hg
Bild vergrößern
Klaus Marschall zeigt seinen ersten Kasperl, eine Handpuppe noch ohne Fäden.
Buchtipp

Hans Möhler (Hg.)
Wie jeder die Welt verbessern kann
Mit kleinen Schritten für die Zukunft

zur Detailseite

Anzeige

Geburtstag mit Urmel, Lukas und Bill Bo

26. Februar 2018

Am 26. Februar 1948 gründete Walter Oehmichen die Augsburger Puppenkiste. Das Marionettentheater fasziniert bis heute, auch wenn seine Bekanntheit gesunken ist. Dafür gibt es die Puppen jetzt auch im Kino - Weihnachten kommt der dritte Film.

Bild vergrößern
Klaus Marschall zeigt seinen ersten Kasperl, eine Handpuppe noch ohne Fäden.

Anzeige

Augsburg (epd). Klaus Marschall tippt mit dem Zeigefinger auf einen Eintrag im Gästebuch des Puppentheatermuseums "Die Kiste". "Solche Sätze findet man hier ganz oft", sagt er und zeigt auf den Text einer älteren Dame. Sie sei als Kind schon begeistert gewesen von der Puppenkiste, schreibt die Frau: "Und als Oma geht es mir wieder genauso." 133 solcher Gästebücher haben die Besucher des 2001 gegründeten Augsburger Puppenmuseums bereits vollgeschrieben. Es sind Lobeshymnen in krakeliger Grundschulschrift aber auch freudige Erinnerungen von Erwachsenen - an Urmel aus dem Eis, Lukas den Lokomotivführer oder den Räuber Bill Bo und seine Bande.

"Der gestiefelte Kater" zur Premiere

"Wenn Erwachsene in die Augsburger Puppenkiste kommen, fühlen Sie sich gleich in ihre Kindheit zurückversetzt", sagt Marschall. Der 56-Jährige kennt dieses Gefühl. Denn der Enkel des Theatergründers Walter Oehmichen ist mit den Marionetten der Puppenkiste aufgewachsen. In einer Glasvitrine am Eingang des Museums liegt seine erste eigene Marionette: ein kleiner roter Clown mit Spielkreuz und sechs Fäden: "Den hat mir meine Mutter geschenkt, als ich sechs Jahre alt war." Es war der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft.

Als Marschall den Clown bekam, gab es das Marionettentheater schon zwei Jahrzehnte lang. Vor 70 Jahren, am 26. Februar 1948, hatte Walter Oehmichen zusammen mit seiner Frau Rose und den Töchtern Hannelore und Ulla die Augsburger Puppenkiste eröffnet. Premieren-Stück war "Der gestiefelte Kater". Als Spielort hatte die Stadt den Oehmichens ein ehemaliges Spital zur Verfügung gestellt.

Mehr als 400 Vorstellungen pro Jahr

In dem Bau aus dem 17. Jahrhundert ist die Puppenkiste noch heute untergebracht. Auf der Bühne im Erdgeschoss laufen jedes Jahr etwa 420 Vorstellungen. Der Spielplan enthält vor allem Märchenklassiker: Aladin und die Wunderlampe, Hänsel und Gretel oder die Bremer Stadtmusikanten. Die "Stars an Fäden", die in den 60er und 70er Jahren die jungen Zuseher begeisterten, sucht man dagegen bei den Aufführungen vergeblich: Urmel, Jim Knopf und die anderen TV-Größen waren stets nur im Fernsehen zu sehen - nie auf der Puppenbühne.

Dennoch sind sie bis heute wichtig für das Puppentheater. "Mit diesen Figuren haben wir Generationen von Kindern geprägt", sagt Marschall, der die Leitung der Puppenkiste 1992 von seinem Vater Hanns-Joachim übernommen hat: "Heute kommen die Zuseher von damals als Erwachsene hierher und bringen ihre eigenen Kinder und Enkel mit."

So kommt es, dass die Aufführungen in dem knapp 220 Besucher fassenden Theatersaal der Puppenkiste fast immer ausgebucht sind. Rund 100.000 Menschen kommen jährlich zu den Vorstellungen, die Platzauslastung liegt bei 95 Prozent.

Dies zeige, dass das Spiel mit den Holzfiguren trotz Fernsehen, Handy und Internet nichts von seiner Faszination verloren habe, meint Marschall. Gutes Figurentheater sei wie ein gutes Buch, es rege die Fantasie an: "Die Zuschauer müssen sich auf die Geschichte einlassen. Dann beginnen die Figuren darin zu leben." Welche emotionale Tiefe und Nachhaltigkeit dieses Erleben haben könne, merke er dann, "wenn mir ein 50-jähriger Besucher mit leuchtenden Augen noch heute auswendig das Urmellied vorsingt", erzählt der Theaterleiter schmunzelnd.

Neue Wege

Marschall weiß jedoch auch, dass der Name Augsburger Puppenkiste längst nicht mehr jedem ein Leuchten in die Augen zaubert: "Unser Bekanntheitsgrad sinkt, vor allem bei den Jüngeren."

Um das zu ändern, hat der Theaterleiter mit seinen 16 Mitarbeitern im Puppenspieler-Team ein neues Standbein aufgebaut. An Weihnachten 2016 und 2017 brachte die Puppenkiste jeweils ein Bühnenstück als Film in die Kinos. "Damit erreichen wir auf einen Schlag genauso viele Zuschauer wie mit der Puppenbühne im ganzen Jahr", sagt Marschall. Auch 2018 wird es deshalb wieder einen Weihnachtsfilm geben: eine Inszenierung der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens für die Puppenbühne.

Mit solchen Projekten hofft Marschall, die Menschen davon zu überzeugen, "dass es wertvoll ist, die Puppenkiste zu besuchen". Und er ist optimistisch, dass das gelingen wird: "Das Figurentheater", glaubt er, "wird ein wichtiger Teil der Kinderkultur bleiben".

1

Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 26. Februar 2018, 14:43 Uhr


Oh - das Urmeli :D
Noch in der Mittelstufe des Gymnasiums fanden wir uns nicht zu "groß", uns in Urmelsprache zu unterhalten, mit Mupfel, Wawa und Sööölöfant.

Das sind wertvolle Kindheitserinnerungen. Die Bücher dazu hab ich übrigens erst viel später im Erwachsenenalter gelesen.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login
Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Hans Möhler (Hg.)
Wie jeder die Welt verbessern kann
Mit kleinen Schritten für die Zukunft

zur Detailseite
Buchtipp

Hans Möhler (Hg.)
Wie jeder die Welt verbessern kann
Mit kleinen Schritten für die Zukunft

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen