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62 Prozent der Befragten gaben an, ein oder mehrmals sehr lange auf einen Termin beim Arzt gewartet zu haben (Archivbild) Foto: epd-Bild
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Drei Viertel der Deutschen mit Gesundheitsversorgung zufrieden

9. Oktober 2019

Eine Umfrage zeichnet ein positives Bild vom deutschen Gesundheitssystem - die Mehrheit der Bürger ist zufrieden. Zugleich werden Probleme deutlich: Patienten klagen über zu lange Wartezeiten, Ärzte über zu wenig Zeit.

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62 Prozent der Befragten gaben an, ein oder mehrmals sehr lange auf einen Termin beim Arzt gewartet zu haben (Archivbild) Foto: epd-Bild

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Wiesloch (epd). Eine große Mehrheit der Bürger ist einer Umfrage zufolge mit dem deutschen Gesundheitssystem zufrieden. Mehr als drei Viertel der Befragten (77 Prozent) bewerten die Qualität der Gesundheitsversorgung als gut oder sehr gut, wie aus dem am Mittwoch vorgestellten MLP Gesundheitsreport hervorgeht. Immerhin jeder Fünfte empfindet das Gesundheitssystem demnach als weniger oder gar nicht gut. Die repräsentative Studie hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanz- und Vermögensberaters MLP erstellt.

Trotz der insgesamt guten Bewertung klagen viele Bürger über zu lange Wartezeiten. 62 Prozent der Befragten gaben an, ein oder mehrmals sehr lange auf einen Termin beim Arzt gewartet zu haben. 2012 waren es noch 52 Prozent gewesen. Dabei berichteten deutlich mehr gesetzlich Krankenversicherte (65 Prozent) als privat Versicherte (42 Prozent) von zu langen Wartezeiten.

Rund ein Drittel der Befragten (34 Prozent) hatte das Gefühl, dass ihnen bereits aus Kostengründen bestimmte Behandlungen oder Medikamente vorenthalten wurden. Während 37 Prozent der gesetzlich Versicherten diese Vermutung schon einmal hatten, waren es bei den privat Versicherten 19 Prozent.

Zeitmangel stellt Ärzte vor Probleme

Tatsächlich gab den Angaben zufolge fast jeder zweite Arzt (45 Prozent) an, dass er bereits aus Kostengründen eine Behandlung unterlassen hat. 22 Prozent der Ärzte berichteten, dass dies "selten" vorkomme, bei 18 Prozent komme es "gelegentlich" vor. Fünf Prozent gaben an, dass dies "häufig" vorkomme. Eine Handlung aus Kostengründen verschieben mussten 64 Prozent der befragten Ärzte.

Auch Zeitmangel stellt offenbar viele Ärzte vor Probleme. Mehr als jeder dritte niedergelassene Arzt (35 Prozent) gab an, nicht genügend Zeit für seine Patienten zu haben. Bei Ärzten in Krankenhäusern lag dieser Anteil sogar bei 61 Prozent - ein deutlicher Anstieg gegenüber der vergangenen Befragung im Jahr 2016 (50 Prozent). Zugleich gab jeder zweite Krankenhausarzt (49 Prozent) an, mehr Patienten versorgen zu müssen.

Bürger befürchten steigende Kassenbeiträge

Ärzte blicken pessimistisch in die Zukunft. 59 Prozent der Ärzte rechnen in den kommenden zehn Jahren mit Verschlechterungen bei der Gesundheitsversorgung. 27 Prozent glauben, dass sich der derzeitige Stand halten lässt, eine Verbesserung erwarten nur zwölf Prozent. Bei den Bürgern rechnen 34 Prozent mit Verbesserungen, 32 Prozent glauben, die Versorgung bleibt unverändert. 30 Prozent befürchten Verschlechterungen.

Die überwiegende Mehrheit der Ärzte (90 Prozent) rechnet mit zunehmenden Schwierigkeiten der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum. 85 Prozent erwarten, dass Ärzte weniger Zeit für Patienten haben werden. Drei Viertel (75 Prozent) rechnen damit, dass es für Ärzte schwieriger wird, alle medizinisch notwendigen Leistungen zu verordnen.

Viele Bürger befürchten dabei vor allem steigende Kassenbeiträge (72 Prozent), weniger Zeit der Ärzte für die Patienten (66 Prozent) und mehr Kosten, die sie selbst tragen müssen (60 Prozent). Für die repräsentative Umfrage hat das Institut für Demoskopie Allensbach mehr als 1.200 Bundesbürger und über 500 Ärzte von Mai bis Juli dieses Jahres befragt.

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