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Regionalbischöfin Bahr fordert Aufmerksamkeit für «Wut-Christen»

17. Januar 2020

Wie kommuniziert man glaubwürdig? Diese Frage stellt der Christliche Medienkongress in Schwäbisch Gmünd Kirchen- und Medienvertretern. Ihre Antworten fallen verschieden aus. Beide sehen "Personality-Shows" aber skeptisch.

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Schwäbisch Gmünd (epd). Die hannoversche Regionalbischöfin Petra Bahr hat die Kirchen aufgefordert, Hass-Rede in den eigenen Reihen stärker wahrzunehmen und dagegen anzukämpfen. "Wir haben auch so etwas wie Wut-Christen", sagte Bahr am Freitag beim Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd. Sie bekomme mit Bibelstellen gespickte Protestmails, die nichts anderes seien als eine "christliche Variante von Fäkalsprache".

Die Kirchen seien längst selbst Teil von Hate-Speech. In Predigten gehe es aber oft um die "Wut-Bürger da draußen, aber wenig um die Wutbürger in Kirchenvorständen und Synoden", sagte die frühere Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zur Glaubwürdigkeit gehöre die Beschäftigung damit aber auch dazu.

Glaubwürdigkeit in digitalen Zeiten

Thema des Medienkongresses ist Glaubwürdigkeit in digitalen Zeiten. Bahr forderte von ihrer Kirche eine verständlichere Sprache. "Wir ahnen gar nicht, wie wenig wir verstanden werden mit unserem Kirchensprech", sagte sie. Zudem appellierte sie, die Glaubwürdigkeit von Institutionen nicht zu unterschätzen. "Wenn wir nur auf Personality-Shows setzen, dann graben wir uns die eigene Quelle ab", sagte sie.

Der Chefredakteur der "Sächsischen Zeitung", Uwe Vetterick, stimmte zu. Die Kraft der Institution Kirche sei groß, auch im Osten mit weniger Mitgliedern, sagte er. Vetterick schilderte den Umgang seiner Zeitung mit der fremdenfeindlichen "Pegida"-Bewegung in Dresden, deren Teilnehmer auch wiederholt die Presse zum Gegner erklärten.

Durch "Pegida" keinen Auflageneinbruch erlebt

Ansatz seiner Zeitung sei es, sich mit den Organisatoren zu beschäftigen, die Themen der Sympathisanten ernst zu nehmen und die Gegendemonstranten wohlwollend in der Berichterstattung zu begleiten, sagte Vetterick. "Wer will, dass 'Pegida' verschwindet, muss auch dafür sorgen, dass die Gründe, die zu 'Pegida' geführt haben, verschwinden", sagte der Chefredakteur. Nach seinen Angaben hat die Zeitung durch "Pegida" keinen Auflageneinbruch erlebt. Die Kioskverkäufe an Dienstagen nach den Demos seien sogar gestiegen, ebenso die Zahlen der Nutzer der Internetseite am Montagabend.

Der weltliche Vorsteher der Brüdergemeinde Korntal, Klaus Andersen, sprach über seine Konsequenz aus den Missbrauchsfällen in Kinderheimen seiner Gemeinde, die vor rund zehn Jahren öffentlich wurden. Andersen räumte Fehler ein. So sei die Aufarbeitung nicht frühzeitig genug gestartet. Heute wisse er, dass echtes Interesse, persönliche Präsenz und berechenbares Handeln gegenüber den Betroffenen zur Glaubwürdigkeit beitragen kann, sagte er.

Veränderte Medienwelt

Thema des am Donnerstagabend gestarteten Kongresses war in Diskussionen auch immer wieder Medienpädagogik. Der Geschäftsführer der Filmvertriebsgesellschaft Matthias-Film, Bernd Merz, sagte, junge Menschen würden heute eine veränderte Medienwelt erleben. Er halte sie aber bereits für "gestählt, weil sie mit Fake News aufgewachsen sind", sagte er. Auch junge Menschen würden sich nach einer unabhängigen und glaubwürdigen Berichterstattung sehnen und sie erkennen.

Was am Ende als glaubwürdiger Inhalt ankomme, könne man selbst ohnehin nicht komplett bestimmen, sagte Bahr. Das sei ein Dilemma: "Ob wir für glaubwürdig gehalten werden, entscheiden andere. Das ist dumm, aber wahr."

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Leser-Kommentare öffnen

Ulrich Keßler, 19. Januar 2020, 16:37 Uhr


Was ist "Kirchensprech"? Von einer solchen primitiv-anbiedernden "Sprache" fühle ich mich nicht nur nicht angesprochen, sondern bin davon angewidert. Genauso wenn jemand von (s)einer "Denke" spricht. In der Kirche, in diesem Fall von einer Bischöfin, möchte ich auch sprachlich ernst genommen werden.
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Alwite, 19. Januar 2020, 19:19 Uhr


"Wir ahnen gar nicht, wie wenig wir verstanden werden mit unserem Kirchensprech"
Da kann ich mich Herrn Keßler nur anschließen. Wer sich von der Kultur unserer wunderbaren Sprache um einer Minderheit, die sich ohnehin von Bildung nicht beeindrucken lässt, entfernt, irrt. Gerade die Kirche empfinde ich als Bastion und Bewahrer unserer Sprachkultur. Will eine Bischöfin nun in der Art unserer TV-Moderatoren, in der jedes vierte Wort "geil" ist, oder wie Carmen Nebel jeden Satz mit "ne" beendet, kommunizieren? Himmel, wollen wir Luther, dem wir wie keinem Zweiten unsere nuancierte, gebildete Sprache verdanken, auf dem Altar der Kloake, wohin unser Deutsch zur Zeit öffentlich abdriftet, opfern?
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