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Zuzana Hlavkova und ihre Initiative gegen Korruption in der Slowakei
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Ein Rettungsnetz gegen die Korruption

14. Juni 2018

Eine neue Allianz will in der Slowakei gegen staatliche Korruption kämpfen - mit ungewöhnlichen Alliierten: 400 Firmen im ganzen Land haben sich zusammengetan.

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Zuzana Hlavkova und ihre Initiative gegen Korruption in der Slowakei

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Bratislava (epd). Sogar einen Werbespot gibt es inzwischen: "Wir stehen hinter mutigen Beamten, die Bestechung melden", sagt darin eine Geschäftsfrau. Danach kommen in schneller Abfolge die Vertreter verschiedener Firmen ins Bild. Die Initiative löste in der Slowakei eine Lawine aus, mehr als 400 Unternehmen beteiligen sich inzwischen - "viel mehr, als wir in den Film hätten aufnehmen können", sagt schmunzelnd die Organisatorin Zuzana Hlavková.

Die Initiative soll eine Art Rettungsschirm bilden: Wenn ein Beamter einen Korruptionsverdacht in seiner Behörde meldet und deshalb seine Arbeit verliert, soll er von einem der beteiligten Unternehmen eine gute Stelle angeboten bekommen. "Wir nehmen das als gute Gelegenheit wahr, auf einem Feld einen großen Schritt weiterzukommen, das wir in der Slowakei für entscheidend halten - den Kampf gegen die Korruption", sagt Richard Marko auf der Pressekonferenz in Bratislava, bei der die Initiative vorgestellt wurde.

Anker für "Nestbeschmutzer"

Er ist Geschäftsführer des großen Software-Unternehmens Eset - und ein gutes Beispiel für die beteiligten Unternehmen: Oft handelt es sich um internationale Firmen, die selbst mit dem slowakischen Staat keine Geschäfte machen und deshalb keinen Interessenskonflikt haben.

Hinter der Initiative steht federführend die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, die in der Slowakei mehrere andere Bürgerinitiativen und die Wirtschaft zusammengebracht hat. "Bislang gibt es einen solchen Ansatz auch in anderen Ländern noch nicht", sagt Zuzana Hlavková, die Organisatorin. Die junge Frau kennt auch die zweite Seite: Nach ihrem Studium fing sie als Beamtin im slowakischen Außenministerium an - und schlug dort öffentlich Alarm, als sie erkannte, dass einige Verträge im Ministerium deutlich überteuert waren. Schnell galt sie zusammen mit einem ebenfalls beteiligten Kollegen als Nestbeschmutzerin.

Kein Stigma

"Wir hatten beide die Befürchtung, dass wir nie wieder eine Arbeit finden, die unserer Qualifikation entspricht; dass wir aus Beamtenperspektive quasi verbrannt sind", sagt sie im Rückblick. Es zeigte sich allerdings, dass sie die Situation zu pessimistisch einschätzte: Mehr als zwei Dutzend Arbeitsangebote bekam sie in der Folge. "Das hat mir gezeigt, dass es kein Stigma ist, sich ethisch zu verhalten", sagt sie: "Es gibt viele Arbeitgeber, die das als Beleg für Professionalität und Courage sehen."

Diesen Ansatz will Hlavková mit dem Projekt jetzt institutionalisieren. Denn tatsächlich verlören die meisten Slowaken, die auf Korruption aufmerksam machen, ihre Arbeitsstelle - entweder bekommen sie direkt eine Kündigung oder sie werden so lange gegängelt, bis sie selbst hinwerfen.

Wohl auch damit hängt es zusammen, dass viele Verdachtsmomente für Korruption nicht aufgedeckt werden: Nach einer Untersuchung von Transparency International sind nur vier von zehn Slowaken bereit, unlautere Geschäfte an ihrem Arbeitsplatz zu melden - deutlich weniger als im EU-Durchschnitt, wo die Aussage-Bereitschaft bei zwei Dritteln liegt.

Anrüchige Beziehungsgefechte

"Wir sehen die Initiative als wichtiges Signal für die öffentliche Unterstützung", sagt Zuzana Vargová, die Vorsitzende eines slowakischen Beamten-Verbundes. "Derzeit fangen viele junge Leute eine Arbeit im öffentlichen Sektor an, viele von ihnen kommen nach Auslandsaufenthalten wieder zurück in die Slowakei. Sie möchten etwas beitragen zur Verbesserung der Situation bei uns im Land." Dass ihr Idealismus nicht ausgebremst werde, sei entscheidend, urteilt Vargová.

Die slowakische Initiative fällt in eine Zeit, in der viele besonders sensibel auf das Thema der Korruption reagieren. Seit dem Mord am Enthüllungs-Journalisten Jan Kuciak vor rund drei Monaten sind immer mehr Fälle ruchbar geworden, in denen dubiose Unternehmer und selbst hochrangige Politiker durch ein enges Beziehungsgeflecht miteinander verbunden sind.

Suchkritierien für Ehrliche

"Wenn ein Beamter aussagen möchte, können wir ihn juristisch beraten und ihm helfen, den richtigen Weg zu wählen, um auf die Probleme aufmerksam zu machen", heißt es bei Transparency International in Bratislava - "aber die existenzielle Sorge vor dem Verlust der Arbeit konnten wir ihm bislang nicht nehmen."

Mit dem Rettungsnetz könnte sich das jetzt ändern. Wenn ein Beamter wegen seiner Aussagen in Bedrängnis kommt, geht eine Mail mit seinem Profil an die beteiligten Firmen - und diejenigen, zu deren Suchkriterien die betroffene Person passt, können dann Kontakt aufnehmen.

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