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Das Leid im Schweinestall

21. November 2016

Mit artgerechter Haltung und idyllischen Schweinebildern wird in fast jedem Supermarkt geworben - mit der Realität in den Ställen hat das wenig zu tun, kritisieren Verbraucherschützer. Ein staatliches Tierwohlsiegel soll mehr Orientierung bringen.

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Frankfurt a.M. (epd). Vier von zehn Eiern wurden von Hennen mit Knochenbrüchen gelegt, fast jedes Schwein kommt mit haltungsbedingten Krankheiten zum Schlachter: Diese Zahlen aus Studien zur Gesundheit in der Massentierhaltung präsentierte kürzlich die Verbraucherorganisation foodwatch.

Neu sind die Erkenntnisse nicht: Eingeschweißt im Supermarktregal bleiben diese Aspekte der Fleischproduktion aber unsichtbar. "Dennoch interessieren sich Verbraucher stärker für Tierwohl als noch vor einigen Jahren", sagt Jutta Jaksche, Lebensmittel-Referentin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Das zeigten Befragungen aus dem Jahr 2015. Etwa jeder Dritte sei bereit, mehr Geld für Produkte zu zahlen, wenn dafür das Tierwohl mehr beachtet werde. "Akzeptabel wären für diese Käufer 20 bis 30 Prozent höhere Preise als die derzeitigen Supermarktpreise", sagt Jaksche.

Staatliches Tierwohllabel geplant

Gerade mal ein bis zwei Prozent der Waren trügen ein geprüftes Tierschutzlabel, sagt die Lebensmittelexpertin. Auf der Grünen Woche 2017 will nun Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ein staatliches Tierwohllabel vorstellen. Es soll freiwillig sein und niedrige Anforderungen haben, um möglichst viele Landwirte zu erreichen, wie laut Medienberichten ein erstes Eckpunktepapier des Ministeriums zeigt. Forderungen nach einem staatlichen Label hatte Schmidt bislang mit dem Verweis auf bestehende Labels und die sogenannte "Initiative Tierwohl" der Fleischbranche abgelehnt. Verbraucherschützer fordern indes seit langem für Konsumenten einen verlässlichen Standard anstelle unverbindlicher Werbebotschaften.

Versprochen wird Tierwohl häufig. Aldi, Lidl, Edeka und Co. werben für die "Initiative Tierwohl". Dadurch prangt das Wort "Tierwohl" von vielen Fleischregalen. "Die Botschaft steht pauschal über allen Fleischwaren und suggeriert, alle seien aus der Initiative", kritisiert Verbraucherschützerin Jaksche das Label als Irreführung.

85 Prozent aller Supermarkt-Filialen sind Teil der seit 2015 laufenden Brancheninitiative. Die Unternehmen geben dazu vier Cent pro verkauftem Kilo Fleisch in einen gemeinsamen Fördertopf. Der wird pro Schlachttier an teilnehmende Landwirte ausgeschüttet, die ihren Tieren neben einigen Grundanforderungen mindestens eine frei wählbare Verbesserung wie etwa eine zehn Prozent größere Stallfläche oder Raufutter wie Stroh bieten. 2.260 Schweine- und 927 Geflügelhalter machen mit, rund 2.300 weitere stehen auf der Warteliste.

Kritik wächst

Allerdings wächst die Kritik: Der Deutsche Tierschutzbund und der Tierschutzverein ProVieh traten im Oktober aus dem Beraterkreis der Brancheninitiative aus. Tierschutz-Präsident Thomas Schröder nennt die Initiative Tierwohl "eine gewaltige Mogelpackung", die nichts am Leid in den Ställen ändere.

"Wir wollen die Breite der Tierhalter erreichen und müssen so kleine Schritten zu mehr Tierwohl machen", sagt Sebastian Düring, Sprecher der Initiative Tierwohl zu der Kritik. Maximal neun Euro pro Tier kann ein Halter bekommen, einmal pro Jahr wird die Einhaltung der Kriterien kontrolliert.

Auch ProVieh begründete den Austritt aus der Brancheninitiative damit, dass die Kriterien für das Tierwohl nicht anspruchsvoll genug seien. "Schweine in Massentierhaltung brauchen zwingend und nicht optional Raufutter", sagt Fachreferentin Angela Dinter. Zudem waren verdeckt aufgenommene Videos von Tierrechtlern aufgetaucht, die miserable Haltungsbedingungen in von der Initiative Tierwohl zertifizierten Betrieben zeigten.

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