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Der Gen-Test - vorgeburtliche Untersuchungen werden immer einfacher

10. August 2018

Wie weit darf man gehen bei der Untersuchung ungeborener Kinder auf Krankheiten und Behinderungen? Diese Frage könnte bald den Bundestag beschäftigen.

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Berlin (epd). Abgeordnete aller Fraktionen machen sich für eine solche Debatte stark und finden die Unterstützung der Fraktionsvorsitzenden von CDU/CSU und Grünen, Volker Kauder (CDU) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne).

Die Gentests sind längst auf dem Markt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der über die Krankenkassen-Leistungen in Deutschland entscheidet, wird im kommenden Jahr aller Voraussicht nach empfehlen, vorgeburtliche Gen-Tests auf das Down-Syndrom (Trisomie 21) bei Risikoschwangerschaften in den Leistungskatalog der Kassen aufzunehmen. Dafür müssen die werdenden Mütter nur noch eine Blutprobe abgeben. Sie tun das schon heute zehntausendfach - aber bezahlen die Tests selbst.

Brisant daran: Mehr als die Hälfte der Ungeborenen, die mit einem Down-Syndrom auf die Welt kommen würden, werden abgetrieben: 68 Prozent, heißt es in einem Sachstandsbericht der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags - allerdings auf Basis einer Studie mit geringen Fallzahlen. Die Lebenshilfe spricht von 90 Prozent. Eindeutige Zahlen gibt es nicht.

Kirchen und Behindertenverbände und auch der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken, machen auf die ethischen Probleme zunehmend vereinfachter Tests aufmerksam und warnen vor einem regelrechten Screening auf Behinderungen.

Komplikationen bis hin zu Fehlgeburten

Bisher übernehmen die Krankenkassen bei Risikoschwangerschaften - also vor allem bei älteren Schwangeren - die Fruchtwasseruntersuchung oder eine Biopsie der Plazenta. Diese Untersuchungen sind mit einem Eingriff verbunden und führen in etwa einem Prozent aller Fälle zu Komplikationen, bis hin zu Fehlgeburten.

Über den Gen-Test, der seit 2012 auf dem Markt ist, hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des G-BA ein Gutachten angefertigt. Es kommt zu dem Ergebnis, dass ein Down-Syndrom mit einem Bluttest genauso zuverlässig erkannt werden kann wie mit invasiven Methoden. Würde schwangeren Frauen mit einem erhöhten Risiko der Test angeboten, ließe sich vermutlich ein Teil der Fehlgeburten vermeiden, die die invasive Diagnostik auslösen könne, erklärte das Institut in seinem Abschlussbericht vom Juni dieses Jahres.

Bluttests auf das Down-Syndrom werden unter anderem von der Konstanzer Firma LifeCodexx unter dem Namen "PraenaTest" angeboten. Seit 2012 haben ihn nach Angaben des Unternehmens in Deutschland schon 50.000 Schwangere machen lassen. Der Test wird als nicht invasiver pränataler Test (NIPT) bezeichnet. Aus der Blutprobe der Mutter lassen sich Chromosomenveränderungen beim ungeborenen Kind bestimmen: neben dem Down-Syndrom (Trisomie 21) auch die Trisomie 18 und Trisomie 13, die seltener sind und schwerste Behinderungen zur Folge haben.

54 Prozent der Schwangeren älter als 35 Jahre

Der Test ist für viele Frauen bezahlbar geworden. Er kostet zwischen 199 und 299 Euro, je nachdem, auf wie viele Gendefekte untersucht wird. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe schlagen die Ärzte bis zu 30 Euro pro Untersuchung auf. Manche kombinierten den Test auch mit zusätzlichen Ultraschalluntersuchungen, teilte der Direktor der Klinik für Geburtshilfe und Pränatale Medizin an der Bonner Universität, Ulrich Gembruch, auf Anfrage mit. Bei seiner Markteinführung kostete der Test noch 1.049 Euro.

Von den Schwangeren, die sich testen lassen, sind nach Angaben einer LifeCodexx-Sprecherin 54 Prozent älter als 35 Jahre und gehören damit zur Risikogruppe. Ab diesem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit Trisomie 21 zur Welt zu bringen. Bei einem Viertel der Frauen war zuvor ein auffälliger Befund festgestellt worden - bei 75 Prozent nicht.

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