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Der Film "Das Familenfoto" kommt in die Kinos Foto: epd-Bild
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Ein bittersüßer Dreigenerationenfilm

16. Mai 2019

In Cécilia Rouauds Ensemblekomödie "Das Familienfoto" findet eine zerrüttete Familie durch die geteilte Liebe zur Großmutter langsam wieder zusammen.

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Der Film "Das Familenfoto" kommt in die Kinos Foto: epd-Bild

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Frankfurt a.M. (epd). Sie möchte nach "Saint-Julien", sagt Mamie, und ihr Wunsch durchzieht die bittersüße Komödie "Das Familienfoto" wie ein Mantra. Auf dem Weg zu diesem Ziel büxt die demente Urgroßmutter nachts aus, wird aber von ihrer Familie stets wieder zurückgeholt. Erst im Laufe der Handlung wird klar, was es mit Saint-Julien auf sich hat. Die Enthüllung dieses Sehnsuchtsortes vollzieht sich ebenso undramatisch wie alles, was Mamie und ihre Angehörigen durchleben. Dabei werden in der von zwei Beerdigungen eingerahmten Handlung weitere aufwühlende Dinge passieren: vom fast gelungenen Selbstmord über Trennungen, unerfüllten Kinderwunsch, scheiternde Liebesgeschichten und vor allem Manifestationen von unverdautem Groll. Heiter ist nur Mamie, die, vielleicht weil sie nichts mehr versteht, von ihren Angehörigen als Kummerkasten benutzt wird.

Nach ihrem vielversprechenden Langfilmdebüt "Je me suis fait tout petit" (2012) erfüllt Regisseurin Cécilia Rouaud in ihrem zweiten Film die Erwartungen. Die Problemhäufung ihres Dreigenerationenfilms scheint erdrückend, und doch inszeniert sie die Seelenqualen, die durch die Zäsur des Todes offen zutage treten, mit leichter Hand und mit nur gelegentlich karikaturhaften Zuspitzungen. Der Fokus liegt auf drei Geschwistern, deren Kindheit nach der Scheidung ihrer Eltern vielleicht ein wenig verkorkster als üblich verlief, und die sich im Kümmern um ihre geliebte Großmutter wieder annähern. Da ist die alleinerziehende Gabrielle, die als lebende Statue arbeitet und ihren Sohn mit ihrer Fürsorge überfordert. Schwester Elsa kämpft mit ihren Wutattacken, Bruder Mao, ein Computerspieldesigner, mit Depressionen.

Zwischen Kümmern und Nervenzusammenbruch

Das klingt arg konstruiert, doch die Darsteller verleihen dem vielgestaltigen Alltagsunglück Glaubwürdigkeit. Die umwerfend aparte Popsängerin Vanessa Paradis balanciert als Gabrielle anmutig auf der Kippe zwischen Kümmern und Nervenzusammenbruch, während Pierre Deladonchamps Bruder Mao, dem es nicht gelingt, seine Isolation zu überwinden, herzzerreißende Schwermut verleiht. Camille Cottin sorgt als Sozialarbeiterin Elsa, deren Furor selbst ihre hart gesottenen Schützlinge erschreckt, für Lacher. Der Schurke dieser Familienaufstellung ist Vater Pierre, gespielt von Jean-Pierre Bacri, der einmal mehr seine Paraderolle eines ruppig-egozentrischen Erzeugers übernimmt. Eine schöne Überraschung ist die durch "Monsieur Claude" bekanntgewordene Chantal Lauby als Pierres Ex-Frau, die, selbst Psychologin, mit professioneller "Möchtest du darüber reden?"-Pose ihre gequälten Kinder seit jeher von sich fernhält.

Der paradoxe Humor dieses Films besteht darin, dass gemotzt und gehadert wird, jedoch die wichtigen Dinge ungesagt bleiben. Tiefste Gefühle werden nur auf der Analytikercouch offenbart, dem Stolz auf die eigenen Kinder wird nur bei Kollegen freier Lauf gelassen und das Herz nur am Krankenbett von Mamie ausgeschüttet.

Doch Rouaud geht es nicht in erster Linie um Gags, sondern darum, auf subtile und oft lakonische Weise die Auswirkung dieser Neurosen auf die Beziehungen zu anderen Menschen spürbar zu machen. Ihr Ansatz scheint psychoanalytisch unterfüttert; so geleitet sie ihre beschädigten Helden bei ihrer Selbstfindung nicht in den Hafen eines konventionellen Happy Ends. Stattdessen unternehmen die Geschwister zunehmend mutigere Anläufe, um über ihren Schatten zu springen. Und Saint-Julien entpuppt sich als Erinnerung an das vergangene Kindheitsparadies. Im Rückgriff darauf holen sich die Geschwister Kraft für die Zukunft.

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