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Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude während des Prozesses gegen Oskar Gröning in Lüneburg 2015
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«Der Hass bringt die Opfer nicht zurück!»

13. März 2018

Der Tod des früheren SS-Mannes Oskar Gröning (96) hat im Netz weltweit zahlreiche und zum Teil heftige Reaktionen hervorgerufen. Eine Nutzerin formuliert es so: "Jetzt nach seinem Tod wartet erst das richtige Gericht auf ihn."

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Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude während des Prozesses gegen Oskar Gröning in Lüneburg 2015

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Hannover (epd). Ein anderer wird noch schärfer: "Allein, dass der so lange leben durfte - bei so vielen Menschen, die er auf dem Gewissen hat, zeigt, wie ungerecht das Leben sein kann." Der frühere Buchhalter im Konzentrationslager Auschwitz starb einem Schreiben seines Anwalts an die hannoversche Staatsanwaltschaft zufolge am vergangenen Freitag im Krankenhaus.

Gröning war im Juli 2015 vom Landgericht Lüneburg wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen im Vernichtungslager Auschwitz zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Er hatte zuletzt ein Gnadengesuch an die niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza (CDU) gestellt, über das die Ministerin in diesen Tagen entscheiden wollte.

Aus der Geschichte lernen

Vereinzelt schreiben Nutzer unter dem Hashtag #Gröning auch wütende Nachrichten. "Ich wünsche ihm, das er in der Hölle ein wenig von dem Elend und Leid erfahren wird, dass seine Opfer in Auschwitz erlebt haben", kommentiert ein Facebook-Nutzer den Fall. Ein anderer meint im sozialen Netzwerk Twitter, dass Gröning durch den Tod seiner gerechten Strafe entgangen sei und, dass er "kein Mitleid mit Nazis und ihren Helfern" habe. Ein weiterer User hingegen warnt: "Der Hass auf diesen Mann bringt die Opfer von damals nicht zurück!" Vielmehr gehe es darum, aus der Geschichte zu lernen, nicht zu vergessen und dafür zu sorgen, dass Verbrechen wie in der Nazizeit nie wieder passierten.

So löst die Nachricht vom Tod Grönings auch eine Debatte über Erinnerungskultur aus. Ein Mann aus dem US-amerikanischen Miami gibt die Geschichte Grönings als einen der vielen Gründe an, warum er demnächst nach Polen reisen wird, um die früheren Todeslager zu besuchen. Er werde dabei am 12. April auch am jährlichen "Marsch der Lebenden", einem Gedenkmarsch von Auschwitz nach Birkenau, teilnehmen. "Ich bin mir sicher, das wird einen bedeutsamen Einfluss auf mein Leben haben."

Wenn ein Mensch geht

Ein Mann aus England schreibt, Gröning habe die Haft in seinen Augen nicht verdient, sondern sei lediglich Befehlen gefolgt. Andere kritisieren hingegen den in ihren Augen späten Anklagezeitpunkt. Einige wenige Nutzer schreiben auch Beileidsbekundungen. So meint ein Mann, der sich als Christ und "weder rechts noch links" bezeichnet: "Es ist immer traurig, wenn ein Mensch geht, egal, was er getan hat." Er wünsche der Familie des Verstorbenen in den schweren Tagen viel Kraft.

Wieder andere fordern, sich nicht über diesen Fall aufzuregen. Vielmehr solle die Justiz versuchen, gegenwärtige Kriegsverbrecher, beispielsweise in Syrien, direkt zu bestrafen. Ein User aus Uganda schreibt "Verbrechen gegen die Menschheit werden niemals sterben". Dieser Meinung ist auch eine weitere Facebook-Nutzerin: "Ich persönlich denke, dass man die Akte Gröning nun schließen kann. Viele andere noch nicht."

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