern, bringt eine Gute-Nacht-Geschichte und natürlich den berühmten glitzernden Traumsand. Das Ritual begeistert immer neue Kindergenerationen, seit nunmehr 60 Jahren. Am 22. November 1959 war der kleine Mann mit den dunklen Knopfaugen zum ersten Mal im DDR-Fernsehen zu sehen, wenige Tage vor dem West-Sandmännchen.

Heute ist der Sandmann aus dem Osten zu einem gesamtdeutschen Publikumsliebling geworden. Täglich sehen ihn mehr als eine Million kleine und große Zuschauer in Kika, MDR und RBB.

Riesiger Fuhrpark

Einzigartig wie der Sandmann selbst ist sein Fuhrpark mit inzwischen mehr als 300 verschiedenen Fortbewegungsmitteln. Rund 200 davon wurden mit viel Liebe zum Detail von Harald Serowski (1929-2005) entworfen. Das Sandmännchen kommt im Unterseeboot oder mit dem fliegenden Teppich, lenkt Straßenbahnen, Fahrräder und Autos jeglicher Art, fährt Ski oder schwebt im Heißluftballon. Es flog sogar mit einem Raumschiff ins All und landete auf dem Mond.

Seine Beliebtheit bestätigen Zuschauerbriefe an den Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), der die Sendung federführend und in Kooperation mit MDR und NDR produziert: "Lieber Sandmann, ich hab dir eine Frau gemalt, damit du nicht mehr so alleine bist", schreibt ein Kind. Ein anderes fragt und sorgt sich: "Ob das Sandmännchen wohl ein Unterhemd trägt?"

"Die Kinder mögen vor allem seine beständig freundliche Art", sagt Anja Hagemeier, Leiterin der Abteilung Familie und Kinder beim RBB. Es sei verlässlich und auf seinen Reisen stets bei Kindern zu Gast - das begeistere.

Ein Ergebnis des Kalten Krieges

Spektakulär ist seine Entstehung vor 60 Jahren - in nur drei Wochen wurde die Figur des Sandmanns geschaffen. Als die DDR-Funktionäre von einem geplanten West-Sandmännchen erfuhren, musste schnell ein Sandmännchen für den Osten her. So gesehen ist die Figur ein Ergebnis des Kalten Krieges.

Das DDR-Fernsehen DFF beauftragte den Berliner Regisseur, Puppen- und Szenenbildner Gerhard Behrendt (1929-2006). Ein passendes Lied dazu soll Komponist Wolfgang Richter (1928-2004) gar an nur einem Abend geschrieben haben. Den Text habe er sich durchs Telefon diktieren lassen, heißt es. Sein Werk "Sandmann, lieber Sandmann" ist heute Ohrwurm der Sendung. Alles in allem sei es "der große Wurf" gewesen, sagt Experte und Autor mehrerer Sandmann-Bücher, Volker Petzold.

Behrendt war allerdings mit seinem ersten Entwurf nicht zufrieden. Er habe sich für das "hutzelige Männchen", das bei der Premiere noch zu Fuß daher kam, zunächst sogar geschämt, erzählt Petzold, "es sah ein bisschen aus wie ein Gartenzwerg". Der Puppenbildner habe dann noch einige Monate weitergearbeitet, bis die etwa 25 Zentimeter große Figur so aussah wie heute noch - damals alles in Handarbeit. Hinzu kamen Requisiten und Landschaften sowie weitere Kult-Figuren, etwa Fuchs und Elster oder Pittiplatsch.

Der erste Ost-Sandmann ging dann tatsächlich acht Tage früher auf Sendung als sein westdeutsches Pendant beim SFB. Das Ostprodukt setzte sich auch nach der deutschen Einheit durch. Als 1990 das Gerücht aufkam, dass die beliebte Sendung vom Bildschirm verschwinden sollte, hätten viele Zuschauer protestiert, sagt Petzold, der 1991 Vizechefredakteur beim DFF war.

In der DDR politisch engagiert

Der Schlüssel zum Erfolg liegt Petzold zufolge im Zusammenspiel von Puppe, Lied und wechselnden Fahrzeugen. Behrendt selbst beschrieb den Sandmann einmal so: "Er hat Kindliches als auch das Merkmal der Weisheit und Würde des Alters." In der DDR war der Sandmann einst auch politisch engagiert: Er fuhr zu sozialistischen Freunden in die Sowjetunion, nach Kuba und Vietnam, aber auch ins Pionierlager und zur Nationalen Volksarmee (NVA).

Zum runden Geburtstag sendet der RBB eine Sandmann-Dokumentation und eine lange Sandmann-Nacht. Und es gibt ein Lied: "Lieber Sandmann bleib", komponiert von Ex-Rosenstolz-Sänger Peter Plate, interpretiert von Sängerin Sotiria. Zudem können Fans im Filmmuseum Potsdam mit dem Sandmann auf Zeitreise gehen, in Dresden fokussiert eine Ausstellung die Beziehungen des Sandmanns zu Sachsen.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 22. November 2019, 18:19 Uhr


Wie vieles andere hätten wir übernehmen können das für immer verschwand. Dies kleine Stücklein Kultur hat sich nicht unterkriegen lassen. Pitti Platsch und Schnattchen überlebten. Meine Enkel und ich waren von ihnen stets begeistert nun werden auch die Urenkel sich an ihnen freuen dürfen.
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