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Fontane-Archiv arbeitet Werk des Dichters auch mit Algorithmen auf

11. Januar 2019

Theodor Fontane digital neu entdecken: Zum 200. Geburtstag des Autors setzt das Fontane-Archiv auf Forschung mit modernen Techniken. Zum Vorschein kommt zum Beispiel sein Faible für originelle Wortbildungen.

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Potsdam (epd). Zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane (1819-1898) setzt das Potsdamer Fontane-Archiv auch auf moderne Digitaltechniken zur Erforschung seines Werkes. Im Jubiläumsjahr 2019 werde in verschiedenen Projekten an einer "Algorithmik des Archivs" gearbeitet, sagte der Literaturwissenschaftler und Leiter des Archivs, Peer Trilcke, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Potsdam. "Wir versuchen, die klassischen Methoden im Umgang mit Literatur zu erweitern und das Archiv und die Texte Fontanes mithilfe von Algorithmen zu erkunden und zu präsentieren", erläuterte der Wissenschaftler.

Unter anderem werde an einer innovativen Visualisierung von Fontanes Bibliothek gearbeitet, sagte Trilcke: "Da geht es darum, dass man mittels eines digitalen Interfaces (Schnittstelle/Oberfläche) durch diese Bibliothek surfen kann." Im vergangenen Jahr sei bereits auf einem sogenannten Hackathon (Veranstaltung zur Software- und Hardware-Entwicklung, Anm. d. Red.) Fontanes Werk mit Methoden aus den "Digitalen Geisteswissenschaften" untersucht worden, um Eigenheiten von Fontanes Stil zu identifizieren.

Lieblingswort "Schmetterlingsschlacht"

Dabei habe sich unter anderem gezeigt, dass Fontane ein Faible für seltene und originelle Wortbildungen gehabt habe, sagte Trilcke weiter. Zu seinen persönlichen Lieblingsbegriffen gehörten dabei das kuriose Wort "Schmetterlingsschlacht" und die Begriffe "Weltverbesserungsleidenschaft" und "Menschheitsbeglückungsidee".

Vom Fontane-Jahr erhoffe er sich, dass der Schriftsteller als "überaus vielfältiger Autor" in den Blick rücke und auch unbekanntere Werke Aufmerksamkeit bekommen, sagte Trilcke: "Fontanes späte Lyrik etwa ist kaum bekannt, meist konzentriert man sich auf die berühmten Balladen." Fontane habe jedoch auch "produktiv irritierende, auch politische Texte" verfasst, wie das kolonialismuskritische Gedicht "Die Balinesenfrauen auf Lombok" über ein Massaker im heutigen Indonesien.

Rollenmuster in Fontane-Romanen ähnlich wie heute

Fontanes Themen seien bis heute aktuell, betonte Trilcke: "Mit Fontane beginnt die Geschichte des modernen Gesellschaftsromans in Deutschland." Seine Figuren sähen sich mit sozialen Zwängen und Rollenmustern konfrontiert, "die gar nicht so weit entfernt sind von denen der heutigen Gesellschaft". Am Ende stelle Fontane "immer wieder die Frage, wie man in komplexen gesellschaftlichen Gefügen, mit all diesen Ansprüchen und Erwartungen, glücklich werden kann".

Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 in Neuruppin geboren und starb am 20. September 1898 in Berlin. Das Jubiläumsjahr zu seinem 200. Geburtstag wird am 30. März unter Beteiligung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Neuruppin eröffnet. Das Fontane-Archiv widmet sich der Forschung und bewahrt rund 20.000 Blatt Originalhandschriften des Dichters auf.

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